FeedStolzeufels
BaukunstBrockhaus 1882

Stolzeufels, Bergschloß auf einer waldbewachsenen Höhe über dem Dorf und der Eisenbahn⸗ und Dampfschiffahrtsstation Capellen im preuß. Regierungsbezirk und Kreis Koblenz, am linken Ufer des Rheins, 94 m über dem Spiegel desselben, 6 km oberhalb Koblenz, der Lahnmündung gegenüber gelegen. Die alte Burg S. wurde vom trierschen Erzbischof Arnold II. von Isenburg 1250 erbaut, jedenfalls verstärkt. Sie war im Mittelalter häufig die Residenz der Erzbischöfe von Trier, Hein seit dem Dreißigjährigen Kriege mehr und mehr in Vernachlässigung, blieb zuletzt unbewohnt und wurde 1689 von den Franzosen zerstört. Die Überreste wurden 1802 von der franz. Regierung der Stadt Koblenz als Eigentum überwiesen und 1825 von dieser dem damaligen Kronprinzen, spätern König Serselhe Wilhelm IV., zum Geschenk gemacht. erselbe ließ unter Benutzung der Trümmer das Schloß 1836—42 mit einem Kostenaufwand von 350000 Thlrn. nach Schinkels Plänen von Stüler ganz im mittelalterlichen Stil, aber herrlicher und prachtvoller als je wiederherstellen. S. hat seitdem noch durch fortgesetzte Bauten, namentlich auch durch die 1845 vollendete Schloßkirche mit ihren zwei Spitztürmen, sehr wesentliche Verschönerungen erhalten. Von dem Turm, welcher den ganzen Bau überragt, hat man die herrlichste Aussicht auf den Rhein. In dem mit Geschmack verzierten Innern befinden sich Ol⸗ und Freskobilder, namentlich im kleinen Rittersaal sechs Freskogemälde von Hermann Stilke (1842—46), welche die sechs Haupttugenden des Rittertums darstellen, in der Kapelle Fresken auf Goldgrund von Deger, Antiquitäten, Kopien der im Thronsaal zu München aufgestellten Schwanthalerschen Bilds äulen von wittelsbachschen Fürsten u. a. Im großen Rittersaal sind mittelalterliche Humpen, Rüstungen, Waffen von Blücher, Kosciuszko, Hofer, Tilly, Alba u. s. w. Die Außenwand des Schlosses schmückt an der Frontseite ein resko von Lasinsky: Besuch Ruprechts von der falz und seines Neffen, des Grafen von Hohenzollern, beim Erzbischof von Trier auf S., vor der Königswahl 1400. Im kleinen Wintergarten befindet sich eine Erzstatue des gehörnten Siegfried, von Hartung. Innerhalb der Ringmauern befinden sich schöne Gartenanlagen. Vgl. Malten, Schloß S. v 4a(i a. M. 1844).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 264Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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