FeedTelgte
ErdkundeBrockhaus 1882

Telgte, Stadt in der preuß. Provinz Westfalen, egierungsbezirk und Landkreis Münster, links an der Ems, 56 müber dem Meere, westlich von der Bockhornheide, zählt (4880) 2277 meist kath. E. und hat eine Rektoratsschule, eine höhere Töchterschule,‚ eine Privatirrenanstalt (Rochushospiz), Seiden⸗, Lein- und Wollweberei, Bierbrauerei, Branntweinbrennereien, Wassermahlmühlen und eine Bett-H federnsortieranstalt. T., seit 1238 Stadt, hat lei⸗( nen Landbesitz. Zu einem Marienbilde wird viel zewallfahrtet. Teliuga, dekhanische Sprache, s. unter In— * Sprachen, Bd. IX, S. 577⁴. ell (Gebirge), Teil des Atlas (s. d.). 1 e⸗ Tell (Wilh.), die populärste Gestalt der rt Heldensage, war der liberlieferung nach ein als t- guter Armbrustschütze und kühner Schiffer weit bedrühmter Landmann aus Bürglen (Uri) und trug ht das Meieramt seines Geburtsorts von der Frau⸗ , münsterabtei in Zürich zu Lehn. Obwohl er an 1-der Versammlung auf dem Grütli (s. d.) nicht persönlich teilnahm, schloß er sich doch dem Bunde zur . Vertreibung der österr. Landvögte an, wurde aber „ vor dem Ausbruch des Aufstandes in Altdorf von „dem Vogte Geßler gefangen gesetzt, weil er dem hHute, den Geßler dort als Zeichen der österr. Herr5.schaft aufgepflanzt hatte, die anbefohlene Reverenz 1 nicht bewies. Um das verwirkte Leben zu lösen, sollte er vom Haupte des eigenen Sohnes einen Aypfel schießen. T. wagte den Schuß und traf glücklich, wurde aber trotzdem vom Landvogt nicht freigegeben, sondern sollte in die Burg Küßnacht übergeführt werden. Auf der Fahrt über den Vierwaldstättersee gelang es ihm jedoch während eines Sturmes, sich am Axenberg (Tellsp latte) durch einen kühnen Sprung ans Land zu retten, worauf er sich auf Schleichwegen nach Küßnacht begab und dort durch einen Pfeilschuß aus einem Hinterhalt in der Hohlen Gasse den heimkehrenden Landvogt tötete und dadurch der Befreiung der Waldstätte den Weg bahnte. Im J. 1315 soll er an der Schlacht am Morgarten teilgenommen und 1354 bei der Rettung eines Kindes aus dem angeschwollenen Schächenbach den Tod gefunden haben. Als Wahrzeichen Tis gelten die drei Tellskapellen und der Tellenturm und-⸗Brunnen in Altdorf. Indessen sind diese Monumente teils nachweislich neuen Datums, teils sehr zweifelhaften Alters. Manches, was mit der überlieferung von T. zusammenhängt, namentlich die Cristenz des Vogts Geßler (s. d.), ist urkundlich erschüttert worden, und die ältern schweiz. Chronisten, wie Johannes von Winterthur, Justinger von Bern und Hemmerlin von Zürich erwähnen T.s gar nicht, wo sie von der Erhebung der Waldstätte Bericht geben. Erst das sog. Weiße Buch des Archivs von Obwalden und die Chronik des Melchior Ruß, sowie ein etwa Oleichzeitiges Volkslied, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrh., haben die Geschichte, wenn auch noch in rohen, unvollkommenen Umrissen. Im 16. Jahrh. bringen dann Tschudi und andere, aus denen Schiller für sein Drama Wilhelm Tio geschöpft hat, die gewöhnliche, sichtlich ausgeschmückte Darstellung. Auf diese Ausschmückung ist schwerlich ohne Einfluß das gewesen, was auswärtige Quellen überliefern. So erzählt ein dän. Chronist des 12. Jahrh., Saxo Grammaticus, von einem Schützen Palnatoke, den der Dänenkönig Harald Blauzahn zu gleichem Schusse gezwungen, und dessen Pfeil später Harald erlegt hahe. Die Isländer wissen von Palnatokes Pfeilschuß nichts, legen ihn aber unter denselben Umständen andern Männern bei, die teils viel früher, teils viel später lebten. Eine dieser Sagen, die, wohl uralt, in die „Vilkinasagas des 14. Jahrh. aufgenommen ist, erzählt dasselbe von den mythischen Helden Eigil, dem Bruder Wielands des Schmieds. Desgleichen ein Volkslied des nördl. England von William of Cloudesly. Auch in Holstein, am Oberrhein, in Norwegen an verschiedenen Orten hat sich diese Wandersage lokalisiert. gl. Ideler, «Die Sage vom Schusse des T.y (Berl. 1836); Häusser, Die Sage vom T.y (Heidelb. 1840); Hisely, Recherehes critiques sur I'histoire de Guillaume T.v (Lausanne 1843); Huber, Die Waldstätte Uri, Schwyz und Unterwalden bis zur sesten Begründung ihrer Eidgenossenschaft. it einem Anhang über die Bedeutung des Wilhelm T.» (Innsbr. 1861); ischer, Die Sage von der Befreiung der Waldstätte nach ihrer allmählichen Ausbildung. Nebst Beilage: Das älteste Tellenschauspiel (Lpz. 1867); Rochholz, T. und Geßler in Sage und Geschichtes (Heilbr. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 544Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6