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GeschichteBrockhaus 1882

Schiiten, d. h. Anhänger der Schia (der Trennung), heißen im Gegensatz zu den Sunniten (s. d.) bei den Mohammedanern alle diejenigen, welche den vierten Kalifen Ali ben-Abi-Tälib (s. d.), den Schwiegersohn Mohammeds, für den rechtmäßigen Nachfolger Mohammeds erklärten und deshalb die drei ersten Kalifen Abubekr, Omar und Osman, ingleichen die Dynastie der Omajjaden als usurpatorische Kalifen betrachten. Die S. legten dem Ali schon im 6. Jahrh. fast göttliche Eigenschaften bei und feiern als Hauptfest den Todestag des zweiten Sohnes des Ali, Husein, welcher in dem Treffen bei Kerbela 680 n. Chr. besiegt und erschlagen wurde. Die S. (der Name wird ihnen von den Sunniten beigelegt, welche sie als Abtrünnige ansehen) machten sich, obgleich die Spaltung schon sehr bald nach dem Tode Mohammeds eintrat, als eigentliche religiös-polit. Partei doch erst dann geltend, als die ersten Kalifen dieselben mit Waffengewalt zu unterdrücken suchten. In die Kämpfe zwischen den S. und den Sunniten, welche jahrhundertelang das Reich des Islam erschütterten, mischten sich verschiedene andere Beweggründe, welche mit dem Glaubensinhalt des Islam wenig oder gar nichts zu thun haben. Vorzüglich waren es die ethnogr. Unterschiede zwischen den Völkern, welche sich zum Islam bekannten, welche sich in diesen Kämpfen geltend machten, namentlich der Antagonismus der arischen Rassen (Perser und Inder) gegen die Semiten (Araber). Persien ist seit früher Zeit der eigentliche Sitz der S. geblieben, und seit 1512, seit der Begründung der Dynastie der Safiden (oder Sefiden) durch Schah-Jsmail, ist der Schiitismus in Persien zur Alleinherrschaft gelangt. Die S. erkennen die Oberherrschaft des als Nachfolger der Kalifen geltenden türk. Sultans nicht an. (S. unter Islam.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 350Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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