FeedStolberg
GeschichteBrockhaus 1882

Stolberg ist der Name eines der ältesten deutschen Grafenhäuser, das seit dem 11. Jahrh. urkundlich erwähnt wird. Als ältestes Stammland der Familie erscheint die Grafschaft Stolberg am Harz. Die Grafen wurden 1412 Reichsgrafen, hatten Sitz und Stimme auf der wetterauischen Grafenbank und kauften 1412 und 1413 die Grafschaft Hohenstein mit Heringen und Kelbra, ererbten 1429 die Grafschaft Wernigerode, 1535 die Grafschaft Königstein (von welcher dem Hause nur Gedern und Ortenberg verblieben sind) und die Grafschaft Rochefort in den österr. Niederlanden (die 1801 wieder verloren ging) und 1577 Schloß und Flecken Schwarza in der Grafschaft Henneberg. Im 16. 7 teilte sich das Geschlecht in die Stolberger inie (erloschen 1631) und die zu Wernigerode, aus welcher durch brüderlichen Teilungsvertrag vom 31. Mai 1645 die Grafen Heinrich Ernst zu S., geb. 1593, gest. 1672, und Johann Martin zu S., geb. 1594, gest. 1669, beide Söhne des Grafen Christoph zu S. (geb. 1567, gest. 1638), des Stammvpaters der sämtlichen noch blühenden Linien, die Grafschaften Wernigerode und S. zum zweiten mal trennten. Gleichzeitig wurden beide Brüder die Stifter der zwei noch bestehenden Hauptlinien, der ältern und der jüngern. Die ältere Hauptlinie spaltete sich durch die beiden Söhne des Stifters in die Zweige zu Ilsenburg, der 1710 mit seinem Begründer, dem Grafen Ernst zu S., ausstarb, und den zu Wernigerode. Letzterer zerfiel durch die drei Iu 6 des Stifters, des Grafen Ludwig Christian zu S. (gest. 1710), wiederum in drei Speziallinien: A. S.⸗Wernigerode, welche noch fortblüht; B. S.: Gedern, die 1742 in ihrem Stifter, dem Grafen Friedrich Karl zu S. (gest. 1767), die reichsfürstl. Würde erhielt, aber im Mannsstamme 1804 erlosch und zu der die Gräfin Albany (s. d.), die Gemahlin des Prätendenten Karl Eduard (f. d.), gehörte; C. S.⸗Schwarza, die bereits 14. Sept. 1748 mit ihrem Begründer, dem Grafen Heinrich August zu S., ausstarb. Die ältere Hauptlinie oder Wernigerode wurde von Christian Ernst zu S. (geb. 2. April 1691, gest. 25. Okt. 1771), dem ältesten Sohne des Grafen Ludwig Christian, begründet und besitzt gegenwärtig a) im Hauptzweige (mit erblichem Sitz im preuß. Herrenhause und der Ersten Kammer der Stände des Großherzogtums Hessen) die Grafschaft Wernigerode (s. d.) mit dem Amte Schwarza (15 qkm); b) die Fideikommißherrschaft Peterswaldau in Schlesien (mit erblichem Sitz im reuß. Herrenhause); e) die Fideikommißherrschaft Dumnire enkeer in Schlesien; d) die Fideiommißherrschaft Kreppelhof in Schlesien, sowie die Herrschaft Gedern im Großherzogtum Hessen (34 akm) und das Amt Sophienhof (55 àkm) in Hannover; ferner verschiedene Güter in Schlesien, Preußen, Pommern, Westfalen und der Rheinprovinz. Standesherr ist gegenwärtig Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode (s. d.), königl. preußischer Oberstkämmerer und stellvertretender Minister des königl. Hauses. Graf Wilhelm zu S.⸗Wernigerode, der Sohn des Grafen Konstantin (eines Großoheims des Grafen Otto), Majoratsherr der Fideikommißherrschaften Jannowitz und Kupferberg u. s. w., geb. 13. Mai 1807, ist preuß. General der Kavallerie z.D. und kommandierender General des 7. Armeekorps. Ein Vetter des letztern (Sohn des Grafen Anton, eines dritten Großoheims des Grafen Otto), Graf Eberhard zu S., geb. 11. März 1810, gest. 8. Aug. 1872, Majoratsherr auf Kreppelhof, war lebenslängliches Mitglied des preuß. Herrenhauses (welchem er seit 1862 wiederholt präsidierte), Generalmajor, sowie Kommendator und Kanzler des Johanniterordens und Oberpräsident der Provinz Schlesien. Ihm folgte im Besitz sein Brudersohn Graf Udo zu S., geb. 4. März 1840, gleichfalls lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses. Die Söhne des Stifters der jüngern Hauptlinie, Christian Ludwig (geb. 1634, gest. 1704) und Friedrich Wilhelm zu S., teilten sich 1669 in Ortenberg und Stolberg. Doch war nur die Nachkommenschaft Christian Ludwigs dauernd. Der ältere Sohn desselben, Graf Christoph Friedrich zu S. (geb. 1672, gest. 1738), stiftete die Speziallinie zu Stolberg, während der jüngere, Graf Justus Christian zu S. (geb. 1676, gest. 1739) die Speziallinie zu Roßla gründete. Die Linie S.⸗Stolberg, welche die Grafschaft Stolberg (110 akm) mit' dem Amte Heringen (124 qkm), das Amt Neustadt (82,6 km) in der Provinz Hannover und andere Güter in den Provinzen Schlesien und Westfalen, sowie im Königreich Sachsen (Brauna und Räckelwitz) besitzt, blüht gegenwärtig in zwei von den beiden Söhnen ihres Stifters ausgegangenen Asten, in dem Hauptaste, dessen Haupt Graf Alfred zu S., geb. 23. Nov. 1820, Standesherr in Preußen (mit erblichem Sitz im Herrenhause) ist und der die Nachkommenschaft Graf Christian Ludwigs II. umfaßt, und in dem Nebenaste, welcher die Nachkommenschaft Graf Christian Günthers zu S. (gest. 22. Juni 1765 als dän. Geheimrat) begreift. Der ältere Sohn des Letztgenannten war Graf Christian zu S. (s. d.); der jüngere, Graf Friedrich Leopold zu S. (s. d.), trat mit seinen Angehörigen 1800 zur kath. Kirche über. Von dessen Söhnen starb Graf Christian Ernst u S. (geb. 30. Juli 1783) als österr. Feldmarschalllieutenant 22. Mai 1846. — Haupt des Hauses S.⸗Roßla, welches die Grafschaft S.⸗Roßla (192,86 àkm) mit dem Amte Bärnrode (im Bernburgischen) und dem Amte Kelbra (82,8 qkm), Sangerhausen und die Standesherrschaft Ortenberg in der Wetterau (82,3 ꝗkm), besitzt, ist Graf Botho zu S., geb. 12. Juli 1850, Standesherr in Hessen und Preußen (mit erblichem Sitz in beiden Ersten Kammern), der seinem Vater, dem Grafen Karl zu S., 23. Jan. 1870 succedierte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 260Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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