FeedSickingen (Franz von)
GeschichteBrockhaus 1882

Sickingen (Franz von), berühmter Feldhauptmann, geb. 2. März 1481 auf der Ebernburg bei Kreuznach, war der reichste und mächtigste reichsunmittelbare Ritter in den Reichslanden und stand bei Kaiser Maximilian I., noch mehr bei Karl V. in Ansehen, denen er mehrmals auf Kriegszügen diente. Auch wurde er zum kaiserlichen Rat und Kämmerer ernannt. Hauptsächlich aber führte S. zahllose Privatfehden, bei denen er oft als Beschützer der Schwachen und Unterdrückten auftrat, und kümmerte sich dabei nicht um die Mahnungen des Reichskammergerichts und des Reichsregiments. So befehdete er jahrelang die Reichsstadt Worms, weshalb er 1517 in die Reichsacht verfiel. Dann bekriegte er mit einem geworbenen Heer von 4000 Reisigen und 10000 Landsknechten nacheinander den Herzog von Lothringen, die Reichsstadt Metz, den Landgrafen Philipp von Hessen, den Herzog Ulrich von Württemberg u. s. w. Dabei brandschatzte er allenthalben. König Franz I. von Frankreich suchte S. für seine Dienste zu gewinnen und bewilligte ihm ein Jahrgehalt; doch ward das Verhältnis bald wieder aufgelöst. Dann mirkte S. eifrig für die Wahl des Kaisers Karl V. und wurde dafür von der Reichsacht entbunden. Auch zog er 1521 als kaiserl. Feldhauptmann mit dem Grafen von Nassau gegen Frankreich zu Felde und verheerte die Picardie. Auf einer Versammlung in Landau ward er 1522 zum Oberhaupt des Bundes der schwäb. und rhein. Reichsritterschaft gewählt. Nicht minder beliebt war er bei den deutschen Landsknechten. Obwohl selbst kein Gelehrter, neigte er sich doch den humanistischen und reformatorischen Bestrebungen zu, ergriff Partei In. Reuchlin in dessen Streit gegen die Kölner, nahm Ulrich von Hutten und andere Bewegungsmänner auf seiner Ebernburg bei Kreuznach auf und bot auch Luther eine Zuflucht an. Durch den Einfluß Huttens wurden bei S. weitgehende Pläne angeregt, die auf eine gewaltsame Durchführung der Reformation und Abschaffung der geistlichen Fürstentümer, welche dem Reichsadel zugute kommen sollten, hinausliefen. Für diesen Zweck hofften sie auch die Beihilfe der Reichsstädte und des Bauernstandes zu gewinnen, die man durch Flugschriften gegen Klerus und Fürsten aufzurütteln suchte. Im Sept. 1522 zog S. mit einem geworbenen Heer gegen den Erzbischof von Trier und belagerte denselben in seiner Hauptstadt. Aber Landgraf Philipp von Hessen und Pfalzgraf Ludwig bei Rhein eilten mit überlegener Macht herbei und zwangen ihn, schon nach acht Tagen die Belagerung aufzuheben. Das Reichsregiment erklärte S. in die Acht, und die gehoffte Beihilfe von Adel und Städten blieb aus. Nachdem S.s übrige Burgen genommen waren, belagerten ihn die verbündeten Fürsten von Hessen, Kurpfalz und Trier im April 1523 in seiner starken Feste Landstuhl bei Kaiserslautern. Während des Bombardements wurde S. schwer verwundet. Er mußte die Burg übergeben und starb zwei Tage darauf 8. Mai 1523. Sein Grab befindet sich in der kath. Kirche zu Landstuhl. Der Sohn S.s wurde von Kaiser Maximilian II. in den Reichsfreiherrenstand, dessen Nachkommen 3. März 1773 pon Kaiser Joseph II. in den Reichsgrafenstand eroben und 1791 in das schwäb. Grafenkollegium eingeführt. Das Geschlecht teilte :sich in mehrere Linien, von denen aber nur die zu Sickingen reichshad. Densg. Güter in der Herrschaft Landstuhl be⸗ —— 1803 aufgegeben werden mußten. Gegenig ist nur eine Linie übrig, an deren Spitze Graf Joseph von S.⸗Hohenburg, geb. 9. Jan. 1833, steht. Hauptquelle für die Geschichte S.s ist die Flersheimer Chronike (herausg. von Waltz, Lpz. 1874). Vgl. Schneegans, Ritter Franz von S. und seine Nachkommen⸗(Kreuznach 1867); Ulmann, «Franz von S.» (Lpz. 1872); Prutz, «Franz von S.» (im Neuen Plutarcho, Bd. 8, Lpz. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 785Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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