Tarascon (bei den Alten Tarasco), Stadt im Arrondissement Arles des franz. Depart. Rhonemündungen in der Provence, am linken Ufer des Rhöne, zwischen Avignon und Arles, Station der Linie Lyon-Marseille der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn, von der hier eine Zweigbahn nach Cette und eine Lokalbahn nach St.⸗Remy abzweigt, ist mit dem gegenüberliegenden Beaucaire (s. d.) durch eine 450 mlange, kühne Kettenbrücke und einen Eisenbahnviadukt verbunden. Die Stadt ist gut gebaut, hat alte verfallene, mit Türmen flankierte Ringmauern, breite Straßen, mehrere schöne Kirchen, darunter die der noch heute zu T. durch ein Volksfest gefeierten heil. Martha, welche ein das Land verwüstendes Ungeheuer (la Larasque) erlegt und hier das Christentum verbreitet haben soll, mit reich verziertem Portal, guten Gemälden von Vien, welche Scenen aus dem Leben der heil. Martha darstellen, und Grabdenkmälern, 1187—1216 erbaut, ein im 14. und 15. Jahrh. im gotischen Stil erbautes, von König Rens vollendetes prächtiges Felsenschloß, welches häufig Residenz der Grafen von Propence war und in neuerer Zeit zu einem Gefängnis eingerichtet wurde. T. hat ein Tribunal erster Instanz, ein Handels- und ein Friedensgericht, ein Kommunal-Collége, eine öffentliche Bibliothek, ein Theater und zählt (1881) 6600 (Gemeinde 9833) E., die Tuch⸗ und Seidenzeugweberei, Gerberei, Drechslerei, Seidenraupenzucht, Krappbau treiben und einen sehr lebhaften Handel mit Wein, Branntwein, Sl, Glaswaren u. s. w. unterhalten. Bei den Römern war T. nur eine Militär- und Schiffahrtsstation, aber es blühte im Mittelalter auf und war häufig Zeuge glänzender Feste der Grafen von Provence.