FeedTertullianns
ReligionBrockhaus 1882

Tertullianns (Quintus Septimius Florens), ein hervorragender lat. Kirchenlehrer, geb. um 160 zu Karthago, war anfangs Heide und soll früher als Rhetor und Sachwalter gearbeitet haben. Durch die Standhaftigkeit mehrerer Märtyrer bewogen, wurde er ungefähr 185 n. Chr. Christ und empfing bald darauf die Priesterweihe. Ein feuriger, groß angelegter Geist, voll glühender Phantasie, gewaltiger Willenskraft und seltener rednerischer Begabung, verwandte er seit seiner Bekehrung seine reichen Gaben im Dienste des kirchlichen Christentums, das er gegen die verschiedensten Gegner verteidigte. Bei der Christenverfolgung unter dem Kaiser Septimius Severus, 193 — 211, schrieb er seinen Apologeticuso, der durch die Lebhaftigkeit der Beredsamkeit, die überhaupt aus allen Schriften T.s hervorleuchtet, Bewunderung erregt. Mit gleichem Eifer zog er nicht nur gegen die Juden, sondern auch gegen zahlreiche, innerhalb der christl. Kirche aufgekommene Sektenmeinungen, besonders gegen die gnostischen Lehren Marcions und der valentinianischen Schule, gegen den Patripassianer Praxeas u. a. zu Felde. Seine eigene Theologie ist, obwohl sie ireng auf den kirchlichen ÜUberlieferungen fußte, von manchen Sonderbarkeiten nicht frei und charakterisiert sich durch einen derb realistischen, phantastisch-sinnlichen Zug. Mit besonderer Heftigkeit streitet er gegen die Philosophie, als die Mutter aller Ketzereien. Der eigentliche Schwerpunkt seiner litterarischen Thätigkeit liegt aber in dem rigoristischen Kampfe gegen alles, was einen Christen mit der vom Teufel besessenen Welt und ihren Genüssen zu verwickeln droht. Die Teilnahme an Schauspielen und Volksfesten, jede Art von Luxus und verfeinertem Genuß erscheint ihm ebenso wie die übernahme von Kriegsdiensten und Staatsämtern als Satanswerk, vor dem ein Christ sich zu hüten habe. Die Herbigkeit der von ihm empfohlenen Sittenzucht, welche alle in Todsünden, besonders in fleischliche Vergehungen Verfallene für immer von der Kirche ausgewiesen sehen wollte, die Verdammung der zweiten Ehe als feinern Ehebruchs u. a. m. führten ihn gegen Ende seines Lebens zum unbedingten Anschlusse an die montanistischen Grundsätze, deren beredtester Verteidiger er wurde, und zum endlichen Bruch mit der vom Geiste Gottes verlassenen Bischofskirche. T. starb um 230. Seine zahlreichen, wegen ihrer Sprache teilweise ziemlich dunkeln Schriften, polemischen, apologetischen und disciplinarischen Inhalts, sind für die Kirchengeschichte von Wichtigkeit. Sie wurden zuerst von Rhenanus (Bas. 1521), dann von Rigaltius (Par. 1634 u. öfter), neuerdings in der Bibliotheca patrum Latinorum selectas von Leopold (4 Bde., Lpz. 1839—41) und Oehler (3 Bde., Lpz. 1853 — 54) herausgegeben. Vgl. Neander, «Antignosticus; Geist des T. und Einleitung in dessen Schriften (2. Aufl., Berl. 1849); Böhringer, «Die Kirchengeschichte der drei ersten Jahrhunderte in Biographieno (2. Hälfte, Zür. 1864); Hauck, T. Leben und Schrifteno (Erlangen 1877); Bonwetsch, Die Schriften T. nach der Zeit ihrer Abfassung untersuchth‘ (Bonn 1878). Ternzl, die Hauptstadt (Ciudad) einer aus dem südlichsten Dritteil Aragoniens gebildeten span. Provinz (14229 qkm mit 242 296 E. im J. 1877), liegt 138 km südlich von Saragossa und 120 km nordwestlich von Valencia, Hnuth uder dem auf und an einem steilen, kahlen Hügel über dem linken Ufer des Guadalaviar oder Turia und der Mündung des Rio Alfambra in 892 m Seehöhe am Südende des großen Tertiärbeckens, welches sich hier, östlich von Albarracin, zwischen der nordvalencianischen Terrasse und dem neucastil. Tafellande ausbreitet. Die Stadt ist der Sitz eines Bischofs und zählt (1877) 9510 E., welche viel Leder fabrizieren und lebhaften Speditionshandel mit Valencia treiben. T. hieß im Altertum Urbiaca, unter den Arabern Teruela, in der Landschaft El Karathan, und wurde im Okt. 1171 von König Alfons II. von Aragonien erobert. Die Stadt ist altertümlich gebaut, besteht aus einem von Mauern umgebenen Gewirr enger Gassen und kleiner Plätze, hat sieben Thore, sieben Kirchen, zwei Nonnen⸗ und sieben ehemalige Mönchsklöster, zwei Spitäler und ein Institut. Die sehenswertesten Gebäude sind die got. Kathedrale, das ehemalige auf steilem Felsvorsprunge stehende Jesuitenkollegium (jetzt Priesterseminar) und der unter dem Namen los Arcos bekannte, im 17. Jahrh. von Pierre Vedel erbaute und aus zwei übereinandergesetzten Bogenreihen bestehende Aquädukt. Nahe bei T. befindet sich ein Mineralbad, dessen Quelle 27,8 C. Wärme hat.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 575Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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