FeedFrauz (Agnes)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Frauz (Agnes), Schriftstellerin, geb. 8. März 1794 in dem schles. Städtchen Milit 0 wo ihr Vater als standesherrlicher (gräfl. maltzanscher) Regierungsrat lebte. Nach dessen frühem Tode hielt sie sich mit ihrer Mutter in Steinau, dann in der Nähe von Schweidnitz auf. Ein Sturz mit dem Wagen 1807 untergrub ihre Gesundheit fr immer. Sie gab unter anderm heraus: «Gedichter (2 Bde., Hirschb. 1826; 2. Aufl., Essen 1836—37), «Parabelno (Wesel 1829; 4. Aufl., Soest 1862), einen Roman «Angelav (4 Bdchn., Essen 1831), der vieles aus ihrem eigenen Leben enthält, und Volkssageno (Wesel 1830). Allmählich richtete sich jedoch ihr Leben und Dichten immer mehr und in der segensreichsten Weise auf die Kinderwelt. Während eines mehrjährigen Aufenthalts bei einer Schwester am Rhein gründete sie eine Arbeitsschule fr Mädchen der niedern Klassen, später auch an andern Orten. Unermüdlich thätig als treffliche Erzieherin, schrieb sie das Buch für Kindery (2 Bde., Bresl. 1840; neue Aufl. als Buch der Kindheit und Jugend», 1850), 4Kinderlustv (Bresl. 1841) und „Mein Vermächtnis an die Jugendo (Bresl. 1844). Sie starb zu Breslau, wo sie seit 1837 wohnte, 13. Mai 1843. Ihren «Litterarischen Nachlaße gab Julie von Großmann heraus (4Bde., Bresl. 1844—45, mit Biographie). Franz (Johannes), ausgezeichneter Hellenist, geb. 3. Juli 1804 zu Nürnberg, war seit 1830 an der münchener Universität als Privatdocent thätig und begleitete 1832 den König Otto nach Griechenland, wo er bis Ende 1834 als Chef des griech. Dolmetscherbüreau wirkte. Hierauf lebte F. fünf Jahre zu Rom als Privatgelehrter, namentlich mit Untersuchung und Erforschung der Handschriften der griech. Musiker beschäftigt. Im J. 1839 ging er nach Berlin, wo er das von Böckh unternommene «Corpus inscriptionum Graecarumo weiter führte. Im J. 1840 erhielt er eine außerordentliche, 1846 eine ordentliche Professur an der Universität. In dieser Stellung hielt er Vorlesungen über alt⸗ und neugriech. Grammatik, über griech. Paläographie und Epigraphik, artech. Dter Leben, über einen großen Kreis griech. Dichter und Prosaiker. F. starb 1. * 1851. Die erste litterarische Arbeit F. war eine griechisch geschriebene Dissertation über Lysias (1828). Die dabei angenommene hellenisierte Form seines Namens, Phrasikles, hat er auch in seinen neugriechisch geschriebenen Grammatiken der deutschen und der althellenischen Sprache (Lpz. 1835) beibehalten. Außer einer Ausgabe des Lysias (Münch. 1831) veröffentlichte er noch Praktische Anweisung zur Erlernung des Neugriechischend (Münch. 1832), „Deutsch-griech. Wörterbuch» (2 Bde., Hannov. 1838), De musicis Graecise (Berl. 1840), KElementa epigraphices Graecaen (Berl. 1840), Fünf Inschriften und fünf Städte in Kleinasien» (Berl. 1840% Monument chrétien à Autuno (Berl. 1841). F.“ Ausgabe und übersetzung von des AÄschylus „Oresteia oder «Agamemnon», «Choêphorenv und „Eumeniden »(Lpz. 1846) war auf königl. Aufforderung entstanden und sollte die Aufführung jener Trilogie vermitteln. Die von ihm in Florenz entdeckten alten Notizen über die scenische Aufführung des Dramas Die Sieben gegen Theben⸗ gab F. in der Schrift «Die Didaskalia zu Aschylus Septem contra Thebaso (Berl. 1848) heraus. Franz (Jul.), Bildhauer, geb. in Berlin 1824, var hauptsachlich Schüler Rauchs daselbst, obwohl er vorher auch bei Wichmann und Fischer Unterricht erhalten hatte. Unter Rauch war er hauptsächlich an den Arbeiten am Denkmal Friedrichs d. Gr. beschäftigt. Sehr rasch erfolgten einzelne Schöpfungen, welche, fast durchaus mit Preisen gekrönt, den Namen des jungen Künstlers verbreiteten, so seine Figur des Schmetterlingsfängers, die Pendants des Tigers mit dem Hunde, die Amazonen, die Najaden. Im J. 1859 unternahm F. eine ital. Reise, kehrte aber bald in die Heimat zurück, wo er nun eine ausgebreitete Thätigkeit entfaltete. Die Zahl seiner Figuren, Gruppen und Reliefs ist eine sehr große; vieles erhebt sich indes nicht über den Charakter der Dekoration, selbst das Kunstgewerbe lag ihm nicht fern, wie er z. B. für die königl. Porzellanfabrik Formen lieferte. Hervorzuheben sind die Gruppen: Amerika und England an der Börse in Berlin, Apollo auf dem Schwan (Paris 1867) und seine Beteiligung an dem statuarischen Schmuck des Belle-Allianceplatzes in Berlin, für welchen er die zwei Marmorgruppen Preußen und Hannover nach dem Entwurfe seines Lehrers Fischer ausführte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 162Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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