FeedThonwaren
VerkehrBrockhaus 1882

Thonwaren erfolgt teils auf freiem Feld (Feldbrand), teils in besondern Ziegelöfen. Letztere sind entweder gewöhnliche Kammeröfen von rechteckigem Querschnitt (Deutscher Ofen, Kasseler Ofen), bei welchen alle Kammern gleichzeitig beschickt und, wenn die Steine fertig gebrannt sind, auch gleichzeitig entleert werden, oder es sind Ringöfen, bei denen der Betrieb ein kontinuierlicher ist, da eine Kammer nach der andern entleert und wieder beschickt wird, oder endlich es sind Kanalöfen mit kontinuierlichem Betrieb, bei denen die Steine auf Wagen langsam einen Kanal durchlaufen, in welchem sie angewärmt, gebrannt, wieder abgekühlt und an dessen anderm Ende sie als fertige Ware herausgenommen werden. Der Ringofen von Hoffmann, Fig. 1 u. 2, hat in seiner ursprünglichen kreisförmigen Anordnung den Schornstein in der Mitte, umgeben von dem ringförmigen überwölbten Kanal, der in zwölf oder noch mehr Kammern geteilt ist. Von diesen vollständig miteinander in Verbindung stehenden Kammern ist immer nur eine durch eine Scheidewand von der folgenden, der derzeitigen Beschickungszelle, getrennt, während die jeweilig letzte Zelle vor der Scheidewand mit dem Schornstein in Verbindung steht, sodaß der Luftstrom stets alle Kammern durchstreichen muß. Durch diese Anordnung kommt die Luft zunächst mit den fertig gebrannten, abzukühlenden Steinen in Berührung, wodurch sie eine starke Temperaturerhöhung erfährt, somit in den Kammern, wo die Steine in Brand sind, eine intensive Wärmeentwickelung ermöglicht und beim Durchstreichen der weitern Kammern, wo die Steine neu eingesetzt sind, diese gehörig vorwärmt. Jede Kammer besitzt eine Offnung zum Einbringen des Ziegelmaterials und eine zweite zur Kommunikation mit dem Schornstein; dieselben sind aber sämtlich vermauert, resp. verschlossen, bis auf die eine Einsatzöffnung, durch welche die zuströmende Luft eintritt, und die Rauchabzugöffnung in der letzten Kammer vor der Scheidewand, die mit dem Schornstein in Verbindung steht. Die Heizung erfolgt durch offnungen in den Gewölben der Kammern, deren jede mehrere davon besitzt. Bei dem Ziegelofen von Loeff, Fig. 14 u. 15, welcher das nämliche Prinzip wie der Hoffmannsche Ofen verfolgt, liegen die Kammern nicht im Kreise nebeneinander, und im ganzen ist die Anordnung der Rauchabzugskanäle hier noch etwas einfacher als bei der Hoffmannschen Konstruktion. Feinere Porzellan⸗, Fayence⸗ und Steingutwaren werden im sog. Porzellanofen gebrannt. Meist benutzt man jetzt den kontinuierlichen Charlottenburger Porzellanofen mit zwei Reihen Kammern, welche durch Gasgeneratoren geheizt werden; doch findet man auch in ältern Fabriken den Etagenofen für Holzkohlenfeuerung, wie ihn Fig. 6 darstellt. Derselbe hat drei durch starke Gewölbe getrennte Etagen, von denen die beiden untern zum eigentlichen Brennen der Thonwaren dienen, wogegen diese in den obern Raum nur zum Ausglühen eingestellt werden. Die beiden untern Etagen sind in der Regel von je vier Feuerkästen umgeben, in welchen das Holz zur Verbrennung gelangt. Durch Kanäle treten die Heizgase in die gewölbten Räume, wo sie die aufgestapelten Thonwaren umspülen, um dann durch die Offnung in den Deckengewölben nach oben in den Abkühlungsraum zu steigen und schließlich durch den Schlot abzuziehen. Die zum Eintragen des Materials in jeder Etage vorhandenen Thüren werden, wenn der Ofen angeheizt werden soll, vermauert. Während man gröbere Ahonwaren direkt übereinander auf den Boden der Ofenkammern setzt, werden feinere Waren in Kapseln aus einem der Chamotte ähnlichen Material aufeinander gestellt, um sie vor Verunreinigungen zu schützen. Ein großer Teil des dem Ofen entnommenen Porzellangeschirrs wird dekoriert, was man unter der Kollektivbezeichnung Porzellanmalerei zusammenfaßt. Die Porzellanfarben sind durch Metalloxyde gefärbte Gläser, welche fein gemahlen, mit einem Bindemittel, z. B. mit verdicktem Terpentinöl, versehen, mittels eines Malerpinsels aufgetragen und dann eingebrannt werden. Man unterscheidet Scharffeuerfarben, welche so beständig sind, daß sie unter der Glasur aufgetragen und mit dieser zugleich eingebrannt werden können, und Muffelfarben (s. d.), welche auf die Glasur aufgetragen und bei viel niedrigerer Temperatur in der Muffel (s. d.) eingebrannt werden. Die Zahl der letztern Farben ist viel größer als die der erstern, weil die meisten Metalloxyde sich bei den höchsten Temperaturen verflüchtigen, oder einen unreinen Ton geben. Man benutzt Eisenoxyd für Rot, Braun, Violett, Gelb und Sepia, Chromoxyd für Grün, Kobaltoxyd und salpetrigsaures Kobaltoxydkali für Blau und Schwarz, Uranoxyd für Orange und Schwarz, Manganoxyd für Violett, Braun und Schwarz, Iridiumoxydfür Schwarz, Titanoxyd und Antimonoxyd für Gelb, Kupferoxyd und Kupferorydul für Grün und Rot, chromsaures Cisenoxydul für Braun, chromsaures Bleioryd und chromsauren Baryt für Gelb, Chlorsilber für Rot, Goldpurpur für Purpur und Rosenrot. Einige dieser Metallpräparate erlangen die gewünschte Farbe und Festigkeit erst, wenn sie mit dem Flußmittel zusammengeschmolzen, also in die Konstitution des Glases übergegangen sind (Schmelzfarbenoder Emailburch rirt während andere vor der Verwendung urch Fritten in den halbverglasten Zustand übergeführt werden müssen. Alle Muffelfarben liegen auf dem Porzellan fühlbar erhaben und sind daher der Abnutzung unterworfen. Zum Zweck der Vergoldung wird fein verteiltes Gold, mit basisch salpetersaurem Wismutoxyd und mit Quecksilberoryd gemischt, aufgetragen; auch bedient man sich des Muschel- oder Malergoldes, das man in die Glasur einbrennt. Die Vergoldung erhält durch Polieren mit Achat und Blutstein Glanz. Zu der sog. det man ein Präparat, welches Goldchlorid, Schwefelgold oder Knallgold mit kleinen Mengen Wismut in einer Lösung von Schwefel in Terpentinöl oder andern ätherischen Olen enthält und das mittels des Pinsels aufgetragen, getrocknet und eingebrannt wird. Man erhält so unmittelbar eine glänzende Vergoldung, die indes sehr vergänglich ist. Versilberung und Platinierung werden selten auf Porzellan angewendet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 652Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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