FeedSuftrage universel (frz.)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Suftrage universel (frz.), allgemeines Wahl- oder Stimmrecht. (S. unter Wahl.) Suffragium hieß bei den Römern die Stimme, die der Bürger in den Comitien (s. d.) abgab; auch die Abstimmung im ganzen und das Stimmrecht selbst, das zu den polit. Rechten des röm. Bürgers gehörte, wird mit S. bezeichnet. Die Abstimmung geschah lange Zeit mündlich; erst im 7. Jahrh. der Stadt wurde durch mehrere Gesetze die schriftliche Abstimmung (per tabellas, d. i. durch hölzerne, mit Wachs überzogene Täfelchen) eingeführt, und zwar zuerst durch die Lex Gabinia 139 v. Chr. bei Magistratswahlen, 131 durch die Lex Papiria bei Gesetzesvorschlägen, 137 durch die Lex Cassia bei Gerichten, mit Ausnahme derer über perduellio J. d.) und 107 durch die Lex Caelia auch für diese. Suffren de Saint-Tropez (Pierre Andre), ausgezeichneter franz. Seemann, geb. 13. Juli 11726 in der Provence, trat 1743 in die franz. Marine und sodann in den Malteserorden. Im J. 1756 wohnte er als Lieutenant der Eroberung von Minorca bei. Als Schiffskapitän befehligte er 1778 in dem Unabhängigkeitskriege der Nordamerikaner in der Escadre des Grafen d'Estaing. Letzterer übergab S. zu Boston einen Teil seiner Streitmacht, mit welcher er in den Hafen von Newport drang und die daselbst eingelaufene brit. Flotille verbrannte. Nach der Rückkehr nach Brest erhielt S. im Nov. 1779 den Befehl über ein leichtes Geschwader in der vereinigten franz.⸗span. Flotte unter Don Ludwig von Cordova und griff 9. Aug. 1780 auf der Höhe vom Kap St.⸗Vincent eine bedeutende britische, nach Ostindien segelnde Handelsflotte an, der er zwölf Schiffe wegnahm. Hierauf gab ihm die Regierung eine Escadre von sieben großen Schiffen, mit welcher er den von den Engländern bedrohten Holländern zu Hilfe eilen mußte. Er schlug 16. April 1781 den brit. Commodore Johnstone in einem Gefecht unweit der kapverdischen Insel San-Jago und vereitelte dadurch den Anschlag des Feindes auf das Kap der Guten Hoffnung, das er eher als die Engländer erreichte und besetzte. Am 17. Febr. und 12. April 1782 schlug er den brit. Admiral Hughes in den ostind. Gewässern. Im September nahm er sogar das von dem Feinde eroberte Trinconomale weg. Er starb zu Paris 8. Dez. 1788. Vgl. Trublet, Essai historique sur la vie et les campagnes du bailli S.5 (Par. 1824); Cunat, Histoire du bailli de S.5 (Par. 1852). Sein Bruder, Louis Jéröme S., geb. 17²2, war seit 1764 Bischof von Sisteron, wo er 1786 den Kanal zu bauen begann, der seinen Namen führt. Er wanderte in der Revolution aus und starb 21. Juni 1796 zu Turin. Sufrutex (lat.), Halbstrauch. Sufismus (Tasawwuf) ist der gewöhnliche Name der Lehren der Mystiker des mohammed. Orients. Die Anhänger derselben werden im Arabischen Süfi genannt, welcher Name meist durch amit Wolle Bekleideter» (vom arab. Worte Suf, Wolle) erklärt wird, weil angeblich die Anhänger einiger mystischer Sekten nur wollene Kleider getragen haben sollen, was freilich schwer nachzuweisen ist. Ohne Zweifel ist die mohammed. Mystik nicht ein Erzeugnis des semit. Geistes, sondern geht in ihren Anfängen auf Persien oder Indien zurück. Der Sufi ist Pantheist. Persönlichkeit ist nach seiner Überzeugung nur Beschränkung und das höchste Streben des Menschen soll darauf gerichtet sein, daß er sucht, in Gott, von dem alles individuelle Sein erst emaniert ist, aufzugehen. Die Unverträglichkeit dieser Lehre mit den Dogmen des starr