Theosophie (grch.), der Wortbedeutung nach soviel als Erkenntnis Gottes und göttlicher Dinge, wird gewöhnlich im Sinne eines auf unmittelbarer innerer Anschauung beruhenden Spekulierens über die übersinnliche Welt gebraucht. Die Theosophen unterscheiden sich daher von den Philosophen weniger durch den Gegenstand ihres achdenkens, als vielmehr durch die Methode, da bei ihnen statt des geordneten Denkens die Thätigkeit der Phantasie und die den klaren Gedanken überwältigende Düung keit der religibösen Empfindung überwiegt. Häufig berufen sich die Theosophen auf eine unmittelbare göttliche Erleuchtung, welche ihnen durch eine mystische Vereinigung mit der Gottheit zuteil werde. Die Heimat theosophischer Spekulationen war im Altertume der phantastische Orient. In der großen eistigen Gärung der ersten nisch-thevson nach Chrisius teilte sich der phanta tisch-theosophische Zug nicht nur christl. Denkern, sondern auch griech. Philosophen mit, da der überströmende Reichtum der innern Anschauungen sich nur in bildlich-sinnlicher Hülle aussprechen, nicht aber auf wissenschaftliche Begriffe zurückführen lassen wollte. Daher ist nicht nur der christl. Gnostizismus, sondern auch der Neuplatonismus durchaus theosophisch. In neuerer Zeit wurden nach verwandten Erscheinungen im Mittelalter, besonders infolge der in der Reformationszeit angebrochenen geistigen Bewegung, theosophische Ideen in reicher ülle erzeugt, schon unter den «Täuferno des 16. ahrh., und bei Kaspar Schwenkfeld (s. d.), später bei Val. Weigel, Jakob Böhme, Swedenborg u. a. Von der Mystik unterscheidet sich die T. dadurch, daß sie immer in der Form eines Systems oder einer zusammenhängenden Weltanschauung auftritt.