Spittler (Ludw. Timotheus, Freiherr von), berühmt als Geschichtschreiber und Publizist, geb. zu Stuttgart 10. Nov. 1752, studierte zu Tübingen und Göttingen und wurde 1777 Repetent am theol. Seminar zu Tübingen. Nach Veröffentlichung seiner Schriften Kritische Untersuchung des 60. laodicäischen Kanonsv (Brem. 1777) und «Geschichte des kanonischen Rechts bis auf die Zeit des falschen Miso (Halle 1778) wurde er 1779 Professor der hilosophie in Göttingen. Gespannte Verhältnisse mit Heyne bewogen ihn, nach Württemberg zurückukehren. Seine Beförderung zum Minister, Prädenten der Oberstudiendirektion und Kurator der Universität zu Tübingen erfolgte 1806, wobei er zugleich zum Freiherrn erhoben wurde. Er starb 14. März 1810. Seine Hauptwerke sind: „Grundriß der Geschichte der christl. Kirches (Gött. 1806; 5. Aufl. von Planck, 1813), «Geschichte Württembergs unter den Grafen und Herzögeno (Gött. 1783), des Fürstentums Hannovero (Gött. 1786), Entwurf der Geschichte der europ. Staateno (2 Bde., Berl. 1793; 3. Aufl. von Sartorius, 1823), (Geschichte der dän. Revolution 1660 (Berl. 1796). Daran schließen sich noch die «Geschichte des Kelchs im Abendmahls (Lemgo 1780) und zahlreiche Abhandlungen im Göttinger histor. Magazino. Seine Darstellungsweise, oft nur rhapsodisch und andeutend, manchmal rauh und nicht ohne Nachlässigkeit, ist sehr anregend. Auf dem Gebiet der Kirchengeschichte ist er ein Vertreter der pragmatischen Geschichtschreibung, hat übrigens mehr über die Kirchengeschichte reflektiert, als sie dargestellt, und sich dabei meist von weltlichen Gesichtspunkten leiten lassen. Vgl. Panck, Kliber S. als Historiker (Gött. 1811). Seine geistreich skizzierten „Vorlesungen über die Geschichte des Papsttumso wurden mit Anmerkungen von Gurlitt (Hamb. 1824 -28; vervollständigt von Paulus, Heidelb. 1826) und seine „Geschichte der Kreuzzügen und die „Geschichte der Hierarchie von Gregor VII. bis auf die Zeit der Reformationo von K. Müller aus Gurlitts litterarischem Nachlaß (Samb. 1827 —28) herausgegeben. Eine Gesamtausgabe von S.s Werkeno desorgte sein Schwiegersohn K. Wächter (15 Bde., Stuttg. 1827—37).