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ErdkundeBrockhaus 1882

Taräuto, Stadt und Bezirkshauptort in der ital. Provinz Lecce, das antike Tarent (s. d.), von dem der heutige Ort nur den Raum der ehemaligen Akropolis einnimmt, während die Stadt des Altertums sich weiter nach Osten erstreckte, liegt zwischen der Nordecke des Golfs di Taranto und dem Mare Piccolo, einem von flachen bewaldeten Ufern umsäumten Meerbusen von 30 km Umfang, auf einer Insel, die auf der Nord-und Ostseite (Porta di Napoli und Porta di Lecce) durch je eine Brücke mit dem Festlande verbunden ist, ist Station der Eisenbahnen T.⸗Reggio und T.⸗Bari, Sitz eines Erzbischofs und eines deutschen Vizekonsuls für T. und die Küste des Golfs von T., zählt, einschließlich der beiden Vorstädte auf dem Festlande, östlich und nordwestlich der Inselstadt (1881) 26 672 (Gemeinde 34051) E. und hat ein Lyceum, eine Navigationsschule, zwei Hospitäler, Salinen, Lein- und Baumwollweberei, lebhafte Fischerei und Schaltierzucht, besonders von Austern, im Mare Piccolo, sowie beträchtlichen Handel mit Olivenöl, Weizen und Hafer; der Honig, die Feigen, Wein und Obst der Umgebung von T. sind wie im Altertum, so noch heute berühmt. Vier Längsstraßen durchschneiden die Stadt von NW. nach SO.: die Strada Garibaldi am Mare Piccolo, welche besonders von Fischern bewohnt wird, die einen eigenen von griech. Wörtern durchsetzten Dialekt sprechen, die Strada Maggiore mit den großen Handlungshäusern, die Strada Carducci, beide in der innern Stadt, und der Corso Vittorio Emmanuele, am Ufer des Golfs, mit schöner Fernsicht über diesen hinweg bis zu den Bergen Calabriens. Die dreischiffige Kathedrale San-Cataldo, ihrer Anlage nach eine alte Basilika, wurde vom Bischof Cataldo, dem Schutzpatron der Stadt, wieder erbaut und unter Papst Sixtus V. 1588 erneuert; bemerkenswert in dieser Kirche ist die schwer vergoldete kassettierte Flachdecke, die prächtige Kapelle des Heiligen und das Grabmal Philipps von Tarent, Sohnes Karls II., und seiner Gattin Katharina von Valois. Das von fünf großen, durch Mauern verbundenen runden Türmen umgebene Kastell am Südende der Inselstadt stammt aus dem 10. Jahrh. und wurde unter Karl 1.1273 und unter Kaiser Karl V. restauriert. Nahe der Porta di Lecce befindet sich das Museo Ceci mit antiken Vasen. Unter den spärlichen Überresten von Gebäuden des Altertums sind hervorzuheben: Säulen eines der ältesten Tempel dor. Stils auf dem Grundstück der Congrega della Carita, Trümmer eines Cirkus vor der Porta di Lecce und südlicher von diesen, nach der Küste des Golfs zu, in den Vignen, Ruinen von Privathäusern, namentlich aus röm. Zeit, untermischt mit solchen aus dem Mittelalter. Im Erdgeschoß des Stadthauses befindet sich ein griech. Zarcareu welches Kämpfe zwischen Hellenen und arbaren zur Darstellung bringt. Über den Ponte di Napoli läuft eine im ganzen 40 km lange, zuletzt auf Bogen ruhende, aus dem 9. Jahrh. stammende Wasserleitung in die Stadt. Die Einfahrt zum geschützten Hafen T.s liegt für größere Schiffe zwischen dem Vorgebirge San-Vito und der kleinen Insel San-Pietro und wird durch zwei Leuchttürme auf diesen beiden Punkten bezeichnet. Zwischen San-Pietro und San⸗-Paolo, den Choeraden des Altertums, sowie zwischen San-Paolo (mit Fort) und dem Festlande verkehren wegen der Seichtheit des Fahrwassers nur Barken. T., wie bei den Römern so auch mittellat. Tarentum genannt, kam nach dem Sturz der Ostgotenherrschaft an das Oströmische Reich, wurde um 675 vom longobard. Herzog Romuald von Tarent erobert, war 856—887 in den Händen der Sarazenen, denen es 871 Kaiser Ludwig II. vergeblich zu entreißen suchte, und gelangte 929 wieder in die Gewalt der Byzantiner. Im 5. 1063 setzten sich die apulischen Normannen hier fest, unter denen T. nach dem Tode Robert Guiscards als Fürstentum an dessen Sohn Boemund kam, der an dem ersten Kreuzzuge Anteil nahm. Am 1. März 1502 zwang der span. General Gonsalvo de Cordova die Stadt zur Übergabe.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 474Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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