FeedTelegraphenlinie
TechnikBrockhaus 1882

Telegraphenlinie in Leipzig und Dresden befindliche Personen sich mündlich miteinander unterhalten, und in neuester Zeit spricht man auf noch weit größere Entfernungen. Von ganz besonderer Tonstärke sind die 1878 für Siemens u. Halske in Berlin patentierten T. mit Hufeisenmagnet, dessen beide Pole nebeneinander auf eine ziemlich große Eisenplatte wirken: Fig. 25 zeigt die wirksamen Teile dieses T. aus der sie umschließenden Blechröhre hergusgenommen; der Magnet m läßt sich samt den Spulen mittels einer in seinen Bug eingreifenden Schraube der Platte mehr oder weniger nähern. Mit dem Bügel B wird dieses T. bei den deutschen städtischen Fernsprechanlagen an einen Haken eines selbstthätigen Umschalters angehängt. Leichter und handlicher ist das in Fig. 26 abgebildete Adersche T., dessen Magnet m kreisrund gebogen ist und auf seinen Polen ebenfalls zwei Spulen trägt. Bei den mit Batterieströmen arbeitenden T. benutzt man als Geber vorwiegend ein Mikrophon (s. d.); in Fig. 27 ist in einer neuern Form das Berlinersche Mikrophon abgebildet, bei welchem unterhalb des pendelnden Kohlenkontakts die Induktionsrolle untergebracht ist. Die größere Billigkeit der T. gegenüber andern Telegraphenapparaten und der bequeme, keine Vorübung erfordernde Gebrauch hat dem T. rasch eine ganz außerordentliche Verbreitung verschafft, ganz besonders in den städtischen Fernsprechanlagen. In den letztern wird von jedem der Teilnehmer ein Leitungs-⸗ draht nach dem Vermittelungsamte geführt und auf Verlangen eines Teilnehmers kann im Vermittelungsamte dessen Leitung mit der jedes andern Teilnehmers verbunden werden, worauf dann die beiden Teilnehmer miteinander ein Gespräch mittels des T. führen können. Fig. 28 zeigt ein kleines Vermittelungsamt. An einem Wandbrettchen ist oben rechts eine elektrische Klingel (s. d. Fig. 5) für Wechselströme nebst dem zugehörigen Magnetinduktor untergebracht, welche beim Rufen gebraucht werden. Links oben ist das Kästchen mit dem Mikrophon, aus dessen Kästchen die beim Aus- und Einhängen des T. selbstthätig die Umschaltungen besorgende Gabel hervorsteht; zu unterst sieht man unter einem Schreibpulte das Mikrophonelement. Über dem Pulte befinden sich zunächst eine Anzahl Stöpsellöcher; mittels zweier durch eine Leitungsschnur verbundener Metallstöpsel, welche in zwei Löcher eingesteckt werden, lassen sich die zu diesen Löchern gehörigen Teilnehmerleitungen verbinden. üÜber den Löchern sind eine gleiche An—⸗ zahl von Elektromagneten mit Fallscheiben (ygl. Elektrische Klingeln, Fig. 4 angebracht, deren jeder zu einer Teilnehmerleitung gehört und seine Klappe fallen läßt, wenn der Tei nehmer durch Entsenden elektrischer, zugleich auf die Klingel wirkender Ströme das Vermittelungsamt ruft; die efallene Klappe unterrichtet den Beamten, welcher eilnehmer gerufen hat. In großen Städten werden mehrere Vermittelungsämter angelegt und durch eine Anzahl von Drähten verbunden; die Teilnehmerleitungen werden dadurch kürzer, was sehr wichtig ist, weil die Unterbringung der großen Anzahl von Drähten auf den Dächern der Häuser sehr große Schwierigkeiten macht. Auch mehrere Städte sind in telephonische Verbindung gebracht; so z. B. Berlin mit Magdeburg, besonders für Börsenzwecke, damit die Börsenbesucher aus besondern Telephonzellen, die in den Börsen beider Städte eingerichtet worden sind, gleich in mündlichen Verkehr miteinander treten können. Litteratur. „Das T. (in »Unsere Zeite, Jahrg. 1878, 1. Hälfte); Hoffmann, „Das T.v (Berl. 1877); Schenck, «Phil. Reis, der Erfinder des T. » (Frankf. 1878); Reis, Das T. und sein Anrufapparato (Mainz 1878); Sack, «Die Telephonies (Berl. 1878), Du Moncel, «Le Téléphone, le Microphone et le Phonographe (Par. 1878) Böhner, «Die Harmonie der Töne und des Lichts.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 542Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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