Staupitz (Joh. von), Gönner und Freund Luthers, stammte aus einer adeligen Familie im sächs. Kurkreise und neigte sich schon früh durch Studium der mittelalterlichen Mystiker und Augustins einer tiefern und zugleich von den kirchlichen Formen freiern Frömmigkeit zu. Als Generalvikar des Augustinerordens in Deutschland mit Luther bekannt geworden, ahnte er in diesem den zu Großem ausersehenen Mann, half ihm durch milde Ermahnungen über innere Kämpfe hinweg und vermittelte 1508 die Berufung desselben nach Wittenberg, wo er selber Professor war. Friedrich der Weise, bei dem S. in großer Achtung stand, beauftragte ihn 1516, aus einem niederländ. Kloster Reliquien für die neue Schloßkirche zu Wittenberg zu holen, und wollte ihm zu einem Bistum verhelfen, wogegen sich Luther sehr entschieden aussprach. Im J. 1512 trat er von seiner Professur zurück, siedelte nachher nach Süddeutschland über, legte 1520 aus Scheu vor den Kämpfen und um nicht gegen Luther auftreten zu müssen, auch sein Vikariat nieder und zog sich nach Salzburg und wo er anfangs als Hofprediger des Kardinals und Erzbischofs Matthäus Lang und nachher als Abt eines Benediktinerklosters lebte und 1524 starb. Seine Schriften De amore Deis und De fide christiana (beide Schriften deutsch übersetzt und neu herausgegeben Stuttg. 1862), sowie der Umstand, daß sich in seinem Nachlasse alle Schriften Luthers vorfanden, bezeugen seine bleibende Hinneigung zur Reformation. Eine nntanenr seiner Werke veranstaltete Knaake (Bd. 1, Potsd. 1867). Vgl. Kolde, Die deutsche Augustinerkongregation und S.» (Gotha 1879). taurolith, ein ausgezeichnetes Mineral, welches in kurz⸗ und dick⸗, oder lang⸗ und breitsäulenförmigen Krystallen des rhombischen Systems ausgebildet ist, die sehr häufig nach zwei Gesetzen Durchkreuzungszwillinge bilden (daher der Name, von rνιοοαεe, Kreuz), indem zwei Individuen sich entweder fast rechtwinkelig oder schiefwinkelig unter fast 60* durchwachsen. Die durchscheinenden bis undurchsichtigen glasglänzenden Krystalle haben rötlichbraune bis schwärzlich-braune Farbe, eine Härte von 7 bis 7,5, ein spezifisches Gewicht von 3,34 bis 3,½7. Vor dem Lötrohr sind sie selbst in Splittern nicht schmelzbar, und Säuren, selbst Fluorwasserstoffsäure, sind ganz ohne Wirkung auf dieselben. Chemisch besteht der S. aus Kieselsäure (28—29 Proz.), Thonerde letwa 52), Eisenoxydul (etwa 14), Magnesia (2,3) und Wasser (etwa 1,5), welches letztere erst beim Glühen entweicht; auch etwas Eisenoryd ist darin vorhanden. Sehr häufig bestehen die Krystalle des S. nicht aus reiner Substanz, sondern sind sehr reichlich mit Quarzkörnern lauch mit Granat, Glimmer u. s. w.) durchwachsen, weshalb sie, einschließlich dieser fremden, gewöhnlich nur mikroskopischen Beimengungen einen Kieselsäuregehalt von selbst über 50 Proz. bei der Analyse ergeben haben. Das Auftreten des S. ist namentlich an Glimmerschiefer gebunden, in welchem seine Krystalle eingewachsen sind, z. B. bei Airolo und Faido am St. Gotthard, bei Radegund in Steiermark, Goldenstein in Mähren, in der Bretagne, im span. Galicien. Wegen der Kreuzesform der Zwillingskrystalle werden diese in manchen Gegenden um den Hals getragen.