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ReligionBrockhaus 1882

Sunniten heißen die Mohammedaner, welche sich streng an den Brauch und an die Lehre Mohammeds, die Sunna (s. d.), halten, also die orthodoxen Mohammedaner. Sie bilden die bei weitem größte Masse der Bekenner des Islam, und es gehören zu ihnen die Bewohner Afrikas, Agyptens, Syriens, der Türkei, Arabiens und der Tatarei. Sie teilen sich in vier orthodoxe Ritus oder Sekten (die Mälikiten, Hanbaliten, Schafüten und Hanefiten), die nur in einigen Gebräuchen und Rechtsanschauungen voneinander abweichen und in keinem feindlichen Verhältnis zueinander stehen. Sämtliche S. erkennen die ersten Kalifen Abubekr, Omar und Othmän als rechtmäßige Nachfolger Mohammeds an. Im Gegensatz zu den S. stehen die Schiiten (s. d.), zu deren Partei seit dem 16. Jahrh. die Bewohner Persiens gehören, und welche nur den Ali und dessen Nachkommen für rechtmäßige Nachfolger Mohammeds halten. Die Gegensätze zwischen den S. und Schiiten sind teils religiöser, teils polit. Natur und trennen die Bekenner des Islam in zwei sich mehr oder weniger schroff gegenüberstehende Parteien. Die Unterschiede in den Lehren, vorzüglich über das Verhältnis des Menschen und seiner Willensfreiheit zu dem ewigen Ratschluß Gottes (Prädestination), über die Ewigkeit des Koran u. a., sind zu tief und in das Glaubensleben der Mohammedaner zu vielfach eingreifend, als daß man glauben könnte, daß jemals eine Vermittelung oder gar Aussöhnung zwischen diesen Gegensätzen hergestellt werden könnte. Hierzu kommt ein fast unüberwindlicher Gegensatz zwischen den zu der einen oder zu der andern Partei sich bekennenden Rassen, der indogermanischen einerseits und der semitischen, beziehungsweise tatarischen andererseits.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 375Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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