FeedSchlosser (Friedr. Christoph)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Schlosser (Friedr. Christoph), ausgezeichneter deutscher Geschichtschreiber, wurde 17. Nov. 1776 zu Jever geboren, auf dem Gymnasium daselbst vorgebildet und bezog 1793 die Universität Göttingen, wo er neben Theologie eifrig Geschichte und Philosophie, später die Litteratur der Italiener, Spanier und Engländer studierte. Im J. 1798 vikarierte er für einen Prediger auf dem Lande, wurde Hauslehrer in Othmarschen bei Altona und 1800 in Frankfurt a. M. In dieser Zeit veröffentlichte er die Schrift Abälard und Dulcind (Gotha 1807) und das Leben Bezas und des Peter Martyr Vermilib (Heidelb. 1809). Inzwischen war S. 1808 Konrektor an der Schule zu Jever geworden, legte aber 1809 dieses Amt nieder und ging nach Frankfurt a. M. zurück, wo er seine Geschichte der bilderstürmenden Kaiser des Oströmischen Reichsv (Frankf. 1812) ausarbeitete. Der Fürst Primas ernannte ihn 1812 zum Professor am Lyceum zu Frankfurt, und als dieses 1814 einging, wurde er Stadtbibliothekar. Im J. 1817 folgte er dem Rufe als Professor der Geschichte an der Universität Heidelberg, wo er 23. Sept. 1861 starb. Unter seinen größern Arbeiten erwarb ihm zuerst die „Weltgeschichte in zusammenhängender Erzählungo (4 Tle. in 9 Bdn., Frankf. 1817— 24; 2. Aufl. 1839—41) den Ruf eines ernsten und scharfsichtigen Forschers. Diesem Werke folgte als Ergebnis seiner in Paris angestellten Forschungen die 4«Geschichte des 18. Jahrh. » (2 Bde., Heidelb. 1823; 5. Aufl. unter dem Titel 4Geschichte des 18. und 19. Jahrh. bis zum Sturze des franz. Kaiserreichs », 8 Bde., Heidelb. w1866—68), die durch kritische Schärfe und eingehende Charakteristik der Personen und Richtungen allgemeinen Beifall erlangte. In der Universalhistor. Übersicht der Geschichte der Alten Welt und ihrer Kulturo (3 Bde. in 9 Abteil., Frankf. 1826—34) legte er die Früchte vieljähriger Studien des Altertums nieder, wandte sich aber dann zur modernen Zeit zurück in der Schrift „Zur Beurteilung Napoleons und seiner neuesten Tadler und Lobredner» (3 Abteil., Frankf. 1832—35), welche zugleich als eine Vorarbeit zu der neuen Umarbeitung seiner „Geschichte des 18. Jahrh.» gelten konnte. Diese, bedeutend erweitert und besonders die Entwickelung der Litteratur und Kultur ausführlich darstellend, erwarb sich einen großen Leserkreis sowohl in Deutschland wie durch übersetzung im Ausland und übte besonders in Deutschland selbst eine sehr eingreifende Wirkung. Das Werk erschien 1853—60 (8Bde.) in vierter Auflage. Rücksichtslose Wahrheitsliebe und eine scharfe, sittenstrenge Beurteilung der Personen und Zeiten zeichnet Sis histor. Darstellung aus. Um die Ergebnisse seiner Forschungen in einem Gesamtbilde auch populären Kreisen zugänglich zu machen, veranstaltete er die Herausgabe einer 4Weltgeschichte für das deutsche Volk⸗ (19 Bde., Frankf. 1842—50, welche Kriegk in Frankfurt aus den Werken S.s über das Altertum, das Mittelalter und das 18. Jahrh. bearbeitete, und zu der S. selbst das 15., 16. und 17. Jahrh. beifügte; dieses Werk erscheint seit 1884 in 4. Aufl. neu bearbeitet und fortgesetzt von Jäger und Franz Wolff zu Berlin. Von seinen kleinern Schriften sind noch die Studien über Dante (Lpz. u. Heidelb. 1855) und die Beiträge zu dem von ihm mit Ernst herausgegebenen «Archiv für Geschichte und Litteraturo (5 Bde., Frankf. 1830—35) hervorzuheben. In Jever wurde ihm 2. Sept. 1878 ein Denkmal errichtet. Vgl. Gervinus, «Friedrich Christoph S. » (Lpz. 1861); Löbell (anonym), (Briefe über den Nekrolog S.s (Chemnitz 1862); Weber, «Friedrich Christoph S., der Historiker» (Lpz. 1876; Festschrift)? Erdmannsdörfer, 4«Gedächtnisreden zu der Feier von S.s 100jährigem Geburtstago (Heidelb. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 414Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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