Tresckow (Udo von), preuß. General der Infanterie z. D., geb. 7. April 1808 zu Jerichow in der preuß. Provinz Sachsen, trat 1824 aus dem Kadettenkorps in die 4. Jägerabteilung, wurde 1829Offizier, 1846 Premierlieutenant, 1848 Hauptmann in dem neu formierten 3. Jägerbataillon, 1850 bei der Mobilmachung als Generalstabsoffizier zur 11. Divifion des 3. Armeekorps kommandiert, 1854 in das 17. Infanterieregiment versetzt, im April 1856 zum Lehrbataillon kommandiert und im Mai 1856 zum Major im 13. Infanterieregiment befördert. Im Aug. 1856 wurde T. an die Spitze des herzogl. sächs.⸗altenb. Truppenkontingents gestellt, w1861 Oberstlieutenant und im März 1863 Oberst, im Juli 1864 Kommandeur des 53. Infanterieregiments auf der Insel Alsen. Von dort kehrte T. mit dem Regiment nach Mainz zurück, dessen einzige preuß. Infanteriebesatzung dieses bei Ausbruch des Deutschen Kriegs von 1866 bildete. Als T. die Festung verlassen mußte, wurde das Regiment der Division von Goeben zugeteilt, unter dessen Befehl T. an den Gefechten bei Dermbach, Neidhardtshausen, Zella, Waldfenster, Kissingen, Waldaschach und Aschaffenburg teilnahm, dann zum Kommandeur der kombinierten Garde-Infanteriebrigade ernannt, welche er von Leipzig unter dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin bis Nürnberg führte. Nach dem Frieden wurde T. im Sept. 1866 Kommandeur der 1. kombinierten Infanteriebrigade in den Elbherzogtümern und Generalmajor, im Oktober Kommandeur der 33. Brigade, und organisierte die Militärverhältnisse in den drei Hansestädten und dem Lauenburgischen. Bei Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 1871 trat T. anfänglich als Kommandeur der 1., in Stettin formierten Landwehrdivision zur Küstenarmee des Generals Vogel von Falckenstein, ging aber Ende August mit seiner Division nach dem Elsaß ab, formierte dort die 1. Reservedivision, nahm mit dieser an der Belagerung von Straßburg teil und blieb nach Einnahme dieser Festung zum Schutze des Elsaß dort stehen. Nach kurzer Beteiligung an der Einschließung von Schlettstadt rückte T. im Okt. 1870 gegen Belfort; hier warf er mit 8000 Mann den 17000 Mann starken Feind in die Festung, durch deren Belagerung er sich einen hervorragenden Platz in der Geschichte dieses Kriegs erworben hat. (S. Belfort.) Er hatte in den Monaten Nov. 1870 bis Febr. 1874 viele Gefechte zu bestehen, beteiligte sich schließlich noch beim Heranrücken der Bourbakischen Armee an den Kämpfen gegen diese, insbesondere an der Schlacht an der Lisaine, und rückte, 18. Jan. 1871 zum Generallieutenant befördert, infolge der 16. Febr. abgeschlossenen Kapitulation, 18. Febr. in Belfort ein. Nach dem Frieden wurde T. Kommandeur der 2. Division, die er im Herbst 1871 von der Occupationsarmee nach ihren Garnisonen Danzig u. s. w. zurückführte. Als er 1874 sein 50jähriges Dienstjubiläum feierte, wurde er vom Kaiser à la suite des 7. Thüringischen Infanterieregiments Nr. 96 gestellt, in welcher Stellung er auch blieb, nachdem er 12. Mai 1875 als General der Infanterie zur Disposition gestellt worden war. Er starb 20. Jan. 1875 auf seinem Gute Stünzhain bei Altenburg.