FeedHändel-Schütz
MusikBrockhaus 1882

Händel-Schütz, richtiger Hendel⸗ Schütz Gohanna Henriette Rosine), ausgezeichnete mimische Künstlerin und Schauspielerin, geb. 13. Febr. 1772 zu Döbeln, war die Tochter des Schauspielers Schüler und von diesem für das Theater erzogen. Nachdem sie 1785 als jugendliche Liebhaberin an verschiedenen Orten aufgetreten, verheiratete sie sich 1788 mit dem Tenoristen Eunicke und ging mit diesem 1789 nach Mainz, 1792 nach Amsterdam an das dortige deutsche Theater, 1794 nach Frankfurt a. M., wo sie der Maler Pforr mit dem Rehbergschen Kupferwerke über die Attituden der Lady Hamilton (s. d.) bekannt machte und die später von ihr künstlerisch ausgebildete Neigung für ähnliche Darstellungen in ihr weckte. Im J. 1796 begab sie sich mit ihrem Gatten dauernd nach Berlin, wo sie 10 Jahre lang auf der von Iffland geleiteten Bühne sowohl in hochtragischen als in gemütlich-sentimentalen Partien mit Erfolg auftrat. Inzwischen hatte sie sich 1797 von ihrem ersten Manne getrennt und 1802 mit einem Arzte, dem Dr. Meyer, verheiratet, von dem sie jedoch schon 1805 geschieden wurde. Mit ihrem dritten Gemahl, dem Dr. Hendel aus Halle, ging sie nun, um das Theater gänzlich . verlassen, nach Stettin und zog dann nach dem Tode desselben 1807 zu ihrem Renarch⸗ nach Halle, wo sie sich mit dem Professor K. J. Schütz verheiratete, der, als dramaturgischer Schriftsteller thätig, sie zu einer Kunstreise veranlaßte und in Verbindung mit ihr Deutschland durchwanderte. Jetzt entwickelte sie ihr großes Talent für dramatisch-deklamatorische und mimisch-plastische Darstellungen, indem sie unter Leitung ihres Gatten durch das in ihren Attituden (s. d.) sich kundgebende Studium der Antike wie durch geniale Auffassung alles dessen, was zur Gruppierung und Drapierung gehört, den Beifall der ausgezeichnetsten Kenner dieses Fachs erwarb. Im J. 1820 beschloß sie mit einigen Gastrollen auf der leipziger Bühne ihre künstlerische Laufbahn. Seit 1824 trennte sie sich auch von ihrem vierten Manne und die Scheidung wurde 1830 gerichtlich bestätigt. Darauf lebte sie zurückgezogen in Köslin, wo sie 4. März 1849 starb. Vgl. (Blumenlese aus dem Stammbuche der deutschen mimischen Künstlerin, Frauen Henriette H.» (Lpz. u. Altenb. 181⁵5) und „Erinnerungen an Henriette H. (Darmst. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 776Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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