Starhemberg (Guido, Graf), österr. Feldmarschall, der Vetter des vorigen und bei der Belagerung Wiens dessen Adjutant, war 11. Nov. 1654 geboren als Sohn des Grafen Bartholomäus und der Gräfin Esther Windischgrätz. Er focht bei mehrern Ausfällen an der Spitze der Truppen, vertrieb den Feind von dem Burgravelin und hinderte denselben durch Schanzen und Bollwerke, in den Gassen weiter vorzudringen, als derselbe sich 4. und 5. Sept. der Burg⸗ und Löwelbastei bemächtigt hatte. In dem fortgesetzten Türkenkriege zeichnete er sich bei allen Gelegenheiten aus, besonders 1686 beim Sturm auf Ofen, bei Mohacs vor Belgrad und Widdin, verteidigte Essegg, befehligte den rechten Flügel in der Schlacht bei Salankemen 1691 und zeichnete sich bei Großwardein und bei Zentha 1697 hervorragend aus. Im J. 1692 wurde S. Feldmarschalllieutenant, 1696 Feldzeugmeister. Beim Ausbruch des Spanischen Erbfolgekriegs kämpfte er in Italien unter Eugen, der ihm 1703, als er nach Wien ging, den Oberbefehl übertrug. Er hinderte den franz. Feldherrn Vendöme, in Tirol einzudringen, schlug ihn am Bormio und bewirkte 1704 die Vereinigung des österr. Heers mit dem des Herzogs von Savoyen. In den J. 1706 —7 unterdrückte er den Aufstand in Ungarn. Zum Feldmarschall ernannt, übernahm er 1708 den Oberbefehl des in Spanien kämpfenden Heers und führte, ohne Hilfsmittel und große Streitkräfte, auf bloße Verteidigung beschränkt, einen lebhaften kleinen Krieg mit überraschenden Märschen, schlauen über—⸗ fällen, wie z. B. dem von Tortosa (1709), und Zerstörung der feindlichen Magazine. Nach den Siegen, die er ber Philipps von Anjou Heer bei Almenara 27. Juli 1710 und bei Saragossa 20. Aug. erfochten, eroberte er Madrid und ließ daselbst den Erzherzog Karl zum König ausrufen. Allein Mangel und Verrat nötigten ihn, sich nach Barcelona zurückzuziehen. Bei Villa Viciosa in ungünstiger Stellung überrascht, wurde er 9. Dez. 1710 von Vendome besiegt. Als Karl nach seines Bruders Joseph Tode in die deutschen Erblande zurückkehrte, um die Kaiserkrone anzunehmen, blieb S. als Vizekönig in Barcelona. Allein ohne Streitmittel und von den Verbündeten verlassen, mußte er infolge des Neutralitätsvertrags vom 14. Mai 1713 Barcelona räumen und sich mit seinen wenigen Truppen auf engl. Schiffen nach Genua urückziehen. Seitdem lebte er als Hofkriegsrats-Vizepräsident in Wien. In Eugens Abwesenheit während des Türkenkriegs 1716—18 vertrat er dessen Stelle als Hofkriegsrats-Präsident. Er starb zu Wien 7. März 1737. S. war nächst Eugen der größte Feldherr OÖsterreichs. Vgl. Arneth, Leben des kaiserl. Feldmarschalls Grafen Guido von S.» (Wien 1853).