Süs (Gustav), Maler, geb. 10. Juni 1823 zu Rumbeck bei Rinteln, gelangte erst spät zur Ausübung der künstlerischen Thätigkeit. An der Akademie in Kassel vorgebildet, mußte er infolge eines Augenleidens das Malen wieder aufgeben. Er widmete sich nun an der Universität Gießen sowie am Städelschen Institut in Frankfurt litterarischästhetischen Studien. Er schrieb eine Anzahl Kindermärchen, deren Illustrationen er fertigte. Dies führte ihn wieder zur Kunstthätigkeit zuruck, indem er zu Ende der vierziger Jahre fleißig Bildnisse malte. Zu weiterer Vervollkommnung bezog er noch die Akademie zu Düsseldorf. Seine Hauptstärke beruht in Tierstücken, besonders humoristischen Darstellungen von Hühnern und anderm Geflügel, welche Kompositionen sich allgemeine Beliebtheit erwarben. Beispiele sind: der Hahnenkampf, die beiden Mütter, der erste Gedanke u. s. w. S. starb 24. Dez. 1881 zu Düsseldorf. Susa (hebr. und assyr. Susan oder Schuschan, d. h. die Lilie), gegenwärtig Sus oder Schus (im heutigen Persien), die Hauptstadt des noch zum Euphratstromgebiet gehörigen Landes, welches, je nach den verschiedenen Nationen, Elam oder Elymais von den Semiten,‚, Uvaza, Khuzistan von den alten und den neuen Persern, Kus und Kissia und endlich Susiana genannt wird. Nachdem S. während längerer Zeit hindurch einheimischen turanischen, semitischen und chamitischen Herrschern gehorcht, kam es im 7. Jahrh. v. Chr. unter die Botmäßigkeit der Meder, von denen es sich zeitweilig losmachte; dann aber wurde es definitiv von den Persern bezwungen, die es zur Winterresidenz erkoren. Die Stadt lag zwischen den Flüssen Choaspes, wegen seines Wassers berühmt (heute Kercha), und Euläus (im Alten Testament und den Keilinschriften Ulai, heute Dscherrahi), war in Gestalt eines Rechtecks von 120 Stadien (22 Em) Umfang erbaut und hatte keine Mauern, aber eine stark befestigte Burg, welche den herrlichen Palast und eine der Hauptschatzkammern des Persischen Reichs enthielt. Wie Babylon war auch S. aus Ziegelsteinen und Erdpech erbaut. Als Erbauer der Burg gilt der mythische Memnon, daher sie den Namen Memnonium führte. Gewiß ist, daß unter den einheimischen, in Keilschrift geschriebenen Königsnamen das Element Umman und Minan sich häufig wiederfindet. Die Perserkönige von Darius I. an erbauten hier prachtvolle Paläste, deren Reste von Loftus untersucht worden sind. Die Ruinen gehören zu den großartigsten Asiens. In S. spielte die Intrigue Esthers, deren Sage noch heute sich in diesen Gegenden verewigt; ebenso zeigt man ein Grabmal Daniels. Die zahlreichen Keilinschriften sind erst kürzlich entziffert und erklärt worden. Vgl. Oppert, Les inscriptions susienneso (Par. 1873). In neuester Zeit hat die franz. Regierung eine Mission unter dem Architekten Dieulafoy zur Erforschung S.s gesandt. Unfern von S. liegt die Stadt Schuschter (s. d.). Susa, das Segusio der Römer, die Hauptstadt der ehemaligen Markgrafschaft gleichen Namens, welche 1035 an Savoyen fiel, jetzt eines zur ital. Provinz Turin gehörigen Bezirks, liegt rechts an der Dora Riparia (Duria) in einem Felsenhalbkreise am Fuße des Roche-Melon, 495 müber dem Meere, 52 km westlich von Turin und ist mit diesem über Bussoleno durch Eisenbahn verbunden. Die Stadt (mittellat. Sigusium, Seusium oder Secusia) ist der Sitz eines Bischofs, hat meist enge und krumme Straßen, mehrere Vorstädte, einige schöne Plätze, eine Kathedrale (San-Giusto) mit der Statue der Gräfin Adelheid von S. aus dem 11. Jahrh., einige Klöster, die Ruinen des Stammschlosses der alten Markgrafen und zählt (1881) 3275 (Gemeinde 4106) C., welche Wein und viel Obst bauen, namentlich die durch ihre Dauerbarkeit berühmten Apfel von S. Im Garten des Governatore an der Westseite der Stadt steht ein Triumphbogen, 13,5 m hoch, 12 mbreit, 7,3 metief, an den vier Ecken mit vortretenden korinth. Säulen, am Fries mit Opferscenen geschmückt. Die Inschrift besagt, daß Julius Cottius Domnus, als Prafekt, und die ihm untergebenen Völker den Bogen im Jahre Roms 745 (8 v. Chr.) dem Kaiser Augustus errichtet haben. S. war bis 66 n. Chr. Hauptstadt der unter röm. Oberherrschaft stehenden gallischen Dynastie der Cottii, nach dem Aussterben derselben Sitz des Prokurators der röm. Provinz Alpes Cottiae, früher sehr bedeutend und als Schlüssel der Alpenstraßen über den Mont-Cenis und den Mont-Genevre von strategischer Wichtigkeit. Von 575 bis Ende des 9. Jahrh. gehörte S. zum Frankenreiche. Bekannt ist der Ort durch die Aufopferung Hartmanns von Siebeneichen für Kaiser Friedrich J., als dieser im März 1168 aus Italien floh. Am 29. Sept. 1174 wurde die Stadt von demselben Kaiser verbrannt; 1629, 1690 und 1704 von den Franzosen erobert, 1707 diesen wieder abgenommen. Zu S. wurde 1. April 1629 zwischen Frankreich und England ein Friede geschlossen. über der Stadt, am linken Ufer der Dora, erhebt sich das 1798 von den Franzosen zerstörte Fort La Brunetta. Das Fort von Exilles (mit 757 (Gemeinde 1896] C.), deckt die Straße über den Mont-Geneore, nach ihm heißt der eine 1767 melange Tunnel der Cenisbahn. Außerdem gehören zum Distrikt der Flecken Avigliana, Station der Eisenbahn Modane, mit 2203 (Gemeinde 3642) E., einem ehemals festen Schlosse, alten Kirchen, mittelalterlichen Türmen und Häusern; etwa 3 km westlicher, ebenfalls an der Eisenbahn Turin-Modane, das Dorf Sant'⸗Ambrogio di Torino, mit 1454 E., berühmt durch seine Benediktinerabtei San-Michele della Chiusa oder La Sagra auf dem Gipfel des Pirchiriano mit sehenswerter Kirche und einer Gruft, in welcher beigesetzte Leichen nicht verwesen.