Thalschlucht durch besonders schmale Sohle, steile Boschung der Wände und gewöhnlich durch geringere Länge, unwegsamen wilden Charakter. Das Ende der Schlucht ist gemeiniglich erweitert; in höhern Felsbergen mit steil aufgerichteten Wänden aber beginnt dieselbe auch öfters mit kesselartiger Erweiterung. Es ist dies ein Kahr oder Felstahr und die enge Fortsetzung eine Klamm (s. d.). Solche Kahre sind die Cirkusthäler oder Oules (Töpfe) der Pyrenäenthäler und die Botner in Skandinavien. Nach der Streichungslinie der Erhebung unterscheidet man Längenthäler (Longitudinalthäler) und Querthäler (Transversalthäler). Erstere sind solche, deren mittlere Richtung parallel mit der des Gebirges läuft. Sie zeichnen sich gewöhnlich durch einen geradlinigen Verlauf aus, sind in der Regel länger, geräumiger „ von mildern Formen begrenzt und erlauben weite Blicke. Nicht selten ähneln sie weiten, nach beiden Seiten ansteigenden Mulden, in denen sowohl im Grunde als an den Abhängen die Vegetation hinreichende Gelegenheit findet Platz zu greifen. Dagegen haben die Querthäler, d. h. solche, deren mittlere Richtung ungefähr rechtwinkelig zu der des Gebirges steht, einen ganz andern Charakter. Sie erscheinen fast immer als Lücken im Zusammenhange der Schichten, welche mit den einander gegenüberstehenden Seiten korrespondieren. Sehr gewöhnlich sind in ihnen die erwähnten Thalstufen oder Thalabstürze. Ihre Wände, an den Gesteinsschichten im Querdurchbruch gebildet, sind immer steil und meist unregelmäßige Felsabstürze. Daher machen solche Thäler gewöhnlich einen ernsten, großartigen, ja schauerlichen Eindruck, um so mehr, da sie in der Regel verhältnismäßig eng sind. Oft ist die obere Strecke eines ein Längenthal, bis dasselbe einbiegt und als Querthal sich fortsetzt. Die Thäler werden durch mannigfaltige Gebirgsstücke voneinander getrennt, die an den gemeinschaftlichen Stamm wie Rippen an ein Rückgrat angeheftet sind. Die größern dieser Gebirgsstücke nennt man Gebirgsjoche oder Jöcher und unterscheidet, wie am Hauptgebirge, Rücken, * und — — Die besondere Gliederung eines birges sind also die Jöcher und die Thäler. Zur bessern libersicht teilt man dieselben ein und nennt Hauptthäler diejenigen, welche sich vom Rücken des Gebirges bis zum Fuße desselben erstrecken, alle übrigen aber Nebenthäler verschiedener Ordnung. Wo ein diesseitiges und ein jenseitiges Hauptthal am Rücken eines Gebirges aufeinandertreffen, da liegt gewöhnlich ein Sattel oder Paß. Durch Einmündung eines Nebenthals enttehen Thalkreuze; sie sind die Ausgangspunkte für ie Verfolgung der Gabelungen nach verschiedenen Richtungen. Die Entstehungsweise der Thäler ist eine sehr verschiedenartige. Viele, vielleicht die meisten sind offenbar nur durch Wasserauswaschung gebildet, daher ECErosions-oder Skulpturthäler. Die Auswaschung derselben ist aber nicht immer von der Oberfläche herein, sondern zuweilen unterirdisch erfolgt. So gibt es namentlich in einigen aus Kalkstein bestehenden Gebirgsgegenden, z. B. im Karst bei Triest und in Griechenland, Thäler, die dadurch entstanden, daß unterirdische, in Spalten und Höhlen ablaufende Gewässer diese nach und nach so weit ausgewaschen haben, bis die Decke einstürzte und sich dadurch eine Reihe von trichterförmigen Erdfällen bildete, welche sich nach und nach lat nch Thalrinne verbanden. In andern Fällen t sich eine Ausschürfung durch vorzeitliche Gletscher nachweisen (so bei den oben erwähnten Kahren oder Cirkusthälern). Viele andere Thäler sind dagegen offenbar durch gewaltige Zerspaltung bei Faltung der Gebirge oder (so meist in ebenern Gegenden) durch „Verwerfungsspalter (s. d.) veranlaßt und dann erst durch das darin abfließende Wasser zu ihrer gegenwärtigen Gestalt und Weite ausgewaschen. Man nennt diese tektonische Thäler, und wenn sich dabei eine Aufrichtung der Schichten zu beiden Seiten der Thalachse erkennen läßt, Sattelthäler (antiklinale Thäler), oder aber, wenn die Schichten von beiden Seiten der Thalachse zufallen, Muldenthäler (synklinale Thäler). Zwei schöne Beispiele von Sattelthälern sind im norddeutschen Hügellande die von Pyrmont und Driburg. Thäler, welche durch Verwerfungsspalten begrenzt sind, heißen Einbruchsthäler; wo sie zwischen zwei parallelen Spalten abgesunken sind, Grabenthäler (die Rheinebene zwischen Basel und Mainz). Um die Klassifikation der Thäler nach ihrer Entstehung haben sich besonders verdient gemacht: Sueß, Löwl, F. von Richthofen. Die Form und der ganze Naturcharakter der Thäler, namentlich auch die Bewässerung und die durch diese bedingte Entfaltung des organischen Lebens hängen wesentlich von dem Bau und Material der Thalgehänge ab. Vgl. L. Rütimeyer, «uber Thal⸗ und Seebildungs (Bas. 1869); K. Sonklar Edler von Innstädten, Allgemeine Orographien (Wien 1873); Toula, «über Thalbildung» (Wien 1877); A. Heim, Untersuchungen über den Mechanismus der Gebirgsbildunge (2 Bde., Bas. 1878); Löwl, alber Thalbildung» (Prag 1884); Sueß, Das Antlitz der Erdey (Lpz. u. Prag 1885) und F. von Richthofen, «Führer für Forschungsreisendey (Berl. 1886).