Stearin und Stearinkerzen. Alle Fette und Ole des Tier- und Pflanzenreichs sind die Glyzerinäther dreier Fettsäuren, der festen Stearinsäure, der gleichfalls festen Palmitinsäure und der flüssigen Olsäure. Der Glyzerinäther der Stearinsäure heißt Stearin, der der Palmitinsäure Palmitin, der der Olsäure Olein. Herrscht in den Fetten das Olein vor, so sind sie flüssig wie das Olivenöl und Mandelöl, bilden dagegen Stearin und Palmitin die Hauptbestandteile, so sind die Fette fest wie der Rinds⸗ und Hammeltalg und das Palmöl. Das Stearin findet für sich keine Anwendung, dagegen eine um so wichtigere die Stearinsäure, welche indessen, so wie sie fabrikmäßig dargestellt wird, ein Gemenge ist von Palmitinsäure mit Stearinsäure. Diese Säure dient zur Herstellung der Stearinkerzen, deren Fabrikation in zwei Abteilungen zerfällt, nämlich 1) in die Darstellung der Fettsäuren und 2) in die Umwandlung derselben in Kerzen. Die Gewinnung der Fettsäuren geschieht meist durch Verseifung der Fette (Talg oder Palmöl) mit Kalk, wobei die fetten Säuren in Form unlöslicher Kalkseife sich abscheiden, während die hierbei entstehende Lauge wesentlich Glyzerinlösung ist, die man auf Glyzerin (s. d.) verarbeitet. Die Kalkseife wird nun mit Schwefelsäure zersetzt und die sich ausscheidenden fetten Säuren nach dem Erstarren und Abkühlen durch Pressen von der flüssigen Olsäure befreit, aus der man in der Regel Seife darstellt. Die zurückbleibende starre Fettmasse ist das Material zur Fabrikation der Stearinkerzen. Anstatt mit Kalk zu verseifen, zieht man es häufig vor, die Fettkörper mit Schwefelsäure zu zersetzen und dann die gewonnenen fetten Säuren nach gutem Auswaschen mit Wasser entweder direkt zu verwenden, oder sie vorher der Destillation zu unterwerfen. Das Gießen der Kerzen geschieht in besondern Gießmaschinen. Häufig wird die? kischung der fetten Säuren, bevor man sie in Kerzenform bringt, mit einer gewissen Menge von Paraffin zusammengeschmolzen; dies ist z. B. der Fall mit den Apollo⸗ oder Melanylkerzen.