Tieck (Christian Friedr.), Bildhauer, der Bruder des vorigen, geb. zu Berlin 14. Aug. 1776, genoß hier bis 1797 den Unterricht Schadows und seit 1798 den Davids in Paris. Er ging 1801 nach Weimar, wo er viele gelungene Büsten, darunter die von F. A. Wolf, ᷓ. H. Voß, Goethe u. s. w., fertigte. Mit seinem Bruder Ludwig, dem Baron von Rumohr und den Gebrüdern Riepenhausen unternahm er 1805 eine Reise nach Italien. Auf die Einladung des damaligen bayr. Kronprinzen Ludwig ging er 1809 nach München, und hier entstanden die Büsten des Kronprinzen, Schellings, F. Jacobis und die seines Bruders. In Italien traf er 1812 zu Carrara mit Rauch zusammen. Hier arbeitete T. für den Kronprinzen von Bayern die Büsten von Lessing, Erasmus von Rotterdam, Herder, Wallenstein, Wilhelm und Moritz von Oranien, des Marschalls von Sachsen u. a.; für die Frau von Stael eine lebensgroße Statue Neckers, die für Coppet bestimmt war. Seine letzte Arbeit in Carrara, die er aber erst in Berlin, wohin er 1819 zurückkehrte, beendigte, war der eine jener Kandelaber, welchen die Offiziere der preuß. Armee dem Andenken des Marquis Larochejacquelein weihten. In den Tympanonfeldern des neuen Schauspielhauses in Berlin, welche die Niobe-Gruppe(Tragödie), den Bacchus-Zug (Komödie) und die Orpheus-Gruppe (Musik) enthalten, sowie in den Dekorationen der Dachkrone und der Freitreppe entfaltete er sein schönes Talent an den dankbarsten Aufgaben. T. war 1819 Mitglied der Akademie zu Berlin geworden und griff seit 1820 in den regen Umschwung mit ein, der die berliner Kunstakademie auszeichnete. Mehrere Jahre beschäftigte ihn die Herstellung der antiken Monumente für das königl. Museum, bei dem er seit der Eröffnung desselben als Direktor der Statuenabteilung angestellt war. Unter anderm modellierte er auch die 1829 in Erz gegossenen Gruppen der Dioskuren als Rossebändiger für den überbau des königl. Museums nach den Vorbildern auf dem Cavallo. In Dresden modellierte er 1836 die Büste seines Bruders. Er starb 14. Mai 1851. Bei seinen Arbeiten leiteten ihn edler Geschmack und das Streben nach einer feinen Charakteristik, wie sie der berliner Bildhauerschule überhaupt eigen ist. Seine künstlerische Neigung war auf engern Anschluß an die Antike gerichtet, als dies bei Rauch der Fall war.