Meyendorff (Freiherren von), ein in den russ. Ostseeprovinzen ansässiges, ursprünglich aus Holstein stammendes Adelsgeschlecht. Ihm war der Papst Clemens II.,früher Bischof von Bamberg, gest. 1047, entsprossen. Konrad von M. kam um 1200 mit den Schwertrittern nach Livland, wo er sich durch seine Tapferkeit in den Kriegen mit den Eingeborenen auszeichnete und ansehnliche Güter erwarb. Ein Zweig der Familie nannte sich Uxküll, nach der estnischen Üübersetzung des Namens. Karl XI. von Schweden 8 d 1679 die Brüder Jakob und Otto Johann nebst deren Neffen Walter Reinhold von M. in den Freiherrenstand. Ein Nachkomme des letztern, Peter, Freiherr von M., geb. 19. Aug. 1796, machte als Offizier im Generalstabe die Feldzüge 1812—14 mit und widmete sich nachher der diplomatischen Laufbahn. Er wurde Legationssekretär in Madrid, dann Gesandtschaftsrat in Wien, 1832 Gesandter in Stuttgart und 1839 nach Berlin versetzt, wo er, seit 1840 Geheimrat, besonders seit den Ereignissen von 1848 hervortrat. Im J. 1850 zum russ. Botschafter in Wien ernannt, beteiligte sich M. mit Erfolg an den Unterhandlungen, die der übereinkunft von Olmütz vorangingen, bei der er selbst gegenwärtig war. Viel 9 glücklich war er in 0 Unterhandlungen mit Osterreich am Vorabend des Orientkriegs. Im Frühjahr 1854 wurde er daher von Wien abberufen und zum kaiserl. Oberhofmeister und Mitglied des Reichsrats erhoben. Alexander II. erwählte ihn 1857 zum Chef seines Privatkabinetts. Er starb zu Petersburg 19. März 1863. Sein jüngerer Bruder, Alexander, Freiherr von M., geb. 5. April 1798, seit 1839 Wirkl. Staatsrat, begleitete 1840 Murchison und Verneuil auf ihrer geognost. Reise durch den Norden Rußlands. Als Präsident der Handelskammer in Moskau erwarb er sich große Verdienste. Mit Paul Sinowjew fertigte er eine industrielle Karte des Russischen Reichs an, die 1842 zu Petersburg und 1844 zu Berlin in einer deutschen Übersetzung erschien. Im J. 1851 wurde er dem Statthalter Fürsten Woronzow zur Leitung des Handels und der industriellen Angelegenheiten Transkaukasiens beigegeben und 1853 Geheimrat. M. starb in Petersburg 25. Jan. 1865. Georg, Freiherr von M. (geb. 19. Juni 1795, gest. 12. Okt. 1863) ist durch seine Reise von Orenburg nach Bokhara bekannt, die er in Voyage d'Orembourg à Boulchara fait en 18205 (Par. 1826; deutsch von Scheidler, Jena 1826) beschrieb. Felix, Freiherr von M., russ. Diplomat, geb. 5. Febr. 1834, fungierte erst als Legationssekretär in Berlin, dann in Rom und von 1864 an als Geschäftsträger daselbst. Eine bei der Neujahrscour 1866 zwischen ihm und dem Papste vorgefallene Scene hatte den Abbruch der diplomatischen Verbindungen Rußlands mit der Römischen Kurie zur Folge. Er wurde 1870 Geschäftsträger am bad. Hof und starb zu Karlsruhe 16. Jan. 1871.