Stadion (Joh. Philipp Karl Jos., Graf von), österr. Stäatsmann, geb. 18. Juni 1763, wurde 1788 kaiserl. Gesandter in Stockholm, 1790 aber nach London gesendet. Im J. 1792 nahm er seine Entlassung, übernahm erst 1797 wieder eine Sendung nach Berlin, wo er viel dazu beitrug, die Spannung zwischen Österreich und Preußen zu heben. Als Botschafter in Petersburg seit 1804 betrieb er eifrig den Abschluß der dritten Koalition und folgte dann 1805 dem Kaiser Alexander zur Armee. Nach dem Preßburger Frieden erhielt er an Cobenzls Stelle das Ministerium des Auswärtigen. In dieser Stellung erstrebte er eine neue Organisation des österr. Heerwesens. Der unglückliche Ausgang des Kampfes 1809, der auf sein Anraten unternommen worden, nötigte ihn, seine Stellung dem Grafen Metternich zu überlassen. S. lebte einige Zeit in Prag und dann auf seinen böhm. Gütern, bis er 1812 wieder nach Wien gerufen und in allen wichtigen Verhandlungen verwendet wurde. Nach der Schlacht bei Lützen erhielt er als Vermittler eine Sendung in das Lager Kaiser Alexanders I. und König Friedrich Wilhelms; seitdem war sein Einfluß sehr bedeutend. Nach dem Frieden mußte er sich dem schwierigen Auftrag der Herstellung der Finanzen unterziehen. Zu leicher Zeit war S. bemüht, durch angemessene Iusttutionen dem Handelsverkehr eine belebtere Geldcirkulation zuzuwenden und den Staatskredit zu stärken, indem die Nationalbank und ein Tilgungsfonds errichtet wurden. Die Ausgaben des Staats wurden beschränkt und genau bestimmt und die Steuerverfassung nach bessern Grundsätzen geregelt. S. starb zu Baden bei Wien in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai 1824. Sein älterer Bruder, Friedrich Lothar Graf von S., geb. 6. April 1761, wandte si dem geistlichen Stande zu und wurde Domkapitular in Mainz und Würzburg, war auch einige Zeit Verweser der erfurter Statthalterei, Kurator der würzburgischen Hochschule und 1798 würzburgischer Gesandter bei dem Kongreß zu Rastatt. Nach der Säkularisation trat er in österr. Staatsdienst und wurde zunächst kurböhm. Reichstagsgesandter zu Regensburg. Nach dem Preßburger Frieden erhielt er den Auftrag, die diplomatischen Verhältnisse zwischen Osterreich und Bayern wiederherzustellen. Beim Ausbruch des Kriegs 1809 wurde er als Generalintendant zum Hauptheer des Erzherzogs Karl berufen. Er zog sich hierauf mit seinem Bruder auf die böhm. Güter zurück und starb zu Chodenschloß 9. Dez. 1811. Seine 4K Berichte über die Beziehungen zwischen Osterreich und Bayern 1807—9 gab Wertheimer (Wien 1881) heraus. Seinen Charakter veranschaulichen treffend die von Joh. von Müller herausgegebenen «Briefe zweier Domherren⸗ (Frankf. 1787). Graf Franz Seraph von S., ebenfalls österr. Staatsmann, der zweite Sohn des österr. Ministers Grafen Joh. Philipp Karl Joseph von S., wurde 27. Juli 1806 geboren, zeichnete sich namentlich als Administrativbeamter aus und erwarb sich in Triest und in Galizien, wo er 1846 die Leitung unter schwierigen Verhältnissen übernahm, ein dankbares Andenken. Nach der Besiegung der wiener Revolution im Okt. 1848 trat er mit Schwarzenberg und Bach in das Ministerum vom 21.Nov., welches die Herstellung der tiefzerrütteten österr. Monarchie übernahm. Allein ein körperliches Leiden zwang ihn schon im Mai 1849 um seine Entlassung nachzusuchen. Er begab sich zur Kur nach Gräfenberg; seine Krankheit steigerte sich aber bis zur Geisteszerrüttung, und er starb 8. Juni 1853. „Stadium (grch. rr) hieß bei den Griechen die Rennbahn, in welcher die Wettläufe und die sonstigen gymnastischen Wettkämpfe bei den öffentlichen Festspielen (Agonen, s. d.) gehalten wurden. Man wählte zur Anlage einer solchen gern eine natürliche Einsenkung zwischen zwei Hügeln, deren die Langseiten der Bahn umschließende Abhänge mit Steinsitzen bedeckt wurden. Das obere (hintere) Ende der Bahn wurde durch halbkreisförmige Sitzreihen, auf denen die Kampfrichter und sonstige vornehme Personen saßen, das vordere durch Mauern, jen. denen der Eingang sich öffnete, abgeschlosen. Wo keine dafür geeigneten Anhöhen vorhanden waren, ruhten die Sitze auf künstlich aufgeschütteten Erdwällen oder Mauerwerk. Es gab au S. mit Sitzreihen nur an einer Langseite. Manche derartige Anlagen waren sehr kostbar und kunstreich. So war das Stadion in Messene an drei Seiten von Säulenhallen umgeben; die S. zu Athen und Delphi und auf dem korinth. Isthmos ließ Herodes Atticus mit Marmor ausschmücken. Das berühmteste S. war das in Olympia (s. d.). Das S. wurde auch als das allgemeine Längen- und Wegmaß bei den Griechen gebraucht; man Fuh. nete es zu 240 Schritt, den Schritt zu 2½ Fuß. Doch gibt das noch kein sicheres Maß, da es in Griechenland verschiedene Fußmaße gab. Der olymp. Fuß war = 32 em, der attische 30,8 em. In den meisten Längenangaben ist das attische S. gemeint; 40 solcher S. entsprechen 7,4 Km. Vgl. Hultsch, (Griech. und röm. Metrologies (2. Aufl., Berl. 1882).