Stackelberg. Das Geschlecht der Herren, Freiherren und Grafen S. stammt aus Hessen, wo es auf der Burg an der Kinzig seinen Sitz hatte. Der Stammiater ist Otto S., welcher unter Konrad dem Salier 1146 in den Adelsstand erhoben wurde; ein Zweig der Familie ließ sich seit dem 13. Jahrh. im deutsch-livländischen Ordensstaate nieder. Karl Adam, Freiherr von S., schwed. Generallieutenant, aus dem Hause Thomel, wurde für Auszeichnung im Nordischen Kriege 1714 in den schwed. Reichsfreiherrenstand erhoben. Berend Otto, Freiherr von S., schwed. Generalfeldmarschall unter Karl XII., geb. 11. Juni 1662 in Livland, trat in schwed. Kriegsdienste, avancierte im Nordischen Kriege gegen die Russen und Polen 1701 zum Oberstlieutenant, 1704 zum Oberst und 1705 zum Generalmajor. Als solcher geriet er bei Pultawa 1709 in russ. Gefangenschaft, aus der er erst 1721 nach Schweden zurückkehrte. Im J. 1727 wurde er Generalfeldmarschall und in den schwed. Freiherrenstand erhoben. Er starb zu Abo in Finland 29. Aug. 1734. In russ. Diensten erwarb sich einen berühmten Namen Otto Magnus, Graf S., aus dem Hause Kegel in Estland, geb. 1736. Er wirkte unter Katharina II. zuerst als Gesandter in Madrid, seit 1770 in Warschau, wo er die auf die erste Teilung Polens bezüglichen Unterhandlungen leitete und dafür vom Kaiser Joseph 16. Mai 1775 in den deutschen Reichsgrafenstand erhoben wurde. Bei den Polen verhaßt, bat er um seine Abberufung, wurde später von Katharina zu andern diplomatischen Sendungen gebraucht und zum Wirkl. Geheimrat ernannt. Unter Paul nahm er den Abschied; er starb 1800. Otto Magnus, Freiherr von S., Archäolog und Maler, geb. in Reval 25. Juli (6. Aug.) 1787, studierte seit 1803 in Göttingen, dann in Moskau Diplomatie und Kunstgeschichte und widmete sich dann ganz der Kunst. Er vervollkommnete si 1808 in Dresden in der Malerei und wanderte zu Fuß nach Rom. In dieser Zeit entstand seine Madonna à la Rafael; 1810 trat er eine archäol. Reise nach Griechenland an und leitete 1812 die Ausgrabung des Apollotempels zu Phigalia im Peloponnes, den er in einem eigenen Werke beschrieb (Rom 1826). Es war dem Kaiser Nikolaus gewidmet, der für S.s Befreiung aus den Händen türk. Piraten 18000 Piaster Lösegeld bezahlt hatte. Ferner veröffentlichte er cCostumes et usages des peuples de la Grèce modernes (Rom 1825; deutsch Berl. 1831). Später lebte S. meist in Rom, seit 1829 in Dresden, wo er seine Werke: La Grèce. Vues pittoresques et topographiqueso (Par. 1834) und sein letztes und reifstes Werk: Die Gräber der Hellenen (Berl. 1837) vollendete. Er starb in Petersburg 27. Mai (8. Juni) 1837. Sein reichhaltiges Museum, in welchem sich unter andern Handzeichnungen von Rafael und Tizian befinden, wurde nach Schloß Faehna in Estland übergeführt. Vgl. C. Hocheisel, Otto Magnus Freiherr von S. als Mensch, Künstler und Gelehrter» (Reval Schn-N. von Stackelberg, cOtto Magnus von S. Schi derung seines Lebens und seiner Reisen in Italien und Griechenlando (Heidelb. 1882).