Spidromum, n., lat., Abtritt. Spiegel, m. I. srz. miroir, m., engl. mirror, smoothsurface, reflector, lat. speculum. Jede glatte Fläche, welche die auffallenden Lichtstrahlen so zurückwirft, daß durch dieselben ein Bild der vor derselben stehenden Gegenstände erzeugt wird; s. Reflexion. — 1. Throretisches. Wenn die S. vollkommen glatt wären, so müßten sie Bilder geben, welche den gespiegelten Gegenständen an Helligkeit völlig gleich wären; dies ist aber nicht der Fall, u. infolge dessen sind die Spiegelbilder stets weniger hell. Nach der Gestaltung der Oberfläche unterscheidet man ebene u. gekrümmte S. Die Gesetze der ebenen S. folgen sehr einfach aus dem Reflexionsgesetz, daß der Einfallswinkel dem Reflexionswinkel gleich ist. Ist P (Fig. 3218) der leuchtende Punkt und gehen von ihm Strahlen aus, PA, PBetc., so werden diese sämtlich reflektirt, und zwar so, daß sie von einem Punkt P“ hinter dem S. herzukommen scheinen, welcher eben so weit hinter dem S. liegt, als der Punkt P vor demselben; dieser Punkt ist das Spiegelbild des Punktes P. Befindet sich also ein Auge irgendwo in O, so erscheint ihm der gespiegelte Punkt P in der Richtung OP. Auf dieselbe Weise findet man die Spiegelbilder von Gegenständen. Werden zwei ebene S. unter einem Winkel zusammengestellt, so bringt jeder zwischen beide gebrachte Gegenstand in jedem von beiden ein Spiegelbild hervor; dieses aber erzeugt wieder im andern S. ein Bild u. s. f. Ist der Winkel beider S. 60“, so sieht das zwischen beiden aufgestellte Auge jeden zwischen den Sen befindlichen Gegenstand sechsmal, nämlich einmal im Original u. fünfmal im Bild. Ueberhaupt beträgt bei Winkelspiegeln, deren Winkel der ute Theil von 360 ist, die Anzahl der Spiegelbilder n—1. „Gekrümmte S. werfen das Licht nach denselben Gesetzen zurück, wie ebene. Man unterscheidet bei ihnen Hohlspiegel und Konverspiegel. Ist die spiegelnde Oberfläche, wie gewöhnlich, ein Theil einer Kugel, so vereinigen sich die von einem Punkt aus auffallenden Strahlen nur dann nach der Reflexion nahezu in einem Punkt, wenn der S. im Ver⸗ „hältnis zu der ganzen Kugel sehr klein ist. Der Mittelepunkt der Kugel heißt der Krümmungsmittelpunkt des S.s, der Mittelpunkt der spiegelnden Fläche der optische Mittelepunkt; die Verbindung beider Mittelpunkte ist die Hanpt-Sbibliothe Heidelberg achse. Fallen auf einen solchen S. parallel zur Achse Lichtstrahlen auf, so werden diese nahezu in einen Punkt zurückgeworfen, welcher der Zreunpunkt heißt und in der Mitte zwischen dem Krümmungsmittelpunkt und dem optischen Mittelpunkt liegt. Geht der leuchtende Punkt ins Endliche, so rückt sein Bild dem Krümmungsmittelpunkt näher u. fällt mit diesem zusammen, wenn der Leuchtpunkt selbst dahin gerückt ist. Bewegt sich der Leuchtpunkt weiter dem Brennpunkt zu, so rückt das Bild weiter hinaus und fällt ins Unendliche, wenn der Leuchtpunkt in den Brennpunkt gelangt ist. Rückt derselbe aber noch weiter, so fällt das Bild hinter den S., die Lichtstrahlen werden also wie bei ebenen Sen so reflektirt, als ob sie von einem Punkt hinter dem S. herkämen. Ein solches Bild wird ein reelles genannt. — Konvexspiegel geben stets reelle Bilder. Vgl. auch Hohlspiegel. — 2. Herstellung der S. Tauglich zu Sin sind alle Körper, welche undurchsichtig od., dafern sie durchsichtig sind, doch einen dunklen Hintergrund haben; dabei müssen sie eine glatte Oberfläche besitzen od. anzunehmen vermögen; dahin gehören stehende Wasserflächen und insbesondere die Metalle. Je härter das Metall, desto besser ist der S.; so würde angelassener Stahl ein sehr gutes Material sein, wenn er nicht leicht oxydirte; s. d. Art. Spiegelmetall. — 3. Metallspiegel sind jetzt außer zu wissenschaftlichen Zwecken nur noch wenig in Gebrauch; s. übr. Reflektor