FeedWichmann (Ludw. Wilh.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Wichmann (Ludw. Wilh.), Bruder des vorigen, geb. 1784 in Potsdam, begann seine Laufbahn in engem Anschluß an Gottfr. Schadow. In den J. 1807—13 war er in Paris, 1819 ging er nach Rom, wo er zu Thorwaldsen in Beziehung trat. Damals fertigte er ein sich die Haare schmückendes Mädchen, Welches Werk nach Petersburg kam. Nach Berlin zurückgekehrt, war auch er vorzugsweise im Gebiete der Porträtdarstellung thätig. Seine Bildnisse atmen Leben und sind von meisterhafter Feinheit der Durchbildung. Zu seinen geschätztesten Werken gehören die Büsten von Schleiermacher, Theodor Körner, dem Großen Kurfürsten, welche letztere für die Walhalla bestellt wurde, von Hegel, der Sängerin Henriette Sontag, der Fürstin von Liegnitz, vom Fürsten Radziwill, Fichte, Gans, von Buch, Felir Mendelssohn, Spohr, Kaulbach u. a. Außerdem lieferte er frei komponierte Werke, so mehrere Figuren im Innern des Opernhauses zu Berlin, einige weihliche Gestalten als Akroterien auf dem Museum, Amor und Psyche im Marmorpalais in Potsdam, den heil. Michael an der Werderschen Kirche in Berlin, die Basreliefs für die Giebelfelder des Nikolaus-Bürgerhospitals (1839), eine der Marmorgruppen auf der Schloßbrücke, endlich 1843 zwei Statuen Winckelmanns, eine in Erz für Stendal, eine in Marmor für die Vorhalle des berliner Museums. W. war Professor an der Akademie der Künste zu Berlin, sowie Lehrer an der Gewerbegkademie. Er starb 29. Juni 1859. Wichse. Die Schuhwichse besteht in der Regel aus gepulverter Knochenkohle, welche die schwarze Farbe liefert, aus Sirup oder Melasse, welche den 5s Led. auf dem Leder fixiert, und Ol, welches das Leder geschmeidig erhält. Die gepulverte Knochenkohle (Beinschwarz), wird mit 25 bis 30 Proz. ihres Gewichts von konzentrierter engl. Schwefelsäure zusammengerührt, dadurch wird saurer phosphorsaurer Kalk gebildet, welcher mit dem gleichzeitig entstandenen Gips und der im Zustande feinster Zerteilung ausgeschiedenen Kohle zu einem salbenartigen Brei gemischt wird, zu welchem man noch 10 bis 12 Proz. vom Gewicht der angewendeten Kohle Sl (Olivenöl, Thran) mengt; duberdem setzt man gewöhnlich noch eine schwächere Säure (in England Essigsäure, in Deutschland Salzsäure), etwa 10 Proz. von der Knochenkohle u, mitunter auch Glyzerin, Dertrin u. s. w. In üherer Zeit soll geschwärztes Wachs der Hauptbestandteil der W. gewesen sein, daher auch wohl die franz. Benennung Cirage. Mit dem Namen Fußbodenwichse, die zum Wichsen der Parkettböden dient, bezeichnet man eine Mischung von geschmolzenem Wachs und Terpentinöl oder Kaliwachsseife, die durch Kochen von 250 g Wachs, 50 g Pottasche und 200 g Wasser erhallen wird; die sich bildende dickflüssige Masse wird beim Gebrauch mit siedendem Wasser verdünnt und mit dem Pinsel auf die zu glättende Holzfläche aufgetragen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 600Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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