Theophrastus, griech. N ilosoph, geb. um 372 v. Chr. zu Eresos auf der Insel Lesbos, erhielt hier eine vortreffliche Erziehung und kam dann nach Athen, wo er zuerst ein Schüler des Plato, darauf des Aristoteles wurde. Aristoteles bestimmte ihn wegen seiner wissenschaftlichen und rhetorischen Begabung zu seinem Nachfolger als Haupt der Peripatetischen Schule. 1 dieser Stellung, welche er 35 Jahre lang, bis zu seinem Tode (287 v. Chr.)) bekleidete, erlangte T. einen so 4* Ruf, daß er 2000 Schüler gehabt haben soll. Sein Ruhm verbreitete sich auch ins Ausland, und er erhielt Einladungen von Ptolemäus nach Agypten und von Kassander nach Macedonien. Er war Verfasser einer großen Anzahl dialektischer, metaphysischer, moralischer und physik. Schriften; Diogenes zählt deren an 200 auf. Über den Inhalt derselben läßt sich bei ihrem fast gänzlichen Verlust kein bestimmtes Urteil fällen. Man kann jedoch annehmen, daß T. bemüht gewesen, die Lehren des Aristoteles systematisch darzustellen; auch läßt seine Naturgeschichte der Pflanzen voraussetzen, daß ein Teil seiner Bemühungen, im Sinne des Aristoteles, auf positive Kenntnis der Natur gerichtet gewesen. Was man von seinen philos. Lehren weiß, bezieht sich zum Teil auf spezielle Ausführung der logischen und ethischen Theorien des Aristoteles, zum Teil auf die Entwickelung einiger Konsequenzen, die in den Aristotelischen Begriffen lagen; so z. B. seine Neigung, alle Veränderungen der materiellen und geistigen Welt auf Bewegung zurückzuführen. Die bekannteste seiner noch erhaltenen Schriften hat den Titel „Ethici charactereso (Sittengemälde), meist in das Komische gezeichnet und in dieser Gestalt vielleicht nicht von •m selbst. Außerdem hat man von T. noch naturhistor.Werke, unter welchen die Natureschichte der Gewächser das bedeutendste ist, und ein Ragment über Metaphysik, welches der Bekkerschen Ausgabe von Aristoteles' Metaphysik (Berl. 1823) beigedruckt ist. Die Hauptausgaben seiner Werke sind die von Schneider (5 Bde., Lpz. 1818 21) und von Wimmer (Bresl. 1842; Lpz. 1854; Par. 1866). Unter den vielen Ausgaben der Charakteres sind die von Ast (Lpz. 1816), Foß (Lpz. 1858) und Petersen (Lpz. 1859), unter den deutschen Ubertragungen die von Rommel (Prenzlau 1816) und Schnitzer (Stuttg. 1859) hervorzuheben. Vgl. Usener, Analecta Theophrastea (Lpz. 1858); Bernays, «T.“ Schrift über die Frömmigkeite (Berl. 1866). heophrastus Paracelsus, s. Paracelsus.