FeedTiegel
Haus & KücheBrockhaus 1882

Tiegel, in der Haushaltung ein zum Zerlassen von Fett u. s. w. gebrauchtes, flachrundes, irdenes Gefäß. Die zum Schmelzen von Metallen, zu Reduktionen und andern technischen Zwecken dienenden T., speziell Schmelztiegel genannt (s. unter Thonwaren), sind gewöhnlich nach unten kegelförmig verengte thönerne Gefäße. Ein guter Schmelztiegel muß hohe Hitzegrade und raschen Temperaturwechsel aushalten und dabei möglichste Dichtigkeit besitzen, um die Masse nicht durchsickern zu lassen. Die bekannteste Sorte sind die Hessischen Schmelztiegel, welche meist unten rund, oben dreieckig, aber auch ganz rund in Großalmerode (Hessen-Nassau) in vorzüglicher Güte und Wohlfeilheit hergestellt und gewöhnlich in Sätzen von 6 Stück, genau ineinander passend, der kleinste von etwa 5 em Höhe, in den Handel gebracht werden, während die großen von 15 bis 25 em Höhe einzeln zum Verkauf kommen. Zu den Hessischen T. wird ein sehr fetter, eisen⸗ und kalkfreier Pfeifenthon verwendet, der gehörig durchgearbeitet und mit der gleichen Menge groben weißen Quarzsandes gemengt, dann auf der Drehscheibe aus freier Hand geformt und nach dem Trocknen sehr scharf gebrannt wird. Diese T. sind sehr feuerbeständig, jedoch für manche Zwecke zu porös, auch werden sie von Alkalien leicht angegriffen. Besonders feuerfeste T. werden aus Thon mit Zusatz von Chamotte hergestellt. Die äußerst haltbaren Stourbridge-Tiegel, aus einem vorzüglich feuerfesten Thon, der bei Brierley-Hill, unweit Stourbridge (England) gegraben wird, mit Zusatz von Chamotte, Cokspulver und Graphit bestehend, werden erst unmittelbar vor dem Gebrauch gebrannt und finden namentlich in den Messingfabriken von Birmingham Verwendung. Für sehr hohe Temperaturen eignen sich die Spinelltiegel aus Thonerde und Magnesia; Graphittiegel (Passauer und Jpser Tiegel), welche hauptsächlich zum Schmelzen von Gold und Silber, aber auch von Gußstahl und Messing dienen, werden aus feuerfestem Thon und feingepulvertem Graphit besonders in Hafnerzell bei Passau verfertigt und kommen nur scharf getrocknet, nicht gebrannt (die kleinern dreieckig, die größern, von 65 em Höhe, rund) in den Handel. Bei diesen allerdings etwas kostspieligen T. ist einesteils die Masse porös genug, um dem Bersten nicht zu unterliegen, andernteils hindert die glatte Innenfläche das Anhängen von Metallkügelchen, sodaß sich die T. ganz rein ausgießen lassen. Für den Chemiker sind die größern derartigen T. sehr bequem zur Herstellung von Sfen für Glühungen, Abdampfungen u. s. w., da die Weichheit der Masse gestattet, sie mit Bohrern, Sägen, Raspeln und Messern zu bearbeiten und so etwa in ein Drittel der Höhe an der Innenwand einen Reif zum Einlegen eines Rostes, sowie nahe über dem Boden eine Offnung für den Luftzug einzuschneiden. Gußeiserne Tiegel dienen zum Schmelzen alkalischer, die Thontiegel stark angreifender Substanzen. Porzellan- und Platintiegel sind bei feinern Arbeiten in chem. Laboratorien in Gebrauch.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 685Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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