Tenor (ital. tenore) ist eine der vier Haupt gattungen der menschlichen Stimme (s. d.). Es ist die höhere unter den beiden Stimmen, welche dem reifen männlichen Alter zukommen, und hat gewöhnlich den Umfang von d in der kleinen Oktave bis foder gin der eingestrichenen. Zum Solotenor ist eine größere Tiefe und Höhe erforderlich, nämlich von e in der kleinen Oktave bis à und 5 in der eingestrichenen, auch wohl bis e in der zweigestrichenen, doch nur selten ist in dieser Höhe Bruststimme, sondern größtenteils Falset. Die angegebenen Eigenschaften des T. machen ihn geschickt zum Ausdruck der zarten und feinern Empfindungen des jugendlich-männlichen Charakters. Im gewöhnlichen vierstimmigen Gesange bildet er die zweite Mittelstimme (s. d.), indem er tiefer liegt als der Alt; in dem vierstimmigen Gesange aber, der von männlichen Stimmen gebildet wird, führt er als erste Stimme die Hauptmelodie und als zweite die höhere Mittelstimme. Der Notenschlüssel dieser timme ist der C-Schlüssel. librigens ist in Deutschland der T. seltener als der Baß, weshalb er auch mehr geschätzt und gesucht und höher bezahlt wird. Die Franzosen nennen ihn taille und haben bis in die neuere Zeit, gleich den Engländern, den hohen T. mit Kopfstimme oder den Männeralt häufig ausgebildet. Noch im 18. Jahrh., wie früher allgemein, sang der T. in der Kirchen-und Oratorienmusik die Altstimmen, wie denn auch Alt wörtlich ahochv bedeutet, d. h. hoher T.