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GeschichteBrockhaus 1882

Stadion, ein uraltes Geschlecht, aus Graubünden im Prättigau stammend, wo sich noch die Trümmer der Stammburg Stadion ob Küblis finden. In Schwaben baute es das neue Schloß Stategun (ursprünglicher Name des Geschlechts) bei Munderkingen an der Donau. Die Turnierbücher von Augsburg und Schwaben erwähnen S. schon 1080. Walther und Ludwig von Stategun werden zur Zeit des letzten Hohenstaufen erwähnt. Insbesondere war das Haus Habsburg den S. sehr geneigt. — Durch Walther von S. dachte Habsburg das Glarnerland zu unterwerfen; doch Walther fiel 1388 in dem Kampfe bei Näfels, und mit ihm blieben fast alle seine Ritter. Von ihm aus läßt sich die Stammgeschichte genau verfolgen. Walthers Enkel oder Sohn, Eitel, hatte zwei Söhne. Konrad und Ludwig, von denen ersterer die elsäss. (ältere), letzterer die schwäb. (jüngere) Linie des Hauses S. begründete. Die letztere erlosch schon 1693, die erstere berühmtere gliederte sich in vier Zweige. O hervorragende S. waren [(Christoph von S., Bischof zu Augsburg, geb. 1478, ein edler Eiferer für die Reformation der Kirche in Haupt und Gliedern, unermüdet im Bestreben der Versöhnung und Wiedervereinigung. Er war der Vertraute Karls V. und Ferdinands I., stand mit Erasmus in beständigem Briefwechsel, mit 4hr und lat in schriftlichem und mündlichem Verkehr und starb 15. April 1543 auf dem Reichstag zu Nürnberg, nachdem er seinem Bruder Johann das Erbtruchsessenamt des Stifts Augsburg zugewendet hatte. Des letztern Sohn war Johann Kaspar von S., Hochmeister des Deutschen Ordens, österr. Kriegspräsident und Feldzeugmeister, geb. 21. Dez. 1567, der sich 1634 in der Schlacht bei Nördlingen auszeichnete. Er starb 21. Nov. 1641. — Der kurmainzer Geheimrat und Kanzler Johann Philipp von S., geb. 1652, gest. 1741, die Seele aller Reichsgeschäfte und noch im hohen Alter Botschafter bei der Wahl Karls VI. und Gesandter des Rheinischen Kreises beim Utrechter und Badener Freiberen, 1705 wurde von Leopold I. 1686 zum reiherrn, 1705 zum Reichsgrafen erhoben und 1708 wegen der Herrschaft Thannhausen in das schwäb. Grafenkollegium eingeführt. — Seine Söhne, Friedrich, geb. 1691, gest. 1768 als Ge-Phyiltz und mainzer Konferenzminister, und Hugo hilipp, geb. 1720, gest. 1785, gründeten die beiden Linien, in welche sich gegenwärtig das Haus teilt, jener die Fridericianische, dieser die Philippinische Linie. In der erstern folgte seinem Vater, dem Grafen Johann Philipp Karl Feseph von Stadion (s. d.), 1824 der älteste Sohn Eduard von S. (geb. 1797, gest. 1844), der aber 1836 seinem Bruder Franz Seraph, Grafen von Stadion (s. d.) die Standesherrschaft überließ. Letzterer starb 1853, hatte aber ebenfalls schon 1846 infolge eines Familienpakts die Standesherrschaft an seinen jüngern Bruder, den Grafen Rudolf von S., geb. 23. Febr. 1808, abgetreten, dessen Sohn, Graf Philipp, geb. 29. Mai 1854, seit 1882 das Haupt des Hauses ist. An der Spitze der Gerdlhen Linie steht Graf Friedrich von „erbliches Mitglied des bayr. Reichsrats, geb. 13. Dez. 1817.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 132Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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