FeedStachelhäuter
TierreichBrockhaus 1882

Stachelhäuter oder Echinodermen nennt man eine Klasse wirbelloser Seetiere, welche wesentlich durch Einlagerung von Kalkkörpern in die äußere Haut ausgezeichnet sind, die bald zerstreut gelagert, bald so ausgebildet sind, daß sie Tafeln bilden, welche den Körper panzern. Die verschiedenen Körperteile sind radial um eine mittlere, senkrechte Achse gelegen, an deren einem Ende meist das Maul, am andern der After sich finden, und meistens in der Fünfzahl vorhanden. Häufig spricht sich indessen eine Symmetrie insofern aus, daß ein Teil in der Mitte und zwei Paare seitlich gelagert sind. Stets findet man einen besondern, von der Körperhöhle unterschiedenen Darm, Blutgefäße mit einem schlauchförmigen Herzen, ein aus fünf durch Stränge verbundenen Knoten bestehendes Nerven-Weum und häufig auch Sinnesorgane (Augen). enn besondere Bewegungsorgane vorhanden sind, so sind es Saugfüßchen (Ambulacra), oft in großer Menge. Als Atemorgane sind Kiemen vorhanden, die indessen oft fehlen. Sie sind getrennten Geschlechts und entwickeln sich aus sonderbaren, sehr kleinen Larvenformen (s. Tafel: Stachelhäuter, Fig. 15, eine solche von einem Schlangenstern), die von ihren Eutdeckern vielfach für selbständige fertige Wesen angesehen und als solche benannt wurden, B. Pluteus, Auricularia, Bipinnaria u. s. w. Hie lebenden Seeigel zerfallen in vier Klassen: 1) Crinoidea, Haarsterne oder Encriniten (. d.), zu welchen der merkwürdige, in bedentenden Tiefen lebende Wurzelhaarstern (Rhizocrinus lotfotensis, Fig. 1), weiter der nicht gestielte Autedon Eschrichtii (Fig. 2) und der Mittelmeerhaarstern (Comatula mediterranea) gehören, welch letzterer der Jugend indessen gestielt ist (Fig. 3) und in diesem Iustande als Peniacrinus europaeus zuerst beschrieben wurde. 2) Asteroidea, Seesterne (s. d.) mit den Unterklassen der Schlan gensterne (Ophiurae, hierher der Medusenkapf Astrophyton caput Medusae, Fig. 4) und die eigentlichen Seesterne (Asteriae mit dem Sonnenstern Solaster papposus, Fig. 5, und dem gemeinen Seestern, Asteèracanthion s. Asterias rubens, Fig. 6). 3) Echinoidea, Seeigel (s. d.), teils mit regulär radiärer Gestalt und einander gegenüber gelegenem Mund und After (3. B. Cidaris clavigera, Fig. 7, der Kletterseeigel, Echinus microtubercuatus, Fig. 8 und der Lederseeigel, Asthenosoma bhystrix, Fig. 9), teils von irregulärer, herzartiger Form und dann entweder mit excentrischem After, aber centralem Munde (3. B. Clypeaster rosadcus, Fig. 10) oder auch mit excentrischem Munde (3. B. der Purpurherzigel, Spatangus purpureus, Fig. 11). 4) Holothuroidea, Holothurien (J. d.), die entweder Saugfüßchen besitzen, wie die Röhrenholothurie (Holothuria tubulosa, Fig. 12) und die Kletterholothurie (Cucumaria doliolum, Fig. 13), oder wie die Klettenholothurie (Synapta inhaerens, Fig. 14) ohne dieselben sind. Mut S. haben sich besonders die beiden Agassiz, Johannes Müller und neuerdings H. Ludwig und H. Carpenter beschäftigt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 130Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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