deistischen Islam stellte sich im Laufe der Zeit immer klarer heraus. Dem von Jahrhundert zu Jahrhundert stärker werdenden S. stellte sich eine echt semitische, nüchterne Reaktion gegenüber, welche zur Folge hatte, daß die orthodoxren Muslim sich immer mehr von dem S. abwendeten und die wissenschaftliche, beziehungsweise religiöse Berechtigung der sufischen Versuche, die Glaubens⸗ und Sittenlehre des Koran allegorisch auszudeuten, in Frage stellten. Man leugnete die Authentie von angeblichen Aussprüchen Mohammeds und seiner nächsten Anhänger, welche scheinbar dem Sinne der mystischen Lehren der Sufis über die Notwendigkeit des Aufgehens in Gott und der Nichtigkeit aller äußern Erscheinungen entsprachen und von den Sufis als Beweisstellen für die Richtigkeit ihrer Lehren angeführt wurden. Als eigentlicher Gründer des S. wird gewöhnlich Abu Said Abul-chair, um 820 n. Chr., angesehen, obgleich die Anfänge desselben auf bei weitem frühere Zeit zurückgehen. Wahrscheinlich ist es, daß er der erste war, welcher seine Schüler und Anhänger in einem festern, religiösen Verbande miteinander vereinigte. In der zweiten Hälfte des 9. Jahrh. n. Chr. fingen die Anhänger des S. an, sich in zum Teil streng voneinander geschiedene Parteien zu teilen. Die eine derselben bildete sich aus den Anhängern des Abü Jazid al-Bustämi, welcher sich offen zum Pantheismus bekannte, die andere aus den Schülern des Dschunaid, welcher die pantheistischen Lehren des S. mit den deistischen Dogmen des Koran zu versöhnen suchte. Die sufischen Schriftsteller, sowohl unter den Arabern (namentlich al-Gazäli und Ibn-al-Färidh) wie unter den Persern und Türken teils als Dichter teils als Philosophen berühmt, zeichnen sich dur große Tiefe der Gedanken, durch Reichtum an Ideen, durch den Glanz ihrer Bilder und durch die Kühnheit ihrer Spekulation vor andern arab., pers. oder türk. Schriftstellern aus. V. der höchsten Blüte stand die Mystik immer in? ersien, und so erklärt es sich, daß gerade unter den Persern die bedeutendsten sufischen Dichter sich finden, wie Senai, Ferid-el-din Attär (der Verfasser des Mantik al-tairy), Dscheläl-el-din Rümi (der Verfasser des Mesnewiv), ferner Dschämi, während andererseits auch die arab. sufischen Dichter, wie Omar ibn-el Färidh und Jzz-el-din el-Mukaddesi, Hervorragendes geleistet haben. Die Lehren und Geschichte der Sufis haben dargestellt Malcolm in seiner «History of Persias (Bd. 1), Hammer-Purgstall in seiner 4Geschichte der schönen Redekünste Persiens » und in seiner Ausgabe von Omar-ibn-el-Faridhs Taije v (Wien 1854), Silvestre de Sacy in den „Notices et extraits tirés de la bibliothèque du Roi (Bd. 12), in eingehendster Weise Tholuck in Ssufismus sive theosophia Persarum pantheisticas (Berl. 1821) und in „Blütensammlung aus der morgenländ. Mystiko (Berl. 1825), sowie Garein de Tassy in der Ausgabe von Izz-el-dins «Oiseaux et les fleurso und von Ferid-el-din Attärs «Mantik eltairo (Par. 1863). Ein kurzes, aber interessantes Kompendium der Lehre des S. gab Krehl (Omar ibn Suleimäns Erfreuung der Geisterv, türkisch und deutsch, Lpz. 1848) mit Anmerkungen heraus, welche namentlich den Zusammenhang der sufischen Psychologie, wie sie von Omar ben Suleimän nach dem Vorgange anderer Sufis dargestellt worden, mit der Psychologie des Aristoteles nachweisen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 358Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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