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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Tvisto nannten die Westgermanen nach des Tacitus Berichte im zweiten Kapitel der Germaniao den erdgeborenen Gott, den sie mit seinem Sohne Mannus (s. d.), von dessen drei Söhnen sich die drei Hauptstämme, die Ingävonen, Istävonen und Herminonen, ableiteten, in alten Liedern als den Urheber ihres Volks feierten. T. läßt sich grammatisch nicht anders ableiten als von der Zweizahl, und unter den verschiedenen aufgestellten Deutungen des Namens verdient deshalb diejenige Wackernagels (in Haupts «OZeitschrift für deutsches Altertumv, Bd. 6)/ den Vorzug. Danach ist die Sage von T. und Mannus nicht, wie Tacitus sie ansah, eine Sage über den autochthonischen Ursprung des german. Volks, sondern vielmehr ein Mythus über den Ursprung der Menschheit überhaupt, ein Stück german. Kosmogonie. T. ist der Zwiefache, die zwitterhafte Gottheit, welche nicht selten an der Spitze von Kosmogonien erscheint, welche noch die männliche zeugende mit der weiblichen empfangenden Kraft in sich verbindet, und so aus sich selbst den Mannus, das erste Wesen in Menschengestalt, zeugt, mit dessen drei Söhnen dann die eigentliche nationale Stammsage von dem Ursprunge der einzelnen westgerman. Hauptvölkerschaften beginnt. Der westgerman. Sage entspricht die ostgerman. von Aurgelmir, dem unter dem linken Arme die ersten Nachkommen entsprossen seien.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 929Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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