FeedTerrainlehre
AllerleiBrockhaus 1882

Terrainlehre ist Betrachtung der Gest zur Zeit fast nur vom militärischen Gesichtspunkt aus aufgefaßt; die militärische Terrainlehre entlehnt ihre Grundbegriffe der physischen Geographie und beurteilt das T. in seiner Einwirkung auf die Aufstellung, die Bewegung und das Gefecht der Truppen, sie ist Hilfsw wie die Militärgeogra phie, welche die politischen Verhältnisse mit berücksichtigt, der Strategie zugute kommt. Die Terrainlehre zerfällt in die reine und in die angewandte; die erstere umfaßt Orographie, Hydrographie, Chorographie und Topographie. (Vgl. die Spezialartikel.) Die angewandte Terrainlehre T. auf die Bewegung und im Gefecht, auf die Waffenwirksamkeit und auf die Bewegung der Truppen. Sie erörtert die militärische Bedeutung der einz stände und lehrt einen Terrainteil unter bestimmten taktischen Gesichtspunkten zu untersuchen, zu beurteilen und zu beschreiben. Untersuchung und Beurteilung des T. erge noszierung oder ⸗Erkundung. Terrainbeschreibung' ist die schriftliche oder mündliche Darstellung eines Terraingegenstandes oder Terrainteils unter bestimmtem militärischen Gesichtspunkt. Dieselbe Plans oder Croquis des bestimmten T. an Einfachheit und Klarheit. Eine Beurteilung des T. in taktischer Beziehung hat barkeit, übersichtlichkeit, Deckung gegen Einsicht und Geschosse des Gegners, eigene Feuerwirkung. Abschnitte im Te Terraingegenstände, welche die Gangbarkeit oder Übersichtlichkeit oder be Wasserlinien, Waldstreifen, Höhenzüge etc.; ein von solchen Abschnitten eingeschlossener Terrainteil wird z Terrainabschnittgen Terraingegenstände sind Höhen, Thäler, Gewässer, Weichlandstrecken, Wälde fer, Städte, Verkehrswege, Defiles. Terrainwellen sind langgestreckte rückenartige Bodenerhebungen ohne ausgesprochene Kuppenbildung, u Terrainfalten sind Versenkungen von flacher n Böschung und mäßiger Tiefe. Offen wird ein T. h genannt, wenn es keine Terraingegenstände enthä das bedeckte Terrain, und Anbau die lübersicht beeinträchtigen. Durch-⸗(R schnitte noder coupiert heißt ein T., innerhalb essen vielfache meist kleinere Hindernisse (Wasser-ist läufe, Weichland, Gärten, ie Bewegung einschränken; den Gegensatz dazu ar bildet as reine Terrain. Unebenes Ter-eit rain gewährt Deckung gegen feindliches Feuer, ist m. er Bewegung mehr oder weniger hinderlich, kann Ar aber in gewissem Grade lommen durch beherrsche flachem Abfall nach dem Feinde zu. Für die Entfaltung größerer Streitkräfte sind Ebenen, Flach⸗ und Hügelländer am günstigsten. Hier fallen hauptfächlich die großen Entscheidungsschlachten. Die Terrainbenutzung spielt heute sowohl in der Defensive als in der Offensive eine große Rolle, einesteils im Sinne der erhöhten eigenen Feuerwirkung, andernteils im Sinne der Verminderung des Verlustes durch das Feuer des Feindes. Nicht bloß für die Führer, sondern bis zum gemeinen Soldaten hinab ist dieselbe wichtig. Terraindarstellung zerfällt in Terrain⸗ oder Bergzeichnen und boberllache. sehte ersteres gibt das Relief der Erdoberfläche, etzteres die durch Natur oder Kunst erzeugten Bedeckungen des Bodens (als Wasser, Wald, Wiese, Wege, Gebäude u. s. w.) wieder. Letztere werden als Situationsgegenstände bezeichnet. Litteratur. Reinhardt, „Terrainlehres (Berl. 1827); O'Ctzel, „Terrainlehreß (3. Aufl., Berl. 1850); Pönitz, „Praktische Anleitung zur Rekognoszierung und Beschreibung des Tio (2. Aufl., Adorf 1855); Koeler, «Die Terrainlehre unter taktischem und strategischem Gesichtspunkte (Berl. 1865) von Böhn, «Terrainkundes (Potsd. 1868); Waldstätten, «Terrainlehrey (3. Aufl., Wien 1872); Frobenius, Grundriß der Terrainlehres (Berl. 1876); von Streffleur, «Allgemeine Terrainlehre mit Beispielen u. s. w.» (Wien 1876). orte (s. d.), deren Bodenbeschaffenheit für eine methodische Behandlung gewisser Kreislaufsstörungen geeignet ist. Seitdem Professor Örtel in München den Grundsatz aufstellte, daß bei Kreislaufsstörungen vor allem auf eine Verminderung der Flüssigkeitsmenge des Körpers hinzuwirken sei, was sowohl durch Verminderung der Aufnahme von Flüssigkeiten in den Körper, als auch durch Vermehrung der wässerigen Ausscheidungen erzielt werden müsse, und seitdem er durch überaus sorgältige experimentelle Versuche nachgewiesen, daß methodisches Bergsteigen nicht bloß eine erhebliche Vermehrung der Wasserabgabe des Körpers, sondern auch durch Anregung kräftiger Herzkontraktionen eine vortreffliche Herz. und Lungengymnastik ur Folge hat, sind auf Ortels Veranlassung an verzia, Baden-Baden, Reichenhall etc.) Vorkehrungen getroffen worden, welche eine derartige mechanische Behandlung der Lungen- und Herzkrankheiten durch stufenweise zunehmendes Bergsteigen ermöglichen. Am geeignetsten erscheinen klimatisch günstig gelezene Orte in einem nicht zu breiten Gebirgsthale, im welches sich Höhen und Berge gruppieren, auf velche die Kurwege mehr oder weniger weit sich hinanziehen. Die letztern selbst müssen eine verchiedene Steigung besitzen; es müssen Wege voranden sein, welche sich in der Ebene hinziehen, interbrochen durch nur kleine Erhebungen, ferner Vege mit geringer, solche mit stärkerer Steigung nd endlich steile Wege. Ganz besonderes Gewicht t auf die Atemeinteilung beim Bergsteigen zu gen; auf jeden Schritt soll ein Respirationsakt, uf den einen eine Einatmung, auf den andern ne Ausatmung treffen, und beide sollen planäßig begrenzt werden. Es darf die Ein⸗ und usatmung weder über den Schritt, auf den sie llt, hinaus ausgedehnt, noch früher beendet wern, als bis dieser ausgeführt ist. So neu die Nethode Ertels ist, so sind doch schon bei verschiedenartigsten Krantheiten des Cirkulationsapparats, dei Stauungen im Venensystem und im Lungenreislaufe, bei Herzschwäche und Herzfehlern, bei allgemeiner Fettsucht und bei Verfettung des Herzmuskels erstaunliche Heilerfolge erzielt worden. Vgl. Ortel, cüber Terrainkurorte zur Behandlung von Kranken mit Kreislaufsstörungeno (Lpz. 1886).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 572Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Allerlei 6