Stadtsulza, Stadt im Großherzogtum Sachsen-Weimar, Verwaltungsbezirk Apolda an der Ilm, Station der Linie Neudietendorf-Weißenfels der Preußischen Staatsbahnen und der Linie Großheringen-Straußfurt der Nordhausen-Erfurter Eisenbahn, hat eine Baugewerkschule und ein Solbad und zählt (1885) 2097 E. Unmittelbar bei S. liegt die zum sachsen-meiningischen Kreise Kamburg gehörige Saline Ober-Neusulza, ebenfalls mit Solbad. meinderat. öffentlichte. Eine begeisterte Anhängerin Rousseaus, über welchen sie 1787 ihr Werk „Lettres sur les Ecrits et le caractère de J. J. Rousseauv (2. Aufl. Par. 1789; deutsch, Lpz. 1789) hatte erscheinen lassen, nahm sie an der Revolution lebhaften Anteil; die erst nach ihrem Tode erschienenen Consideérations sur les principaux évenements de la deutsch mit Vorrede von A. W. Schlegel, 3 Bde., Heidelb. 1818) zei ihre Bekehrung zu den Grundsätzen der engl. ssungsform. Als ihr Vater im Sept. 1790 sich nach Coppet zurückzog, mußte Frau von S. mit den Ihrigen in Paris zurückbleiben. Sie hat während der Schreckenszeit mehrere ihrer Freunde vom Tode zu retten gewagt, floh aber endlich auch und entging nur durch ihres Freundes Manuel Hilfe dem Schafott. Nach kurzem Aufenthalt im Vaterhause ging sie nach England, wo sie ihre anonym erschienene Schrift zu Gunsten Marie Antoinettes: Réflexions sur le procès de la reine par une femmes (Par. 1793) entwarf. Sobald Robespierre gestürzt, verösfentlichte sie »Reflexions sur la paix, adressées à M. Pitt et aux Françgaiso (Par. 1794) und „Reéflexions sur la paix intérienren (Par. 1795). Schwedens Anerkennung der franz Republik führte sie mit ihrem Gemahl nach Paris zurück, sie trat nun mit dem „Cercle constitutionnels in nähere Verbindung. Im J. 1795 gab sie einige ihrer ältern Erzählungen heraus und schrieb mehrere Dramen (1796). Darauf folgte ihre geniale Schrift De I'influence des passions sur le bonheur des individus et des nationsn (Lausanne u. Par. 1796; deutsch, Zür. u. Lpz. 1797) und das gedankentiefe WerkDe la littérature considérée dans ses rapports avec les institutions sociales (2 Bde., Par. 1796). Zu jener Zeit trennte sie sich von ihrem Gatten; als derselbe jedoch von Körperleiden niedergebeugt wurde, trat eine Versöhnung ein und sie begleitete ihn 1798 nach der Schweiz, er starb indes schon 9. Mai 1802 zu Poligny. f dieser Periode machte sie Bonapartes Bekanntschaft, dem ihre Geistesfreiheit aber bald mißfiel. Ihres Vaters Dernières vues de politique et de financeso (1802) war der Vorwand, sie wegen angeblich falscher Berichte an denselben auf 40 Lieues aus dem Umkreise der Hauptstadt zu verbannen. Nachdem Frau von S. einige Zeit bei ihrer Freundin Frau Récamier zu St.⸗Brice bei Ecouen und zu Coppet gelebt und ihren Roman in Briefen „Delphine (4 Bde., Genf 1802 u. öfter; deutsch, zuerst in 5 Bdn., Berl. 1803) herausgegeben hatte, reiste sie nach Deutschland und verweilte fast ein Jahr lang in Weimar und Berlin. Das Ergebnis dieses Aufenthalts war das Werk „De PAllemagues, das nach jeiner Beschlagnahme 1810 durch Napoleons Polizei 1813 in London erschien. Der persönliche Verkehr mit A. W. Schlegel, der sie auf mehren Reisen begleitete, gewährte ihr bei der Abfassung hohen Nutzen; für die Würdigung der geistigen Entwickelung Deutschlands von seiten der ühr Bate hat dieses Buch grundlegend gewirkt. Als ihr Vater 1804 gestorben, veröffentlichte sie „Manuscrits de M. Necker, publiés par sa fillen (1805) und hierin ihre Schrift Du caractère de M. Necker et de sa vie privéen. Der in Italien begonnene Roman ⸗Corinne, ou LItalier (2 Bde., 2.4 150 deutsch von Friedr. Schlegel, 4 Tle. erl. 1807) ist eine harmonische Verschmelzung von Dichtung und glänzender Schilderung Italiens, welche ihren lerischen Ruf als Prosaistin dem von Chäteaubriand gleichgestellt hat. Im J. 1806 wieder in Frankreich, durfte sie nicht nach Paris kommen, sie ging 1807 nach Wien, dann in die Schweiz nach Coppet, wo sie mehrere Bühnenstücke verfaßte. Der Versuch eines neuen Aufenthalis in Frankreich ward mit erneutem Verbannungsbefehl beantwortet; ihr Freund A. W. Schlegel wurde genötigt, sie zu verlassen, der Herzog von Montmorency und Mad. Recamier, die sie in ihrem Exile besucht, wurden ebenfalls exiliert. Im Frühling 1812 entfloh sie von Coppet, ging nach Wien, dann nach Moskau und Petersburg und von dort nach Schweden, wo ihr jüngster Sohn Albert im Duell siel. In Schweden schrieb sie ihr Werk Dix années dexibe (Par. 1821: deutsch, Lpz. 1822) und die Reflexions sur le suicides (Stoch. 1812). Nach dem Sturze Napoleons hielt sie sich meist in Paris auf, wo sie eine Tochter, die 1838 starb, an den Herzog von Broglie verheiratet hatte. Ihre zweite Ehe mit einem franz. Offizier de Rocca ward von ihr geheim gehalten, weil sie den Namen Stael nicht aufgeben wollte. Von ihren litterarischen und polit. Freunden, wie Benjamin Constant, Guizot, Broglie, umgeben, in der Sphäre des Doktrinarismus und des konstitutionellen Liberalismus, verlebte sie die letzten Nober mit der Abfassung ihrer Considérations sur a révolution francaisen beschäftigt und starb zu Paris 14. Juli 1817. Ihre Oeuvres completesv (7 Bde., Par. 1820—21) gab ihr ältester ber mit einer biographischen Notiz von Mad. Necker de Saussure heraus. Vgl. Hortense Allart, Lettres sur les ouvrages de Madame de S.5 (Par. 1824); Schlosser, Madame de S. et Madame Rolando (Frankf. a. M. 1830); Baudrillart, Eloge de Madame S.v (Par. 1850); Norris, Lite and times of Madame de S.0 (Lond. 1853); ganz besonders aber: „Lettres inéclites et souvenirs biographiques de Me Récamier et de Mne qe Staël publiés par le baron de Gérandos (Par. u. Metz 1868). Ihr ältester Sohn, Auguste Louis, Baron von S., geb. 31. Aug. 1790, hat wertvolle Lettres sur PAngleterres (Par. 1826) verfaßt; seine Notice sur M. Neckero, welche auch (Par. 1820) selbständig erschien, ist die Einleitung zu seiner Gesamtausgabe der Werke seines Großvaters Necker, welche er 1821 veranstaltete. Seine (Oeuvres diversesv, nebst einigen noch ungedruckten Briefen über England, wurden (3 Bde., Par. 1829) von seiner Schwester, der Herzogin von Broglie, herausgegeben. Er starb 11. Nov. 1827 zu Coppet.