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ErdkundeBrockhaus 1882

Tanger, bei den Eingeborenen Tandscha genannt, feste Seestadt in der Provinz Hasbat des Sultanats Marokko, an der Meerenge von Gibraltar, 22 km östlich vom Kap Spartel, an deren Westeingange und einer Bucht Raltenr ist amphitheatralisch am Abhange eines kahlen Kalkgebirges erbaut, hat unregelmäßige, steile und sehr enge Straßen, niedrige Häuser mit platten Dächern, eine große Moschee, eine kath. Kapelle mit einem Crnagogen Eini die einzige im Reiche, mehrere Synagogen, ein großes verfallenes Schloß oder Kasbeh (Citadelle), alte Ringmauern und reizende Gartenanlagen in der Umgegend. Der Hafen ist klein, wenig tief und den Nordostwinden ausgesetzt. Die Reede dagegen ist geräumig, die beste Marokkos, versandet aber gegen Süden immer mehr. Die Stadt zählt 20000 E. darunter gegen 1000Neger, 2500 Juden und 100 Christen, diese meist Kaufleute und Familienglieder der hier wohnenden europ. Konsuln und Agenten für Marokko. Mit Gibraltar, das von T. seine meisten Lebensbedürfnisse bezieht, besteht eine regelmäßige Dampferverbindung, die viel zur Hebung des marokkan. Handels beiträgt, mit Mogador wöchentlich zweimal Verbindung durch einen Fußkurier. Es ist der wichtigste Handelsplatz Marokkos. Die Einfuhr besteht aus engl. Baumwollwaren, Stahl, Eisen, Thee, Kaffee, Zucker, Seide. Ausgeführt wurden Wolle, Leder, Blutegel, Wachs, Datteln, Bohnen, Mais. Der Wert der Einfuhr betrug 1883 5821 000, der der Ausfuhr 3985 000 Mark. — T., jedenfalls uralt, hieß bei den Römern Tingis, war unter Kaiser Augustus eine freie Stadt, unter Kaiser Claudius eine röm. Kolonie und die Hauptstadt der Provinz Tingitana oder des westl. Mauretanien und ein Haupthandelsplatz. Sie wurde dann von den Vandalen, Byzantinern, Arabern, Mauren wechselsweise erobert und besessen bis sie 1471 in die Hände der Portugiesen fiel. Al Brautschatz der portug. Infantin kam T. bei deren Vermählung mit Karl II. 1660 an die Engländer, welche es 1680 gegen die Angriffe der Mauren behaupteten, aber 1684 wegen der kostspieligen Unterhaltung verließen und beim Abzuge die Hauptbefestigungen zerstörten. Von den Mauren wieder in Besitz genommen, ward es von neuem teilweise befestigt. Im J. 1790 beschossen es eine span., 6. Aug. 1844 eine franz. Flotte unter dem Prinzen von Joinville, worauf 10. Nov. daselbst der Friede zwischen Frankreich und Marokko Stande kam. preuß. Regierungsbezirks Magdeburg, an der Elbe in welche hier die Tanger einmündet, Station der Privatbahn Stendal⸗-T., ist Sitz eines Amts. gerichts und einer Superintendentur, hat Mauerr und altertümliche Thore und zählt (1885) 5850 E. Von Bauwerken sind die hart an der Elbe gelegene Burg mit dem ehemaligen Residenzschloß, ferner das alte Rathaus mit schönem durchbrochenen Giebel und die dem heil. Stephan gewidmete, am Ende des 12. Jahrh. erbaute Hauptkirche hervorzuheben. Außer Landwirtschaft, Schiffahrt, Fischerei, Schiffbauerei und Handel' mit Getreide und Kohlen wird auch eine nicht unbedeutende Gewerbthätigkeit betrieben. Es bestehen eine große Zuckerraffinerie, ferner Fabriken für Rüböl und Essig, Ziegeleien und Brauereien. In der Nachbarschaft befindet sich das Eisenwerk Tangerhütte. Bei der Stadt an der Tongera siegten 983 die Bischöfe von Magdeburg und Halberstadt und der Markgraf Dietrich von Nordsachsen über die Wenden. Die alte Burg war öfters Residenz der Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg. Auf derselben schloß 13. April 1312 Waldemar Frieden mit Friedrich von Meißen, der auf die Lausitz, die Mark Landsberg und das Osterland verzichtete. Ebenda brachte 1362 der Erzbischof Dietrich von Magdeburg den sog. Magdeburger Landfrieden für Nordostdeutschland zu Stande, und schloß Kaiser Karl 1V. 28. April 1374 einen Vertrag, worin er als Kurfürst von Brandenburg auf Mecklenburg verzichtete. Am 1. Juli 1631 eroberte Gustav Adolf die Stadt; 20. Okt. 1806 hatten die retirierenden Preußen daselbst Gefechte mit den Franzosen zu bestehen. Tangerwicke, s. unter Lathyrus. Tauguten, ein den Tibetanern verwandtes Volk im nördl. Tibet, in der chines. Provinz Kansu und besonders im Gebiete des obern Hoangho; ein Zweig von ihnen, die Chara-T., welche sich durch dunklere Hautfarbe von den andern T. unterscheien, wohnt am Kökö-nör und am obern Laufe des Yangetse-kiang. Die T. leben fast ausschließlich von Viehzucht; namentlich ziehen sie Naks und Schafe. Sie sind Buddhisten und werden von eigenen Beamten unter dem chines. Statthalter von Kansu regiert. Vgl. Przewalski, «Reisen in die Mongolei, im Gebiet der T. und den Wüsten Nordtibets „(deutsch von Kohn, Jena 1877). Tanhäuser nennt die deutsche Volkssage einen Ritter, der auf seinen Fahrten an den Berg der rau Venus (s. Venusberg) gekommen und hinabgestiegen war, um ihre Wunder zu schauen. dachdem er längere Zeit in Freude und Lust daselbst verweilt, rührte ihn jedoch sein Gewissen. nter Anrufung der Jungfrau Maria begehrte er Urlaub und pilgerte gen Rom zu Papst Urban, um durch Beichte und Buße Vergebung seiner Sünden und Errettung von der Verdammnis zu suchen. Allein der Papst, der gerade einen Stock in der Hand hielt, bedeutete ihn, daß er Gottes Huld so wenig erlangen könne, als jener dürre Stecken zu grünen vermöge. Da zog der T. m Benns en wieder fort und kehrte zurück zu Frau Venus in den erg. Am dritten Tage aber begann der Stock zu grünen, und sofort auch sandte der Papst Boten in alle Lande. Der T. war jedoch nicht zu finden. So erzählt das einst durch ganz Deutschland und darzu]über hinaus verbreitete und noch 1830 im Entlibuch gesungene Volkslied (lam besten gedruckt in 5Uhlands «Alten hoch⸗ und niederdeutschen Volkse, liedern 5, Stuttg. 1845), und die Vorrede des r Heldenbuchs fügt hinzu, daß vor dem Venusberge „der getreue Eckart, eine Gestalt der deutschen nHeldensage, sitze und die Leute warne. In dieser . Fassung läßt die Sage sich verfolgen bis hinauf eins 14. Jahrh.; allein ihrem Inhalte nach ist sie rweit älter, reicht sie zurück bis ins german. Heidentum. Einige Überlieferungen knüpfen sie an den Hoselberg oder Hörselberg (. Hörse l) bei Eisenach, in welchem Frau Holle oder Holda ihren Hof hielt die ihrerseits wiederum mit Freya (s. d.) identisch zu sein scheint. Die eigentliche mytholog. Bedeutung der Sage, welche zahlreiche Berührungspunkte mit vielen andern german. Sagen hat, ist jedoch noch nicht streng untersucht worden. Vgl. Kornmann, «Mons Veneriso (Frankf. 1614); Grässe, „Die Sage vom Ritter T.v (Dresd. und Lpz. 1846); derselbe, „Der T. und Ewige Jude (2. Aufl., Dresd. 1861). In neuester Zeit ist die Sage wiederholt, z. B. von Tieck, poetisch bearbeitet und von Richard Wagner, welcher T. mit Heinrich von Ofterdingen (s. d. identifiziert, zu einer für die Geschichte der Musik bedeutsamen Oper benutzt worden. Um die Mitte des 13. Jahrh. und gleichzeitig mit einem Papste Clemens (Clemens IV., 1265 68) lebte aber in Deutschland wirklich ein Ritter Namens T., aus dem Salzburgischen, der als Minnesingeram Hofe des österr. Herzogs Friedrich II. des Streitbaren verkehrte und darauf, als dieser gestorben war und er selbst mit Weibern und Tafelfreuden sein Gut verthan hatte, teils bei Herzog Otto II. von Bayern verweilte, teils ein Wanderleben führte, auch früher schon auf einem Kreuzzuge über Italien ins Heilige Land gekommen war. Er war der franz. Sprache wohl kundig und hat schöne, lebendige Tanzlieder verfaßt, zeigt aber doch schon den Verfall des Minnegesangs und des höfischen Lebens. Bei den Meistersingern, die auch eine seiner Weisen bewahrten, blieb sein Andenken in Ehren, und es ist wohl möglich, daß dieser T. in das Gebiet der Voltsdichtung gezogen und in einen an seine Lebensschicksale und Dichtungsweise erinnernden alten Mythus verflochten wurde, wobei dann aber +* alte Mythus sich in die jüngere Sagengestalt umwandelte. Die Gedichte des T. sind gedruckt im zweiten Teile der 4 Minnesingero (herausg. von von der Hagen, Lpz. 1838), eine ihm beigelegte „Hofzuchto in Haupts „Zeitschrift für deutsches Altertumo (Bd. 6). Vgl. Zander, Die Tanhäuser-Sage und der Minnesänger T.n Königsb. 1858). änien (Taenia solium und Taenia mediocanellata), s. Bandwurm. Taenioidei oder Trachypteridae, Band—⸗ ische, eine Familie der Knochenfische, die aus Gattungen und 16 Arten besteht, welche alle in edeutenden Tiefen des Meeres leben und nur selten nd zufällig einmal in obere Wasserschichten geaten, dann meist beschädigt sind und bald sich zerhen. Sie sind langgestreckt, seitlich in hohem Taße komprimiert, haben ein kleines Maul mit enigen schwachen Zähnchen, eine über den ganzen ücken sich hinziehende Rückenflosse, die Afterflosse hlt oder steht nicht in der Längsachse des Körpers, e Bauchflossen sind brustständig, bisweilen sehr urk entwickelt, wie auch an dem Flossensystem, namentlich an der Rückenflosse, stellenweise ansehnliche Entwickelungen auftreten. Manche Arten werden sehr lang, z. B. mißt der Heringskönig bohnens2 Banksii) circa 3 m, wiegt dabei aber öchstens 20 kg. Meist sind diese Fische silberglänzend mit roten Flossen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 463Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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