FeedTelegraphie
VerkehrBrockhaus 1882

Telegraphie (als Verkehrsmittel). Das uralte Streben der Menschen nach möglichst schneller Gedankenübermittelung hat die beschleunigte Beförderung von Nachrichten von jeher auf mannigfache Weise zu verwirklichen gesucht. Im Altertum benutzte man zu schnellen Mitteilungen die Feuersignale (Fopvol bei Homer, X, 211). Aschylos im „Agamemnonp erwähnt, daß der Fall Ilions durch Fanale (de) von Kleinasiens Küste nach Argos gemeldet sei. Flaggensignale wurden erwähnt in Plutarchs Bericht über die Schlacht bei Kyzikos; Cäsar fand bei den Galliern Rufsignale in Gebrauch, mittels deren sie das Herannahen der Römer ihren Bundesgenossen auf weite Strecken hin meldeten. Licht⸗ und Flaggensignale werden noch heute, allerdings sehr vervollkommnet, im Eisenbahnwesen und in der Schiffahrt verwendet. Einen erheblichen Fortschritt in der schnellen Fernmeldung von Nachrichten ermöglichte das Fernrohr zu Anfang des 17. Jahrh., unter Verwendung optischer Zeichen, welche auf höher gelegenen Punkten weithin sichtbar gemacht wurden und deren Bedeutung durch vorherige Verabredung festgestellt war. In dieser Hinsicht sind Marquis von Worcesters (1633), Amontons (1660), Robert Hooks (1684) und namentlich Claude Chappes (. d.) Systeme (1789) von Wichtigkeit gewesen. Chappes optischer Telegraph hat besonders in Frankreich lange Zeit zu Fernmitteilungen gedient; indessen die Abhängigkeit dieser Zeichengebung vom Wetter und vom Terrain konnte den optischen Telegraphen nicht über die Bedeutung eines Notbehelfs erheben. Trotzdem wurde noch 1833 ein optischer Telegraph von Berlin nach der Rheinprovinz (Trier) erbaut. Lesages in Genf (1774) erste Anwendung der Reibungselektricität zum Telegraphieren blieb ohne praktischen G1815 da er 24 Drähte für die 24 Buchstaben des Alphabets bedurfte und der Faktor der Reibungselektricität zu unwirksam ist. Inzwischen hatte Voltas Entdeckung der elektromotorischen Kraft, sowie der Feststellung der Identität von Galvanismus und Clektricität (1800) ein neues Mittel der Nachrichtenbeförderung zu Tage gefördert, das alle vorherigen Notbehelfe in den Schatten stellte. Nach den bahnbrechenden Forschungen Sömmerings (1808), Amperes (1820), Grsteds, sowie Steinheils in München gelang es, wenn man von den Versuchen Baron Schillings von Canstadt in Petersburg (1832) absieht, 1833 zuerst Weber und Gauß in Göttingen, einen elektromagnetischen Telegraphen zwischen der göttinger Sternwarte und dem physikalischen Kabinett (9000 Fuß Entfernung) herzustellen und ihn zur Nachrichtenbeförderung in Betrieb zu setzen. Steinheil verbesserte die Weber-Gaußschen Apparate und errichtete eine

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 535Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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