Sprachwiffenschaft, Linguistik, Glottik, hat zur Aufgabe die Erforschung der menschlichen Sprache im weitesten Sinne, sie behandelt daher die Frage nach dem Ursprung der Sprache, nach dem Verhältnis des Sprechens zum Denken, dem Verhältnis der einzelnen Sprache zur allgemeinen Sprachidee (allgemeine S.), den genetischen Zusammenhang von Sprachen untereinander, die histor. Veränderung der Sprachen zur Entdeckung der dabei geltenden Gesetze (vergleichende und histor. Grammatik). Da die Gesetze der Sprachentwickelung eine große Ahnlichkeit mit den Naturgesetzen ben, indem die Sprachveränderungen den Sprenden unbewußte sind und nicht von deren bewußtem Willen bestimmt werden, und auch die Methode der S. mit der Methode der Naturwissenschaften identisch ist, so rechneten einige Sprachforscher (Schleicher, H Müller) die S. zu den Naturwissenschaften; diese Ansicht ist aber mit Recht von den meisten Sprachforschern verworfen, da die Sprache ein Produkt der eigenen Geistes-Men keit des Menschen, also auch wie alles vom enschen Geschaffene in den Bereich der histor. Wissenschaften gehört. Daraus ergibt sich auch, daß der in der neuesten Zeit von den sog. Jungammatikern aufgestellte Satz: Die sprachlichen utgesetze sind ausnahmslos wirkende Naturesetzed, als ein dung o0 angesehen werden muß. ie Zusammenfassung alles Forschens und Wissens über menschliche Sprache zur S. ist ein Werk des 19. Jahrh. und ist nicht mit der Philologie, wie es wohl geschieht, zusammenzuwerfen. Für letztere ie Sprache Mittel zum Zweck, dieser Zweck aber ist die vollständige Erkenntnis und Rekonstruktion des Gesamtlebens irgend einer vergangenen Kulturperiode, während für die S. die Sprache das Objekt der Betrachtung ist, und zwar alle vorhandenen einzelnen Erscheinungen derzelben, wie sie sich in den verschiedenen Sprachen der Völker darstellen, wobei Litteratur und Geschichte derselben nur als Hilfsmittel des Studiums in Betracht kommen. Die Beschäftigung mit der Sprache ist sehr alt; bei den Griechen fällt sie schon in die Anfänge der Philosophie von Sokrates und Plato, bei den Indern noch früher. Doch blieb dieselbe bis auf unsere 7 eine einseitige, indem sie entweder in der eschreibenden Darstellung irgend einer einzelnen Sprache bestand, als Grammatik im eigentlichen Sinne, oder auf philos. Wege die Frage nach dem Ursprung der Sprache, nach dem Verhältnis des Sprechens zum Denken zu lösen suchte. Der Fortschritt der neuern S. besteht darin, daß sie sich nicht auf eine oder einen Kreis verwandter Sprachen beschränkt, sondern sämtliche Sprachen in den Kreis 50 Beobachtungen zieht, und erst auf Grund dieser eobachtungen die Fragen nach den letzten Gründen aller —— Erscheinungen zu beantworten sucht. Ein größeres Interesse für Sprachforschung, wie auch die ersten bedeutenden Anfänge der neuen Richtung, zeigen sich im Laufe des 18. Jahrh., namentlich in der letzten Hälfte. Man begann Wörter-Im Spracder und Sprachproben aus möglichst vieen Sprachen anzulegen, z. B. Sammlungen von Uebersetzungen des Vaterunsers. Dahin gehört unter anderm das von Katharina II. veranstaltete allgemeine Wörterbuch (Linguarum totius orbis vocabularia comparativas, 4 Bde., Petersb. 1787 —91), Adelungs Mithridateso (fortgesetzt von Vater, 4 Bde., Berl. 1806—21). Da diese Sammlungen ohne richtigen Begriff von Sprachverwandtschaft nach dem zufällig vorhandenen Material gemacht sind, haben sie jetzt nur als Stoffsammlungen einen Werth. Während man so einerseits rein äußerlich zusammenstellte, suchte man andererfeits bereits die höchsten Fragen bezüglich der Sprache 5 beantworten. Dahin gehörte vor allem die srage nach dem Ursprunge der Sprache, die man bis auf Herder immer als Kontroverse faßte, ob die Sprache menschlichen oder göttlichen Ursprungs, eine menschliche —— oder eine Gabe an die Menschheit sei. So bei Süßmilch: Versuch eines Beweises, daß die erste Sprache lem Ursprung nicht vom Menschen, sondern allein vom Schöpfer erhalten habes (1766), und bei Tiedemann, «Versuch einer Erklärung