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GeschichteBrockhaus 1882

Metternich (Clemens Wenzel Nepomuk Lothar, Fürst von M.⸗Winneburg), berühmter österr. Staatskanzler, Sohn von Franz Georg M. und Maria Beatrix Aloisia, Gräfin von Kageneck, wurde zu Koblenz 15. Mai 1773 geboren und studierte 1788—90 in Straßburg, vertrat das Westfälische Grafenkollegium bei der Kaiserkrönung Leopolds II. in Frankfurt, studierte dann in Mainz bis 1794 und kam hierauf nach Wien, wo er sich mit der Enkelin und Allodialerbin des Staatsministers Kaunitz, Fürstin Marie Eleonore (geb. 1. Okt. 1775, gest. 19. März 1825) 1795 vermählte. Auf dem Rastatter Friedenskongreß 1797 —99 wirkte er als Gesandter des Westfälischen Reichsgrafenkollegiums, und 1801 wurde er österr. Gesandter in Dresden, 1803 in Berlin und endlich 1806—9 in Paris. Als nach der Schlacht beiWagram Graf Stadion zurücktrat, wurde M. erst provisorisch, dann 8. Okt. 1809 definitiv als k. k. Staats⸗ und Konferenzminister mit der Leitung des Auswärtigen betraut. Am 25. Mai 1821 erfolgte seine Ernennung zum Haus⸗, Hof- und Staatskanzler und im Okt. 1826 auch zum Präsidenten der Ministerialkonferenzen für die innern Angelegenheiten, welche Amter er bis zum 13. März 1848 bekleidete. In solcher Stellung galt er fast 40 Jahre lang als die Seele der auswärtigen und innern Politik Österreichs. Hervorragend ist sein Anteil an den weltgeschichtlichen Vorgängen der Napoleonischen Epoche, bedeutsam die Rolle, welche er auf dem Wiener Kongreß spielte. Stifter der Heiligen Allianz, Hauptschöpfer des Bundestags, der Karlsbader Beschlüsse, Träger der reaktionären Politik in Osterreich, Deutschland und Italien, verschaffte er sterreich großen Einfluß auf die Gestaltung aller europ. Verhältnisse, die ihn na-Kaiser zu England in Gegensatz brachten. Unter Kaiser Ferdinand I. dauerte M.s System unverändert fort. Erst durch die Bewegung von 1848 wurde M. gezwungen, seine Amter niederzulegen (13. März) und nach England zu entfliehen. Nach dem Eintritt der europ. Reaktion kehrte er auf den Kontinent zurück, zuerst Nov. 1849 nach Brüssel, Juni 1851 nach Johannisberg und Sept. 1851 nach Wien, wo er seitdem bis an seinen Tod,‚ 11. Juni 1859, in Zurückgezogenheit lebte. M. hatte aus seiner ersten Ehe zwei Töchter. Am 5. Nov. 1827 vermählte er sich zum zweiten mal mit Marie Antoine, Freiin von Leykam und Gräfin von Beilstein (geb. 15. Aug. 1806, gest. 17. Jan. 1829) und 30. Jan. 1831 zum dritten mal mit der Gräfin Melanie von Zichy⸗-Ferraris (geb. 28. Jan. 1805, gest. 3. März 1854). Von hohem zeitgeschichtlichen Wert ist das von seinem Sohne herausgegebene Werk: Aus M.s nachgelassenen Papierenv (8 Bde., Wien 1880—84). Vgl. Beer, Fürst Clemens M. (im Neuen Plutarch', Bd. 5, pz. 18777)7. Sein aus der zweiten Ehe stammender einziger Sohn, Fürst Richard Clemens Lothar Hermann, geb. 7. Jan. 1829, vermählt 30. Juni 1856 mit der einzigen Tochter seiner verstorbenen ältesten Stiefschwester, der Gräfin Pauline von Sändor (geb. 26. Febr. 1836) und Besitzerin der Herrschaft Kojetein in Mähren, wurde 2. Dez. 1852 Gesandtschaftsattacheé in Paris, 1854 Legationssekretär, 1856 Gesandter in Dresden. Im Juni 1859 leitete er die diplomatischen Geschäfte im Hauptquartier in Italien. Vom 14. Dez. 1859 bis Ende 1871 war M. Botschafter in Paris. Am 18. April 1861 erhielt er die erbliche Reichsratswürde im österr. Herrenhause und 1864 die Geheimratswürde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 675Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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