Strategem (grch.), Kriegslist. „Strategie (vom grch. rrnyla, d. i. Feldherrnkunst) bezeichnet die Lehre der Heeresleitung im Kriege im großen Stil. Napoleon I. nannte sie la partie sublime de Lart de la guerre; sie umfaßt die Erörterung aller Maßregeln, welche zum glücklichen Ausgange eines Kriegs beitragen können, mit Ausnahme der Lehren des eigentlichen Truppengebrauchs im Gefecht, welche dem Gebiete der Taktik (s. d.) anheimfällt. Doch laufen S. und Taktik so vielfach ineinander, daß sich zwischen beiden eine bestimmte Grenzlinie nicht Rehen läßt und die Erklärungen über das Wesen beider sehr zahlreich sind. Heinrich von Bülow erklärt in seinem (Geist des neuern chen Wewern S. für die Wissenschaft der kriegerischen Bewegungen, welche den Feind zum Zweck, aber nicht zum Gegenstand haben, während Taktik die Wissenschaft der baben sei, welche den Feind zum Gegenstand haben. An anderer Stelle bezeichnet er die S. als die Wissenschaft der Bewegungen außerhalb der Gesichtsweite des feindlichen Heeres, die Taktik als die Wissenschaft der Bewegungen innerhalb der Gesichtsweite des Feindes; an noch anderer Stelle behauptet er, wo nicht geschlagen wird ist S., wo aber geprügelt wird ist Taktik. Jomini rechnet in dem Précis de l'art de la guerres zur S. alles, was sich auf den ganzen auf die Kumt bezieht, zur Taktik alles, was sich auf die Kunst bezieht, auf einem bestimmten Terrain zu schlagen. Diese Erklärungen liefern einen klarern Begriff über das Wesen der S., als es weitläufige Auseinandersetzungen thun könnten. Im Gegensatz zu den komplizierten strategischen Kombinationen früherer Zeiten werden der neuern S. die einfachsten Prinzipien zu Grunde gelegt. Man sucht sich die Initiative zu sichern, betrachtet die feindlichen Heere als Zielpunkte, nicht etwa irgend welche dominierende Terrainabschnitte etc., geht denselben energisch entgegen und strebt nach schneller Entscheidung. Dabei gilt der Grundsatz: getrennt zu marschieren, vereint zu schlagen. St rategisch wird alles auf die Heeresleitung im Kriege Bezügliche genannt; strategischer Aufmarsch heißt die Versammlung der Truppen an der bedrohten Grenze bei Ausbruch des Kriegs; strategische Punkte und Linien werden Städte, Festungen, Flußlinien u. s. w. genannt, welche für den Ausgang des Kriegs von entscheidender Bedeutung werden können. Von den Werken über S. sind hervorzuheben: Friedrich II., 4Oeuyres militaires o; Napoleon, „Maximes de guerrer; Erzherzog Karl, «Grundzüge der S., erläutert durch den Halont von 1796 in Deutschlando (Wien 1814); Valentin, Lehre vom Kriege (Berl. 1821—23); Jomini, «Précis de Part de la guerrer; von Clausewitz, Vom Kriegen (4. Aufl., Berl. 1880); von Willisen, Theorie des großen Kriegsv (Berl. 1840); Rüstow, „Die Feldherrnkunst des 19. Jahrh.» (3. Aufl., Zür. 1877); Leer, 4Positive S.v (Wien 187¹⁷; Blume, «öStrategiev (2. Aufl., Berl. 1886).