des Ursprungs der Spracher (Riga 1772). Herders Schrift Küber den Ursprung der Sprachey (Berl. 1789), die bedeutendste des 18. Jahrh. über diesen Gegenstand, beseitigte in etwas jene naive Auffassung der Sache, indem Herder die Sprachfähigkeit als einen notwendigen Bestandteil der Gesamtkräfte des Menschen auffaßte, als azum Charakter seines Geschlechtso gehörig. Insofern verwirft er jene äußerliche, verabredete Erfindung der Sprache durch den Menschen, faßt aber doch die Sprache als das Produkt, die nachträgliche Schöpfung der Konzentration der menschlichen Kräfte (von Herder Besonnenheit genannt). Darum ist auch für ihn noch die Sprache ein plötzlich fertiges und dann totes Mittel zur Bezeichnung und Wiedererkennung der Dinge. (über die ältern Ansichten vom Ursprung der Sprache vgl. Steinthal, Der Ursprung der Sprached, Berl. 1858; 3. Aufl. 1877.) Ans Ende des 18. und in den Anfang des 19. Jahrh. fällt nun die Entdeckung des Zusammenhangs des großen Sprachenkreises, den man als indogermanischen zusammenfaßt, zuerst von einigen Franzosen und Engländern, namentlich Jones und Colebrooke, an der Uebereinstimmung einzelner Worte und Formen der europ. Sprachen mit denen des Sanskrit entdeckt, wissenschaftlich erwiesen und dargestellt von Bopp in der Schrift Das Konjugationssystem in der Sanskritsprache, verglichen mit jenem der griech., lat., pers. und german. Sprachenv (Berl. 1816), dann ausführlicher in seiner Vergleichenden Grammatiko. Durch Bopps Arbeiten gewann man zum ersten mal einen Begriff von den Gesetzen, nach denen eine bestimmte Sprachform gebaut war und sich entwickelt hatte, und bekam sichere Kriterien für die Verwandtschaftsverhältnisse der Sprachen. Bopps Forschungen waren unabhängig von der philos. Sprachbetrachtung Herders und seiner Vorgänger, und sind als eine Fortsetzung der Bestrebungen Adelungs und Früherer anzusehen. Beide Seiten der Betrachtung vereinigte nun W. von Humboldt, der eigentliche Begründer der S. im scieden Sinne, in seinem Werke alber die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaueso (Berl. 1836; besonderer Abdruck aus dem Werke über die Kawisprache; neu herausgegeben von Pott mit ausführlicher Einleitung, 2 Bde., Berl. 1876). Für Humboldt ist die Sprache nicht mehr ein totes Mittel, ein Werkzeug, das zur Bezeichnung der Dinge vom menschlichen Geiste verwandt wird, sondern Humboldts erster und wichtigster Satz ist: „Die Sprache ist das bildende Organ der Gedankend, d. h. es gibt keinen Gedanken ohne Sprache, und das menschliche Denken wird erst durch die Sprache. Darin liegt zugleich, daß die Sprache nichts weiter ist als die immer wiederholte Thätigkeit des Geistes, den Laut zum Ausdruck des Gedankens zu machen. Die besondere Art, wie sich diese Sprachthätigkeit im Einzelnen manifestiert, beruht auf der Geisteseigentümlichkeit der einzelnen Völker. Jedes Volk drückt in seiner Sprache die besondere Art aus, wie es die Dinge der Außenwelt auffaßt; die Sprache, wie Humboldt sagt, ist eine Weltansicht Damit war zugleich gesagt, daß die Einsicht in den Bau der Sprache uns in das innerste Wesen eines Volks und der ganzen Menschheit blicken läßt, und darin liegt die große Bedeutung der S. für die Entwickelungseschichte des Menschen überhaupt. Auf den Bau — Sprachen gründete Humboldt die Klassifikation derselben, der er dadurch zuerst eine wissenschaftliche Grundlage gab. Die S. geht seit Humboldt bei der Anordnung der vorhandenen Sprachen in ein System wesentlich von der Form des Wortes aus. In jedem sprachlichen Element lassen sich zwei Momente unterscheiden: der Laut, gleichsam das Material, aus dem das Wort gebaut ist, und die Bedeutung dieses Lautes. Die Bedeutung nun zerfällt wieder in eziehung. So drückt z. B. im lat. Worte est (er ist) der Laut es die Bedeutung des Seins überhaupt aus, der Lautet aber gibt die Beziehung auf die dritte Person. Der Lautkomplex, welcher die Bedeutung im engern Sinne angibt, heißt die Wurzel, die übrigen Laute Beziehungslaute. Die besondere Art, wie Beziehung