Starhemberg, ein in den österr. Staaten reich begütertes, in einem Zweige fürstl. Geschlecht, welches sich von den alten Grafen von Steiermark ableitet, deren Helm, Schild und Wappen es führt. Gundaccar erbaute um 1276 das Schloß S. (ursprünglich Storchenberg) im Lande ob der Enns, nach welchem sich seine Söhne benannten. Seine Nachkommen verzweigten sich in mehrere Linien, die aber sämtlich wieder ausstarben, bis auf eine einzige, deren Ahnherr Erasmus von S. (geb. 1503, gest. 1560) war. Derselbe zeichnete sich bei der Belagerung Wiens 1529 als Führer eines von ihm errichteten Freikorps aus und hinterließ drei Söhne: Rüdiger (geb. 1534, gest. 1582), Gundaccar (geb. 16. Mai 1535, gest. 9. Sept. 1585) und Heinrich (geb. 6. Juli 1540, gest. 23. Dez. 1571), welche drei nach ihnen benannte Linien begründeten. Die Gundaccarsche Linie erlosch bereits 1643. In dem1 Jahre wurden beide übrigen Linien in den teichsgrafenstand erhoben. Der Rüdigerschen starhemberg (Ernst Rüdiger, Graf) Hauptlinie gehörte der berühmte Feldmarschall Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg (s. d.) an. Durch dessen beide Brüder Franz Ottokar und Gundaccar Thomas zerfiel die Rüdigersche Hauptlinie wieder in zwei Zweige: den nachher fürstlichen zu Schaumburg und Waxenberg (Paulinische Linie) und den gräflichen zu Eschelberg (Gundaccarsche Linie). Aus dem erstern dieser beiden Zweige erhielt Georg Adam, Graf von S., Geheimrat, Staats⸗ und Konferenzminister, 1765 die reichsfürstl. Würde unter der Beschränkung auf den jedesmaligen Besitzer des größern Starhembergschen Majorats nach dem Rechte der Erstgeburt. Mit dem Tode des Fürsten Georg Adam von S. (geb. 1. Aug. 1785, gest. 7. April 1860) erlosch der ältere Ast dieser Rüdigerschen Hauptlinie im Mannsstamme, worauf das Majorat nebst der Fürstenwürde auf den jüngern oder Gundaccarschen Ast derselben überging. Stifter des letztern war Graf Gundaccar Thomas von S., geb. 14. Dez. 1663, gest. 8. Juli 1745 als Wirkl. Geheimrat, Konferenz⸗ und oberster Finanzminister. Durch des letztern beide Söhne Otto Gundaccar und Joseph teilte sich dieser W o i in zwei Zweige. Haupt des ältern, seit 1860 fürstl. Zweigs ist Fürst Camillo Heinrich von S. (geb. 31. Juli 1835), Mitglied des Herrenhauses des österr. Reichsrats, einziger Sohn des Fürsten Camillo (gest. 9. Juli 1872), Anhänger der Verfassungspartei. Im Frühjahr 1875 unternahm S. eine größere amerik. Reise. S. war seit 6. Febr. 1860 mit Sophie, geborene Reichsgräfin von Sickingen-Hohenburg vermählt, von ihr jedoch seit 12. Juli 1876 geschieden. Aus dieser Ehe stammen fünf Kinder, darunter drei Söhne. An der Spitze des zweiten (gräflichen) Zweigs steht Graf Stephan von S. (geb. 25. Juni 1817), und dessen ältester Sohn Guido Rüdiger (geb. 10. Jan. 1864). Der dritten oder Heinrichschen Hauptlinie gehörte an Graf Maximilian Adam Franz von S. (geb. 11. Okt. 1669), der 22. Nov. 1741 als österr. Generalfeldmarschall starb. Dessen Sohn, Graf Emanuel Michael von S. (geb. 2. März 1708, gest. 22. Febr. 1771) rückte in der österr. Armee ebenfalls bis zum Generalfeldzeugmeister auf. Die Heinrichsche Hauptlinie ist mit dem Grafen Heinrich von S. (geb. 16. Mai 1774, gest. 22. April 1857) vollständig erloschen. Vgl. Schwerdling, «Geschichte des uralten teils fürstl., teils gräfl. Hauses S.y (Linz 1830).