Strigel (Victorin), einer der Hauptvertreter des Synergismus s. d.), geb. 26. Dez. 1524 zu Kaufbeuren, bildete sich unter Melanchthons Leitung seit 1542 zu Wittenberg. Nachdem er einige Jahre in Erfurt gelebt hatte, wurde er 1548 Professor zu Jena und geriet hier mit Flacius in Streit, weil er sich als Mitarbeiter an der Konfutationsschrift von 1558 synergistisch ausgedrückt haben sollte. Der herzogl. Hof, durch Nänih⸗ gewonnen, hielt S. übervier Monatelang, März bis Aug. 1559, auf dem Schlosse Grimmenstein gefangen, wurde jedoch durch die hierarchischen Übergriffe der Flacianischen Partei bald umgestimmt und verstattete S., der eine ausgleichende Erklärung gab, die Rückkehr nach Jena. Da indes der Streit durch das Gespräch zu Weimar 1560 neue Nahrung empfing, und da die Theologen anderweite Erklärungen von S. unterschrieben wissen wollten, so ging dieser 1562 als Professor nach Leipzig, dann nach Wittenberg und von da 1567 als Professor der Ethik nach Heidelberg, wo er 26. Juni 1569 starb. Seine Theorie war weder Pelagianismus noch Semipelagianismus (s. Pelagianer), sondern maß dem menschlichen Willen nur die Fähigkeit bei, sich zum Empfang der Gnade vorzubereiten; dennoch wurde sie auch im Konkordienbuche verdammt. Seine zahlreichen Werke betreffen die Philologie, Philosophie, die systemat. und biblische Theologie. Vgl. Otto, De Victorino Strigelio liberioris mentis in ecclesia Lutheria vindices (Jena 1843).