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GeschichteBrockhaus 1882

Schwarzenberg (Fürst Felir Ludw. Joh. Friedr.), österr. Staatsmann, geb. 2. Okt. 1800 auf der Herrschaft Krumau in Böhmen, zweiter Sohn des 1833 verstorbenen Fürsten Joseph S., trat 1818 als Kadett in ein Kürassierregiment, avancierte bis zum Rittmeister und ging dann 1824 als Gesandtschaftsattaché nach Petersburg. Zwei Jahre später wurde er mit Aufträgen nach London geschickt und schloß sich dort der außerordentlichen Mission nach Brasilien an (1827), an deren Spitze Baron Neumann stand. Nach seiner Rückkehr nach Europa war er bei verschiedenen österr. Gesandtschaften, namentlich in Paris und Berlin, und rückte zum Legationsrat und dann Geschäftsträger auf. Er erhielt 1838 bei den Höfen von Turin und Parma einen eigenen Gesandtschaftsposten, welche Stellung er 1846 mit der gleichen Funktion beim neapolit. Hofe vertauschte. Als bei einem Volksauflaufe 26. März 1848 sein Palast insultiert ward, verließ er Neapel und übernahm als Generalmajor eine Brigade unter Nugent in Oberitalien, zeichnete sich in den Schlachten bei Curtatone und Goito aus und ward noch vor dem Entscheidungskampfe bei Custozza zum Feldmarschalllieutenant ernannt. Nach Bewältigung des wiener Oktoberaufstandes von 1848 ward S. 22. November an die Spitze des neuen Ministeriums berufen. Der Kampf gegen den in Frankfurt projektierten deutschen Bundesstaat, dann gegen die preuß.⸗deutsche Union, das Bündnis mit Rußland zur Unterdrückung des ungar. Aufstandes, die Umgestaltung Ssterreichs in einen Einheitsstaat, die Herstellung des österr. Einflusses bei den deutschen Mittelstaaten, die Wiederberufung des Bundestags, die Bregenzer Alliance, die Exekution in Hessen und Holstein und die Nötigung Preußens, alle seine Positionen aufzugeben, das waren die bezeichnenden Momente der Schwarzenbergschen Politik. Doch gelang es ihm nicht, auf den Dresdener Konferenzen eine Umgestaltung der Deutschen Bundesakte im österr. Interesse und den Eintritt von Gesamtösterreich (470-Millionen-Reicho) in den Bund durchzusetzen. Dagegen verfolgte er mit Geschick den Plan einer nähern Zollverbindung Ssterreichs mit Deutschland. Die Schritte gegen Preußen in dieser Angelegenheit, wie die Berufung der Wiener Zollkonferenz u. s. w. waren seine letzten Erfolge. Ein Schlaganfall machte 5. April 1852 seinem Leben ein Ende. Vgl. Berger, Leben des Fürsten Felix zu S.» (Lpz. 1853).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 554Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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