Stesichoros, berühmter griech. Lyriker, Sohn des Euphemos, war zu Himera auf Sicilien geboren und lebte von der zweiten Hälfte des 7. bis zur Mitte des 6. Jahrh. v. Chr. Sein eigentlicher Name soll Tisias gewesen sein und er den Namen S., d. h. der den Chorreigen Aufstellende, von seiner Beschäftigung als Anordner von Chören und Chorgesängen erhalten haben. Von ihm schreibt sich ein großer Fortschritt in der kunstmäßigen Ausbildung der Chöre und des Chorgesangs her. Namentlich soll er die strophische Gliederung vervollkommnet haben, indem er zu Strophe und Gegenstrophe die Epode hinzufügte. Seine von spätern Grammatikern in 26 Bücher geteilten Gedichte be-Raßcher fast durchgängig epische Stoffe, aber in hrischer Form (in Chorgesängen, welche an den Festen der Götter und der Heroen vorgetragen wurden) und in einer der lyrischen Poesie entsprechenden Auffassungsweise. In seinem Stil war Erhabenheit und Würde mit etwas allzu großer Fulle des Ausdrucks verbunden. S. behandelte in seinen Gedichten nicht nur sonst in der Litteratur noch nicht erwähnte Mythen, sowie abweichende Fassungen von bekannten Mythen, insbesondere solche, die in Sicilien heimisch waren, sondern gestaltete auch die Mythen mit großer Freiheit um, und war von weitreichendem Einfluß auf die Darstellung und Umbildung der Mythen in der auf ihn folgenden lyrischen und dramatischen, später auch in der alexandrinischen Poesie, sowie in der bildenden Kunst. Besonders stark tritt in seiner Lyrik die Liebesleidenschaft hervor. Die Bruchstücke sind gesammelt von Kleine (Berl. 1828), in Schneidewins Delectus poesis Graecorum (Gött. 1839) und in Bergks Poetae Iyrici graecis (4. Aufl., Lpz. 1882), mit deutscher Übersetzung in Hartungs «„Griech. Lyrikerno (Bd. 1, Lpz. 1836).