u. Reverbere. — 4. Wegen der vorwiegenden Anwendung versteht man unter der Benennung S. namentlich die auf der Rückseite mit Quecksilber od. Zinnfolie belegten Glasplatten, ürz. glace, engl. IoOking-glass; dieselben müssen sehr vor allen, die Folie etwa zersetzenden oder zur Oxydation bringenden Dämpfen, vor Wandfeuchligkeit etc. bewahrt werden. Hinterlegung mit Holz ist in dieser Beziehung bei weitem nicht so gut wie mit Pappe, namentlich wenn solche geölt ist. — 5. Neuerdings belegt. man S. nicht mit Quecksilberamalgam, sondern mit Silber, welches aus einerammoniakalischen Lösung durchAldehyd, Zucker, Weinsäure oder dergl. reduzirt ist, oder mit einer Lösung von weinsaurem Silberoxydammoniak. Solche S. sind billiger und ihre Fabrikation weniger gesundheitsgefährlich als die bei Quecksilberspiegeln; sie geben den gespiegelten Gegenständen einen warmen Ton u. reflektiren etwa 20/ mehr Licht als die Quecksilberspiegel. Erhalten kann man sie bei Crümer u. Comp. in Doos bei Nürnberg u. bei Petitjean in Paris, Brüssel u. Genf. — 6. Biegsame S.) frz. miroirs duetiles. Man trägt auf einem mit Eiweiß überzogenen Papier oder Gewebe mehrere Schichten eines durchsichtigen Firnisses auf, die zusammen nachher das Glas der gewöhnlichen S.ersetzen; dannüberziehtman ein Blatt Stanniol auf der einen Seite mit einer oder mehreren Schichten eines Firnisses, der kein Wasser enthält; nachdem dieser Ueberzug genügend getrocknet ist, bedeckt man dieselbe Seite des Stanniolblattes mit einer Schicht irgend eines Leims, welcher dazu dient, das Stannialblatt auf Papier, Gewebe, Holz od. eine andere Substanz zu befestigen. Man gießt nun auf die andere Seite des Stanniolblattes Quecksilber, welches mit dem Stanniol ein Amalgam bildet. Auf dieses legt man dann das zuerst erwähnte, mit Eiweiß überzogene Papier od. Gewebe, die gefirnißte Seite nach unten, und bewirkt durch Pressung, daß das amalgamirte Stanniolblatt u. die auf dem Papier oder Gewebe angebrachte Firnißschicht sich fest mit einander verbinden. Dann wird das Papier oder Gewebe entfernt, zu welchem Zweck man es an der Rückseite mit Wasser befeuchtet, worauf es, indem das Wasser das Eiweiß auflöst, sich leicht ablösen läßt. Man hat nun einen wirklichen S., der um so schöner ausfällt, je reiner und durchsichtiger der Firniß war. Dieser S. kann sogleich für die Stelle, welche er einnehmen soll, gemacht werden, indem man ihm bei der Anfertigung die nöthige Krümmung giebt. Man kann aber auch die fertige Spiegelfläche biegen. Durch farbige Firnisse kann man hübsche Effekte erzielen. Als Attribut und Embleme erhalten S. die Narrheit, Natur, Weisheit u. s. w. II. Frz. miroir, engl. mirror. Einem gefaßten S.ähnliche Fläche, bes. 7. kleine runde oder ovale Felder, mit denen die Gesimsglieder bisweilen verziert werden; s. d. Art. Glied F. — 8. S. des Gewölbes, s. d. Art. Gewölbe u. Spiegelgewölbe. — 9. An der Thüre s. v. w. Füllungsfläche zwischen den Ausgründungen. III. 10. S. oder Spalt, frz. maille, engl. medullary ray, die schwachen Markstrahlen, wie sie auf der Oberfläche eines nach der Richtung der Stammhalbmesser durchschnittenen Stammes erscheinen; s. d. Art. Holz 1. Vom 13. bis 15. Jahrh. wurde mit Vorliebe Spiegelholz, srz. bois de maille, d. h. radial gespaltenes Holz zu Schreinerarbeiten verwendet. — 11. Die von Natur wie geschliffen erscheinende Seite eines Fossils. — 12. Schillernder Fleck, z. B. Auge eines Pfauenschweifes. IV. (Schiffb.) 13. franz. arcasse, poupe, engl. stern, stern-frame, buttock, lat. puppis, die ganze Hinterseite eines Schiffes, eigentlich aber nur derjenige Theil, der von den Randsomhölzern und Heckbalken begrenzt wird, höchstens unter Hinzufügung der Hintergilling. Spiegelblende,‚ k. (Miner.), s. d. Art. Blätterblende.