FeedTeuerium L. (Gamander)
PflanzenreichBrockhaus 1882

Teuerium L. (Gamander), Pflanzengattung aus der Familie der Labiaten. Man kennt nahezu 100 Arten, die in den gemäßigten Zonen eine ausgedehnte Verbreitung haben und besonders reichlich in den Mediterranländern vorkommen. Es sind kraut⸗ oder strauchartige Gewächse mit wirtelständigen oder in racemösen Inflorescenzen angeordneten Blüten, denen die Oberlippe der Blumenkrone vollständig fehlt; an Stelle derselben ist ein Spalt vorhanden, durch welchen die Staubgefäße und der Griffel nach außen vorragen. Mehrere Arten sind in Deutschland einheimisch und kommen besonders auf trockenen Kalkbergen vor, so z. B. Teucrium botrys L. und T. chamaedrys L. Von dem auf Sumpfwässern wachsenden sog. Knoblauch-Gamander, T. scordium L., war früher das Kraut (Uerba scordis) als Wurmmittel offizinell. Am bekanntesten von allen Teucriumarten ist der vielsach in Zimmern und Gärten kultivierte Katzengamander, auch Katzenkraut genannt, I. marum L. (gewöhnlich als Marum verum bezeichnet); er wächst in Südeuropa wild und hat in allen seinen Teilen einen starken kampferartigen Geruch. Die Katzen werden von diesem Geruche angelockt und wälzen sich sehr gern auf dem Kraute herum. Die Pflanze war früher unter dem Namen Herba mari veri offizinell, das getrocknete Kraut wirkt niesenerregend und bildet deshalb gewöhnlich einen Bestandteil der unter dem Namen Niespulver verkäuflichen Schnupfmittel. Tenerung nennt man denjenigen wirtschaftlichen Zustand, in welchem die notwendigsten Lebensbedürfnisse, namentlich die Nahrungsmittel, in einem abnorm hohen Preise stehen. Eine T. kann zwar bei jeder Warenklasse eintreten; von bedeutender nationalökonomischer und selbst polit. Wichtigkeit ist aber vorzugsweise die Getreideteuerung. Unter den Ursachen derselben stehen Kriege und Mißernten obenan, wobei im Kriege außer den eigentlichen Verwüstungen noch die Abrufung der kräftigsten, bisher im Landbau verwendeten Männer und Pferde, die vielen Störungen des sonst üblichen Getreideverkehrs u. s. w. in Betracht kommen. Schon ein geringer Ausfall in der normalen Zufuhr erzeugt bei dem Getreide, als dem notwendigsten Lebensmittel, eine bedeutende Preiserhöhung. Eigentlicher Getreidemangel kann indes heutzutage infolge der großartigen Entwickelung des Welthandels in Getreide und der Transportanstalten, bei der Unwahrscheinlichkeit einer gleichzeitigen Mißernte in allen Ländern und den stets vorhandenen, zu Spekulationszwecken angehäuften großen Vorräten kaum noch vorkommen, vielmehr erhebt jetzt die Landwirtschaft die Klage, daß allgemeine überproduktion an Getreide bestehe. Immerhin tritt in weniger entwickelten Ländern, wie in Algier, Persien und namentlich in Indien noch von Zeit zu Zeit eine als Hungersnot erscheinende T. ein und auch in einzelnen Gegenden Europas und Deutschlands entwickelt sich zuweilen ein solcher lokaler Notstand. Indes ist es auch in diesen Fällen dem Handel in der Regel möglich, das nötige Getreide zu mäßigen Preisen herbeizuschaffen, aber die notleidende Bevölkerung ist nicht im Stande, diese Preise zu bezahlen, weil sie auf den Ertrag ihres Bodens angewiesen ist, der bei der Mißernte einen großen Ausfall erfahren hat. Teuerungspolitik. Da früher bei der Unzulänglichkeit der Verkehrsmittel eine große Teuerung der notwendigsten Lebensmittel, insbesondere des Getreides für ganze Landstriche zu einer furchtbaren Kalamität werden konnte, so bemühten sich die Regierungen, durch besondere Maßregeln das Entstehen von Teuerungen zu verhindern oder wenigstens die Folgen derselben zu mildern. Man glaubte vor allem dem Getreidehandel (s. d.), den man gern von vorn herein als Kornwucher betrachtete, Beschränkungen auflegen zu müssen. So wurde häufig verboten, das Getreide vor der Ernte auf dem Halme zu kaufen und es anderswo als auf dem offenen Markte zu verkaufen. Bei dringenden Notständen schritt man sogar zur Expropriation der vorhandenen Privatvorräte. Auch die Ausfuhr von Getreide aus einer Provinz in die andere war häufig erschwert und zeitweise verboten, ebenso die Ausfuhr ins Ausland. Zuweilen wurde die Getreideeinfuhr von außen durch Prämien befördert. Auch wurden öffentliche Kornmagazine angelegt oder auf andere Weise die Ansammlung von Vorräten, besonders in den großen Städten, veranlaßt. So mußten die pariser Bäcker noch bis 1863 einen Mehlvorrat halten, der für den dreimonatlichen Bedarf eines jeden ausreichte. In der neuesten Zeit hat man aber mehr und mehr die überzeugung gewonnen, daß ein Eingriff des Staats in den Getreideverkehr nur nutzlos oder schädlich sein kann, da der private Getreidehandel jetzt die ganze Erde umspannt und ein monopolistischer Kornwucher, wie es früher in Zeiten der Not bei der Schwierigkeit des Transports aus größern Entfernungen vorkommen konnte, nicht mehr möglich ist. Mehrere europäische Länder haben sogar wegen der durch die überseeische Konkurrenz verursachten bedeutenden Erniedrigung der Getreidepreise wieder Kornzölle eingeführt, also eine künstliche Verteuerung des Getreides erstrebt. Bei einer großen Mißernte würde sich jedenfalls die Suspension dieser Zölle als wichligste Maßregel der T. empfehlen. Die Folgen lokaler Mißernten, die sich wesentlich nur in einem ökonomischen Notstande der betreffenden Bevölkerung, nicht in allgemeinen hohen Getreidepreisen äußern, sind durch öffentliche Unterstützungen, Vorschüsse, Veranstaltung öffentlicher Arbeiten und ähnliche Mittel zu mildern. Vgl. Roscher, eüber Kornhandel und T.» (3. Aufl., Stuttg. 1852).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 585Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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