Eiche, k. (Quercus, Fam. Näpfchenfrüchtler, Cupuliferae, Eichbaum, m., frz. Chéne, m.jengl. oak, ital. quercia, span. roble carvallo). Die bekanntesten Arten sind: a) Sommereiche (Augusteiche, Augsteiche, Stieleiche, Baueiche (Qvercas pedunculata), 28 — 52 m. hoch, 2 — 2½ m. dick, nimmt in der Stärke 300—400 Jahre zu und kann ein Alter von 1000 Jahren erreichen. Die Blüten erscheinen Anfangs Mai zugleich mit dem Laub, Früchte oder Eicheln sitzen meist zu 2 bei einander auf einem Stiel, die Blätter sind kurz gestielt, länglich, glatt, ungleichmäßig gewellt mit zugerundeten Lappen. Der eylindrische Stamm hat oft einen 10 — 13 m. hohen reinen Schaft. Das Holz ist schwer, hart, fest, zähe, kurzfaserig, in der Jugend weiß, im Alter bräunlich. Es hat zweierlei Markstrahlen, breitere und schmälere; erstere nennt man Spiegelfasern. Es dient als Bauholz unter oder über der Erde u. im Wasser, vorzüglich als Schiffbauholz, als Maschinen-und Werkholz, zu Eisenbahnschwellen, als Brenn⸗ u. Kohlholz, hält im Trocknen 300—400 Jahre, in immerwährender Nässe beinahe 2000 Jahre, im Wechsel der Nässe und Trockenheit 10—15 Jahre, die Rinde dient zu Gerberlohe. b) Winterod. Steineiche (Quercus robur), wird in 250 Jahren 28—35 m. hoch u. 1½—2 m. dick, wird 400 600 Jahr alt; die Eichel ist kleiner als die der vorigen u. sitzttraubenweise zu 2—4 u. 6—12 auf der Spitze eines sehr kurzen Stiels. Die Blitter haben lange Stiele, sind größer, länglich, oben stumpf, mit regelmäßig vertieften, zugerundeten Lappen. Das Holz ist rostgelb, porös, brüchig u. nicht so zähe, wie das der vorigen, daher weniger gesucht, hält aber bei immerwährender Nässe doch nahe an 1000 Jahre. Diese beiden sind die in Deutschland gewöhnlichen Arten, in Südeuropa kommen dazu c) die Knopper⸗,Ziegenbart-⸗, Stachelkelcheiche (Quercus aegilops); ihre Blätter sind steif, eirund-länglich, schiefwinklig zugespitzt, grob u. scharf gesägt, oft 15em. lang. Die Früchte sitzen in großen, mit rauhen, dicken Schuppen bedeckten Bechern; liefert die besten Galläpfel. d) Korkeiche (Quereus suber), 812 m. hoch, 30 —55 em. dick; die Rinde ist dick, schwammig, HEIDOELBERG O Universitats Jahre; die Blätter sind klein, eirund-länglich, unzertheilt, gesägt, immergrün, sehr kurz gestielt; Eicheln lang auf kurzen Stielen. Hauptnutzen ist die Korkrinde, die man „alle 8—10 Jahre bis auf die Basthaut abschälen kann. te) Weichhärige EicheQuercuspubescens), hat kurzen die Unterfläche der Blätter ist mit einem weißen, weichhäarigen Filz bedeckt; Holz sehr brüchig u. locker. ‚) Burgundische Eiche, Cerriseiche(nercus cerris), wird höher u. stärker als die vorhergehende; das Holz ist dichter u. fester u. die Rinde dicker, die Frucht groß, länglich, der halbrunde Becher ist stachelig-schuppig. g) Stecheiche (Quercus ilex), wird bis 14 m. hoch u. 30 cm. dick, Blätter eirund, ungetheilt, stark gewellt, zugespitzt, gesägt, an den Sägezähnen bedornt, immergrün, Eicheln eirund, klein, sehr kurz gestielt. Holz sehr nutzbar, schwer, hart, elastisch, fault nicht leicht. h) Speiseiche, italienische Eiche (Quercus escula), höchstens 8 m. hoch bei dickem Stamm, die länglichen Eicheln sind wie Haselnüsse eßbar, von den Alten dem Zeus als Allernährer geweiht. i) Scharlach- oder Kermeseiche (Quercus coccifera), wird ziemlich hoch, Blätter klein, eirund, unzertheilt, dornig, gezahnt 1508. Eichenblatt aus dem Kölner Dom. immergrün, sehr kurz gestielt. Eicheln groß u. dick, reifen Ende August. Von den amerikanischen Enn sind die wichtigsten: E) die Lebenseiche (H. virens), deren Holz in Amerika am meisten geschätzt und vorwiegend benutzt wird. )) Rothe Eiche (H. rubra), wird in 150 Jahren 18—24 m. hoch und 90 em. dick; die Blätter werden im Herbst roth; wird als Bauholz im Trocknen, zu Tischlerarbeiten, vorzüglich aber als Brenn- und Kohlholz verwendet. m) Kastanienblätterige Eiche ( prinus), in 90—100 Jahren bis 24 m. hoch und 90 em. dick; Holz rostgelb, porös, zähe, fest und dauerhaft; n) die großfrüchtige Eiche (AQ. macrocarpa); o) die amerikanische Scharlacheiche (H. coccinea), die vielfach von Kanada aus versendet wird. Die amerikanischen Eichenhölzer gehen zwar viel nach den englischen Werften, sind aber zum Schiffbau nicht so geschätzt wie die europäischen, da sie bald von den Würmern angegriffen u. zerstört werden. p) Den Namen weiße Eiche führt zunächst eine in Amerika einheimische Eichenart (Q. alba), dann aber auf der Norfolk-Insel eine Art Lagunaria (L. Patersonii, Fam. Malvengewächse), von den Kolonisten auch Weißholz gen., die 5 bis 6 m. hoch wird. Das Holz ist weiß u. schwammig und wird zu Knieen für Boote gebraucht. Angepflanzt konrmt tsbibliothek Heidelberg dieser Baum auch in Südwales vor. Ueber die Merkmale der Gesundheit der E. s. den Art. Bauholz. Außerdem vergl. die Art. Dauer, Elastizität, Festigkeit ree. Das spezifische Gewicht des Eichenholzes variirt von 0,3. O 9o, s. in Art. Gewicht II. Die E. war den alten Griechen schon heilig u. Orakelbaum, auch den Kelten u. Germanen sowie den druidischen Galliern. Bei Griechen und Römern war sie dem Zeus (Jupiter) geweiht. Die Römer flochten Ehrenkränze für treue Kämpferaus Eichenlaub mitvielenEicheln. Das Christenthum konnte bes. in Ländern germanischen Stammes die der E. gezollte Verehrung nie ganz ausrotten, und so ging sie auch in die christliche Kunst über als Sinnbild der Treue u. der deutschen Nationalität. In der mittelalterlichen Symbolik bedeutet die E. als Baum Glaubensstärke, als Blattwerk Hoffnung auf Gott, als Frucht Zufriedenheit. Dargestellt wurden in der deutschmittelalterlichen Kunst Eichenblatt und Eichel anfangs naturalistisch, wie in Fig. 1507, oder stilisirt mit Galläpfelknollen, nach Fig. 1508. Vergl. auch d. Art. Kreuzblume, Kriechblume u. Blätter. 2s.