und Bedeutung ausgedrückt werden, oder das Verhältnis von Beziehungs- und Bedeutungslaut gibt die Form des Wortes. So kommen für jedes Wort drei Momente in Betrachtung: Laut, Bedeutung (in diesem weitern Sinne auch Funktion genannt), Form. Die Form bildet das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zur Klassifikation der Sprachen, und die Morphologie der Sprache stellt danach drei Klassen von Sprachen auf: I. Die Beziehung ist gar nicht lautlich ausgedrückt, die Sprache hat also nur Bedeutungslaute oder Wurzeln: isolierende oder einsilbige Sprachen, zu denen z. B. das Chinesische, Tibetische und die hinterind. Sprachen gehören. Hier ist die Beziehung immer implicite da, nur bleibt sie der Ergänzung des Hörenden überlassen; bestimmte lautliche Elemente dafür gibt es nicht. II. Zusammenfügende lagglutinierende) Klasse. Die Sprache hat lautlichen Ausdruck für die Beziehung, und fugt mit den Wurzeln (Bedeutungslauten) die Beziehungslaute in irgend einer Weise zusammen, entweder durch Nachsetzung (Suffigierung), oder Vorsetzung (Präfigierung), oder Hineinsetzung in die Wurzel (Infigierung); die Laute der Wurzel bleiben dabei unverändert. Zu dieser Klasse gehört eine große Anzahl von Sprachen, die meisten bis jetzt bekannten: die sog. malaio-polynesischen Sprachen; die sog. dravidischen Sprachen (Tamulisch und andere) im südl. Teil Vorderindiens, dem Dekan; eine Anzahl im Kaukasus einheimischer Sprachen; der finnisch-tatarisch oder ural-zaltaisch genannte Sprachstamm. Endlich gehören zu dieser zweiten Klasse eine große Anzahl der afrik. Sprachen, soweit sie bis jetzt bekannt sind, namentlich südafrikanische (Bantusprachen) und als besondere Unterabteilungen das Baslische in Europa und die Sprachen der Indianer Amerikas. III. Flektierende Klasse. In diesen Sprachen wird die Wurzel selbst zum Zwecke des Beziehungsausdrucks regelmäßig verändert; außerdem werden aber Beziehungslaute auch mit der Wurzel zusammengefügt. Zu dieser Klasse gehören nur zwei Sprachstämme, der indogermanische und semitische. Der wesentlichste Unterschied dieser beiden Stämme besteht darin, daß im Indogermanischen die Wurzel stets einsilbig, während sie im Semitischen an diese Form nicht gebunden ist. und daß, wo Beziehungslaute mit der Wurzel zusammengefügt werden, dies im Indogermanischen stets Suffigierung geschieht, im Semitischen aber au Präfigierung stattfinden kann. (über Klassifikation der Sprachen vgl. Steinthal, Charakteristik der hauptsächlichsten Typen des Sprachbaues», Berl. 1860; Schleicher, Die Sprachen Europas in systematischer Übersichtos, Bonn 1850; F. Müller, „(Grundriß der Sprachwissenschafte (Bd. 1, Wien 1876.) Doch unterliegt die Richtigkeit dieser rein morphologischen Klassifikation nach den neuesten, noch nicht abgeschlossenen sprachwissenschaftlichen Forschungen erheblichen Zweifeln, namentlich ist es fektieren ob zwischen den agglutinierenden und ektierenden Sprachen ein prinzipieller Unterschied des Baues stattfindet, ob also die innere Veränderung der Wurzel ursprünglich dem Beziehungsausdruck gedient habe und nicht vielmehr auf mechan. Lautbewegung beruhe. Was den graduellen Unterschied der drei Klassen betrifft, so steht nach der bis jetzt geläufigsten Ansicht die erste Klasse im Vergleich zu der Idee der Sprache am niedrigsten, da sie von den beiden notwendigen Momenten jeder menschlichen Rede nur das eine (die Bedeutung) lautlich ausdrückt. Die zweite Klasse zwar drückt die Beziehung aus, aber so, daß Beziehungs⸗ und Bedeutungslaut lose nebeneinander stehen und die Beziehung sich immer noch als etwas Selbständiges neben der Bedeutung geltend macht, während im Denken beide Momente zusammenfallen. Die dritte Klasse endlich steht deswegen am höchsten, weil sie das im Denken Ungetrennte auch in einem einheitlichen Lautbilde durch die Veränderung des Wurzellautes selbst wiederibt. Die drei Klassen bilden ein Entwickelungssyrtem und zwar in dem Sinne, daß jede höhere Klasse die niedere als Vorstufe voraussetzt. Es hal also eine