FeedTann-Rathsamhausen
GeschichteBrockhaus 1882

Tann-Rathsamhausen (Ludw. Samson, Freiherr von und zu der), bayr. General der Infanterie, geb. 18. Juni 1815 zu Darmstadt aus altfränk. reichsfreiherrlicher Familie, wurde im bayr. Pageninstitute erzogen, trat 1833 als Junker in das 1. bayr. Artillerieregiment und wurde noch in demselben Jahre Offizier. Als Oberlieutenant 1840 in den Generalquartiermeisterstab versetzt, nahm T. 1843 unter Bugeaud in Algerien an einem Zuge nach der tunesischen Grenze teil und wurde 1844 zum Adjutanten des Kronprinzen Max und zum Hauptmann ernannt. Im März 1848 erfolgte seine Ernennung zum Major und Flügeladjutanten des Königs und im September die zum Oberstlieutenant. Bei der Erhebung Schleswig-Holsteins gegen Dänemark erwarb sich T. als Kommandeur eines Freikorps durch seine mit Umsicht gepaarte Kühnheit großen Ruf und zeichnete sich in den Kämpfen bei Altenhof und Hoptrup aus, ebenso 1849 als Chef des Generalstabes der bayr.⸗hess. Division vor Düppel. T. bereiste hierauf das ungar. Kriegstheater, nahm im Aug. 1850 den Abschied aus dem bayr. Heere und trat als Oberst und Chef des Generalstabes in die schlesw.⸗holstein. Armee unter General von Willisen, in welcher er die Kämpfe bei Idstedt, Dudenstedt, Missunde und Friedrichsstadt mitmachte. Doch schon im November trat T. als Oberstlieutenant und Flügeladjutant des Königs in das bayr. Heer zurück, wurde 1851 Oberst und 1855 Generalmajor, 1859 Kommandeur der 1. Infanteriebrigade und Generaladjutant des Königs. Im Febr. 1861 erfolgte seine Beförderung zum Generallieutenant; er erhielt zunächst das Generalkommando zu Augsburg, vom Juni desselben Jahres ab das zu München. Bei Ausbruch des Deutschen Kriegs von 1866 wurde T. zum Generalstabschef des Feldmarschalls Prinz Karl von Bayern ernannt, schloß 14. Juni zu Olmütz die Konvention mit Osterreich, nahm an den Gefechten bei Zella, Kissingen, üttingen und Hettstadt teil und trat nach Abschluß des Friedens in seine frühere Stellung als Divisionskommandeur in München zurück. Im April 1867 wurde T. zum Inhaber des 11. bayr. Infanterieregiments, im Jan. 1869 zum General der Infanterie und Kommandeur des 1. Armeekorps ernannt, welches er im Deutsch-Französischen Kriege von 1870 und 1871 im Verbande der deutschen Dritten Armee (Kronprinz von Preußen) mit Auszeichnung bei Wörth, Beaumont und Sedan, sowie vor Paris führte. Er operierte im Herbst selbständig an der Loire, hatte wesentlichen Anteil an dem Siege bei Orléans vom 11. Okt., blieb dann bei Orleans stehen, mußte sich aber nach dem Gefecht bei Coulmiers vom 9. Nov. vor der weit überlegenen franz. Loir Armee unter Aurelle de Paladines bis Tour urlckziehen. T. drang sehr bald unter dem Ober befehl des Großherzogs von Mecklenburg wiede vor und focht 2. Dez. bei Bazoches-les-Hautes 3. und 4. Dez. bei Orléans, 7. bis 10. Dez. be Beaugency. Ende Dez. 1870 wurde T. mit seinen Korps der Belagerungsarmee vor Paris zugeteilt um das nach Osten, zur Bildung der Südarme entsendete preuß. 2. Armeekorps zu ersetzen. Nao dem Friedensschlusse wohnte T. 16. Juni 1871 den feierlichen Einzuge der Truppen in Berlin bei dann 16. Juli dem eneruß in München, wo er alkommandierender General des 1. Armeekorps ver blieb. Das Fort Nr. 8 von Straßburg und das + Nr. 3 von Ingolstadt erhielten T.s Namen starb 26. April 1881 zu Meran. Vgl. Helvig „Das 1. bayr. Armeekorps von der T. im Kriege 1870 (Münch. 1874). Taunroda, Stadt in Sachsen-Weimar-Eisenach, Verwaltungsbezirk Weimar, 17 Em im SSW. von Weimar, am Einfluß der Schwarza in die Ilm, 294 müber dem Meere, zählt (1885) 961 evang. E. und hat ein Rittergut, eine Burgruine, Sandsteinbrüche, Ol⸗, Mahl⸗ und Schneidemühlen, eine Pulvermühle, Korbmacherei und Schuhmacherei.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 467Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6