FeedTeutonen (Teutoni oder Teutönes)
ErdkundeBrockhaus 1882

Teutonen (Teutoni oder Teutönes), ein german. Volk, erwähnt schon Pytheas von Massilia, der Zeitgenosse Alexanders d. Gr., als heimisch an der sog. Bernsteinküste, worunter bei ihm die westl. Küste Schleswig-Holsteins an der Elbmündung und der ordsee zu verstehen ist. Nach einigen Berichterstattern nahmen die T. um 113 v. Chr. an dem gewaltigen, schließlich gegen den roman. Süden gerichteten Zuge der Cimbern J. d. von Anfang an teil. Sie kamen bis zu den östl. Alpen, wo sie bei Noreja (jetzt Neumarkt im heutigen Kärnten) den röm. Konsul Gnäus Papirius Carbo besiegten. Darauf wandten sie sich nach Gallien, wo sie wiederholt die röm. Heere schlugen. Nach einem andern, wahrscheinlich bessern Bericht vereinigten sich die T. erst im J. 103 in Gallien mit den Eimbern. Im J. 102 drangen Cimbern und T. in zwei Heerhaufen gegen Italien vor, wurden aber, die T. und die Kernschar der Ambronen bei Aquä Sertiä (Aix in der Provence), die Cimbern und die helvetischen. Tiguriner auf der Raudischen Ebene (bei Vercelli), diese 30. Juli 101, von Marius (s. d.) geschlagen und fast gänzlich aufgerieben. Auch der König der T., Teutoboch oder Teutobod, der mit geringer Mannschaft entkommen war, geriet, von den Sequanern aufgefangen, in die Hände des Siegers und half dessen Triumphzug verherrichen. In späterer Zeit erwähnen Pomponius Mela, Plinius und Ptolemäus wiederum seßhafte T. oder Teutonovarier in einem an der untern Elbe und davon ostwärts gelegenen, niedrigen, s umpfigen und großen überschwemmungen ausgesetzten Lande, wahrscheinlich Nachkommen derjenigen, welche an jenen großen Zügen nicht teilgenommen hatten, und von diesen wollen J. Grimm und Kiepert die heutigen Ditmarschen, beziehentlich den Namen dieser Landschaft ableiten. Von dem Volksnamen Teutoni hatten die Römer ein Adjektiv teutonicus abgeleitet, welches einige ihrer Schriftsteller (wie Martial, Claudian u. Cäsar und Tacitus aber nie) auch in gleicher Bedeutung mit germanicus, d. h. zur Gesamtbezeichnung aller deutschen Volksstämme verwenden. Dies aus der lat. Sprache entlehnte Wort brauchen in demselben Sinne seit dem Anfang des 10. Jahrh. auch lateinisch schreibende Deutsche, während im 9. Jahrh. noch das aus der Muttersprache entsprossene thiudiscus allein üblich gewesen war. Aus diesem einheimischen thiudiscus, nicht aber aus jenem fremdländischen teutonicus, stammt der Volksname Deutsch' (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 590Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6