Zeit gegeben, wo auch das Indogermanische noch eine isolierende Sprache war, die dann übergegangen ist in eine zusammenfügende und schließlich zu einer flektierenden geworden ist. Der Begriff des Gehens z. B. wird in allen indogerman. Sprachen durch die Wurzel i ausgedrückt, der Begriff aicho durch ma. Ich gehes würde alfo auf der isolierenden Stufe ausgedrückt sein à ma (gehen ich), wo beide Wurzeln getrennt sind und beide selbständigen Accent haben. Die zusammenfügende Stufe würde beide Elemente verbinden und unter einen Accent bringen, ima, oder vielleicht imi, da die Beziehungslaute, wenn sie ihre volle Selbständigkeit verloren haben, manchen Schwächungen und Veränderungen unterworfen werden. Im wirklich vorliegenden flektierenden Stande der indogerman. Sprachen aber lautet diese Form aimi (grch. eLui) d. h. während die Beziehung auf die ante Perhon durch das eingefügte mi geblieben ist, hat zugleich die Wurzel eine Veränderung erfahren, welche die Beziehung der Hauernden Handlung lin der Grammatik das Präsens genannt) ausdrückt. Alle zu einer und derselben Klasse gehörigen Sprachen sind untereinander morphologisch verwandt (formverwandt). Daraus aber folgt noch nicht, daß sie von der andern, oder alle von einer ursprünglichen Sprache abstammen; zwei Sprachen können dieselbe Form haben, ohne daß auch nur eine einzige Wurzel derselben gleichlautet Man hat daher von der formellen Verwandtschaft der Sprachen zu unterscheiden die materielle, die dann stattfindet, wenn mehrere Syrachen dieselbe grammatische Beziehung ursprünglich mit demselben Laute bezeichnen, mag dieser später auch viele Umbildungen erlitten haben. Alle in diesem Sinne verwandten Sprachen bilden einen Sprachstamm. Die nach den Sprachstämmen durchgeführte Klassifikation der Sprachen bildet nun die zweite (genealogische) Klassifikationsmethode. Nach dieser zerfallen die menschlichen Sprachen in eine bis jetzt nicht genau bestimmte Anzahl von Sprachstämmen, die ihrem Ursprung nach voneinander völlig unabhängig sind. Unter den bisher von der S. aufgestellten Sprachmstämmen sind die bedeutendsten, was die histor. Stellung der Völker betrifft, und die besterforschten: der indogermanische, der hamitisch-semitische (beide zur dritten Klasse gehörig), der finnisch-tatarische oder ural-altaische, der dravidische, der malaio-polynesische, der Bantusprachstamm (alle der zweiten Klasse angebörend). Die verschiedenen, oft sehr zahlreichen Einzelsprachen eines Stammes gehen alle auf eine einstmals ungeteilte Grundsprache zurück. Der vollendete Ausbau dieser Grundsprache scheidet das Leben der Sprachen eines Hauptstammes in zwei Hauptperioden, erstens die Zeit der Sprachschöpfung und Ausbildung bis zur Vollendung des in der Sprache liegenden Prinzips, zweitens in die Periode des lautlichen Verfalls. Diesen Verfall der Sprache darf man aber nie indentisizieren mit dem Verfall der Nationen oder ihres geistigen Lebens, im Gegenteil beginnt das regere Leben der Völker erst in dieser Periode. Während vorher die gesamte geistige Thätigkeit auf die Sprachbildung gerichtet war, beginnt nach der Vollendung der Sprache erst die histor. Thätigkeit der Nationen. Im ganzen und großen ist der Gang der Entwickelung der Sprachen in der zweiten Periode ihres Lebens der, daß sie je länger je mehr von dem ursprünglichen Bestande an Lauten und Formen verlieren. Die Laute sind mannigfachen Gesetzen gegenseitiger Einwirkung aufeinander unterworfen (Lautgesetzen), durch deren Wirkung manche Formen unkenntlich werden und verloren gehen. Die Sprache begnügt sich dann mit einer geringern Anzahl von z. B. Deklinations⸗ und Konjugationsbmchr oder sie ersetzt die verlorenen Formen durch mschreibung und Zusammensetzung. Nur für einen einzigen Sprachstamm ist es bis jetzt gelungen, die Gesetze der Entwickelung, namentlich der zweiten Periode des Sprachlebens, sicher und ausführlich zu erforschen und darzustellen, für den indogermanischen. Die vergleichende Grammatik, d. h. eben die einen ganzen Sprachstamm umfassende, kann schon jetzt mit einiger Sicherheit die Grundsprache des indogerm. Sprachstammes erschließen und von dieser aus das Verhältnis der einzelnen Sprachen zu der Grundsprache und zueinander bestimmen. Die Darstellung der Verzweigung dieses indogerman. Sprachstammes mag zugleich als Beispiel dienen für die Teilungen anderer Sprachstämme, innerhalb welcher die Verwandtschaftsverhältnisse noch nicht sicher herausgestellt sind, wenn man au im allgemeinen überzeugt sein kann, daß sie in ähnlicher Weise vor sich gegangen sein müssen. Innerhalb des indogerm. Stammes also sind nicht die verschiedenen Sprachen, wie sie uns jetzt vorliegen, einander gleich nahe verwandt, sondern sie ordnen sich zu Gruppen (Abteilungen, Familien) zusammen, deren Glieder einander näher stehen als denen anderer Gruppen. Hieraus folgt zugleich, daß nicht jede einzelne Sprache sich als solche von der Grundsprache getrennt hat, sondern daß die Trennungen von dieser in 4. Gruppen stattgefunden haben, die sich erst später in kleinere Abteilungen oder Einzelsprachen auflösten. So teilt sich der indogerman. Sprachstamm in folgender Weise: I. Asiat. oder arische Abteilung, zwei Familien umfassend: 1) die ind. Familie, deren älteste Vertreter die Sprache der Veden und die spätere ind. Schriftsprache, das Sanskrit, sind; aus dem Altindischen sind die neuind. Dialekte hervorgegangen, z. B. Prakrit, Pali (die heilige Schrift des Buddhismus), Bengali, Hindustani, die Sprache der Zigeuner, die danach also ostind. Ursprungs sind, u. s. w.; 2) die iranische (eranische, persische) Familie, deren älteste Repräsentanten die Sprache der Zend-Avesta und die der pers. Keilinschriften bilden; von den altpers. Sprachen stammen die neuern pers. Dialekte, das bereits ausgestorbene Pehlewi, das Neupersische, die Sprachen von Afghanistan, Kurdistan u. s. f.; zur iranischen Familie gehört auch das im Kaukasus gesprochene Ossetisch. II. Europ. Abteilung, die sich in mehrere Gruppen und Familien scheidet. 1) Thrako-Illyrische Gruppe, zerfallend in die beiden Familien a) die ümibervon welcher die Sprache der Armenier einen Überrest bilden dürfte, und b) die illyrische Familie, welche in der heutigen albanesischen fortlebt;: 2)griech. Familie; 3) italo-kelt. Gruppe mit zwei Familien: a) italische, in die drei Einzelsprachen Oskisch, Umbrisch, Lateinisch gespalten; vom Latein stammen die heutigen roman. Sprachen: die italienische, provencalische, französische, spanische, portugiesische, die roman. Dialekte in den Alpen, im Engadin und sonst, und die Sprache der Walachen (Rumänen); b) kelt. Familie, zu deren einem, dem kymrischen Zweig, die Dialekte von Wales, der Bretagne (basbreton) und das erst im 19. Jahrh. ausgestorbene Cornisch gehören, während der andere, der gadhelische (gälische) Zweig die Dialekte von Schottland, Irland und der Insel Man umfaßt. Von der Sprache der alten Kelten (Gallier) sind nur inschriftlich geringe Bruchstücke erhalten; 4) german. (deutsche) Familie, die sich in drei Zweige teilt: a) Gotisch (die Sprache der Ulfilaschen Bibelübersetzung aus dem 4. Jahrh.), ausgestorben und in keinen m erhalten, b) Deutsch im engern Sinne, sowohl die hochdeutschen Dialekte (Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Neuhochdeutsch) als auch die niederdeutschen (Plattdeutsch, Niederländisch, Angelsächsisch Englisch!], Friesisch) umfassend; endlich c) Nordisch, d. h. Altnordisch, wie die von diesem abstammenden neunordischen Sprachen, Dänisch, Schwedisch, Isländisch und kleinere Dialekte; 5) letto-flawische Gruppe, zerfallend in die beiden Familien: a) lettische Familie, mit drei Zweigen: Familie, welche zerfällt in den südöstl. Zweig: Bulgarisch, Serbisch, Slowenisch, Kleinrussisch,Russisch umfassend, und den westlichen, dem Czechisch, Polnisch, das ausgestorbene Polabisch und das Sorbische (Lausitzisch-Wendische) angehören. Eine andere Klassifikationsmethode ist die sog. psychologische. Diese betrachtet die Sprache als Organ des Geistes und fragt wesentlich danach, ob die